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Zahlen Fresenius: Übernahme-Desaster in den USA: Akorn-Deal droht zu scheitern

Von Fresenius hat das 14. Rekordjahr in Folge hingelegt. Die mittelfristigen Aussichten des Gesundheitskonzerns sind prächtig. Dennoch war die Stimmung bei Vorstandschef Stephan Sturm auf der gestrigen Bilanzpressekonferenz in der Unternehmenszentrale in Bad Homburg gedrückt. Der Grund: Eine milliardenschwere Übernahme in den USA droht zu scheitern.
Im Werk Friedberg von Fresenius Kabi kontrolliert ein Mitarbeiter einen Infusionsbeutel. Foto: Uwe Noelke Im Werk Friedberg von Fresenius Kabi kontrolliert ein Mitarbeiter einen Infusionsbeutel.
Frankfurt. 

Der Fresenius-Konzern hat schon eine Reihe von großen Übernahmen gestemmt. Der frühere Finanzvorstand und heutige Vorstandsvorsitzende Stephan Sturm war an den meisten beteiligt. Dem ehemaligen Investmentbanker eilt der Ruf eines „Übernahme-Routiniers“ voraus. Der jüngste, im Vorjahr angekündigte Deal droht aber zum Desaster zu werden: Das US-Unternehmen Akorn, das auf Nachahmerprodukte wie Salben und Cremes spezialisiert ist, sieht sich Vorwürfen nach möglichen Missständen bei der Produktentwicklung ausgesetzt und droht zum Dauerärgernis für den Bad Homburger Konzern zu werden.

Fresenius hat nach anonymen Hinweisen auf eine mögliche Verletzung der „Datenintegrität“ im Zulassungsverfahren neuer Arzneien beim 4,4 Milliarden Euro teuren Zukauf reagiert und eine umfangreiche Untersuchung eingeleitet. Eine ganze Batterie an hoch spezialisierten Juristen mit immensen Tagessätzen wird aufgeboten, um die Beschuldigungen aufzuklären. Konzernchef Sturm machte aber noch einmal deutlich, dass Fresenius an dieser Akquisition festhalten werde, sollten sich die Vorwürfe nicht erhärten. Sollten die Beschuldigungen aber „stichhaltig“ sein, werde vom Vertrag zurückge-treten.

Fresenius-Aktionäre atmeten auf, da das zuletzt schwächelnde Geschäft bei Akorn für Verunsicherung gesorgt und die Aktie nach unten gedrückt hatte. Die Titel legten um über vier Prozent zu und waren damit größter Gewinner im Leitindex Dax.

Ausnahmejahr 2017: Rekorde und erste Frau im Vorstand

Das sind die Kerndaten für das Geschäftsjahr 2017 des Fresenius-Konzerns: Vorstandschef Sturm heftete ihm das Etikett „Ausnahmejahr“ an.

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Eine weitere Baustelle tut sich bei der Tochtergesellschaft Kabi auf, die auf intravenös zu verabreichende Arzneimittel, klinische Ernährung und Infusionstherapie spezialisiert ist. Dem Blutersatzstoff HES droht die Suspendierung durch Arzneimittelbehörden. Es gebe derzeit eine Kontroverse wegen einer Anwendungsstudie aus Dänemark, sagte Sturm. Darin werden der Notfallmedizin schwerwiegende Nebenwirkungen bescheinigt. Hydroxyethylstärke (HES) trägt zur Verbesserung des Fließverhaltens des Bluts bei. Sie wird in der Intensivmedizin zur Behandlung eines verminderten Blutvolumens bei akutem Blutverlust eingesetzt. Noch ist unklar, wie die Behörden entscheiden und der Fall für Fresenius ausgeht. Doch vorsorglich hat das Unternehmen vom prognostizierten Gewinn von Kabi einen „Risikoabschlag“ abgezogen – „aus kaufmännischer Vorsicht“, so Sturm.

Die größte Tochtergesellschaft im Fresenius-Konzern, das börsennotierte Dax-Unternehmen Fresenius Medical Care, ist bei Anlegern in Ungnade gefallen. FMC war gestern einer der größten Verlierer unter dem Dax-Titel und büßte in der Spitze rund fünf Prozent ein. Der Grund: FMC muss eine Rückstellung in Höhe von 200 Millionen Euro bilden, um sich gegen mögliche Bußgelder und Strafen in den USA zu wappnen. Dort läuft nach einer Eigenanzeige seit 2012 eine behördliche Untersuchung wegen des Verdachts auf mehrere Bestechungsfälle in Ländern außerhalb der Vereinigten Staaten, in die FMC-Manager verwickelt sein sollen. Dass die Rückstellung bilanziell wirksam wurde, deute darauf hin, dass die Untersuchungen in den nächsten Monaten zum Abschluss kommen könnten.

Dass das Ergebnis nicht komplett verhagelt wurde, hat FMC der Steuerreform von US-Präsident Donald Trump zu verdanken. Diese beschert dem Weltmarktführer im Dialysegeschäft einen jährlich wiederkehrenden positiven Effekt in der Größenordnung von 140 bis 160 Millionen Euro.

Probleme machte FMC in den USA die schwere Hurrikan-Saison im vergangenen Herbst. Dabei wurden Dialysezentren beschädigt oder mussten geschlossen werden. Patienten mussten teilweise mit Booten und Hubschraubern zum nächsten verfügbaren Dialysezentrum gebracht werden. Fast 100 Patienten, die auf Blutwäsche angewiesen sind, wurden aus Haiti nach Miami in Florida ausge-flogen.

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