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Finanzen: Übernahme-Fantasien befeuern Commerzbank-Aktie

Von Anfang Februar legt die Commerzbank ihre Zahlen für 2017 vor – doch der Blick richtet sich nach vorn: Verkauft der Bund seine Anteile? Und wenn ja, an wen?
Commerzbank-Chef Martin Zielke beteiligt sich an keinen Übernahme-Spekulationen: „Es ist nicht mein Job, Sandkastenspiele zu machen.“ Foto: Andreas Arnold (dpa) Commerzbank-Chef Martin Zielke beteiligt sich an keinen Übernahme-Spekulationen: „Es ist nicht mein Job, Sandkastenspiele zu machen.“
Frankfurt. 

Ein Aktienkurs sagt – manchmal – mehr als 1000 Worte. Das Papier der Commerzbank notierte gestern bei zeitweise knapp 13,54 Euro; der Titel der Deutschen Bank war nicht einmal zwei Euro mehr wert. Vor knapp fünf Jahren hingegen war eine Aktie des größeren der beiden Institute vier Mal so teuer wie die des kleineren gelben Rivalen. Der Kurs der Commerzbank hat sich seit dem jüngsten Tief im August 2016 fast verdreifacht und binnen Jahresfrist immerhin 75 Prozent zugelegt, was zu einer Marktkapitalisierung von knapp 17 Milliarden Euro geführt hat – dagegen kam die Deutsche Bank seit einem Jahr nicht vom Fleck, binnen fünf Jahren hat die Aktie mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren.

Der Fairness halber seien die Kapitalerhöhungen der Deutschen Bank erwähnt, die die Anteile der Alteigentümer verwässerten; ihr Börsenwert liegt immerhin bei 32 Milliarden Euro – für den einzelnen Aktionär jedoch ist das kein Trost. Und natürlich hat die Commerzbank von den Übernahme-Spekulationen der jüngsten Vergangenheit profitiert: Als mögliche Käufer wurden die französischen Institute BNP Paribas und Credit Agricole, die spanische Großbank Santander und die italienische HypoVereinsbank-Mutter UniCredit genannt; auch die Schweizer UBS soll sich für Teile des Geschäfts interessieren. „Der Aktienkurs der Commerzbank hat im vergangenen Jahr massiv von Übernahme-Fantasien profitiert“, sagt Equinet-Analyst Philipp Häßler; fundamental sei das Kursplus nicht gerechtfertigt.

Die Entscheidung über einen Verkauf läge beim Großaktionär Bund, also bei der künftigen Regierung und hier wiederum vor allem beim Finanzminister in Berlin. Eine große Hürde könnte aber immer noch der Aktienkurs sein. Der Bund strebte zuletzt möglichst einen Erlös von 3,5 Milliarden Euro für seine noch gut 15 Prozent Anteile an. Dazu müsste er pro Aktie rund 18 Euro bekommen – inklusive des Aufschlags, den ein strategischer Investor zahlen müsste, scheint das nicht ganz in Reichweite, aber der Verlust hielte sich in Grenzen. Der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin hatte in der Finanzkrise Ende 2008 und Anfang 2009 Commerzbank-Anteile übernommen, inklusive späterer Zahlungen für rund fünf Milliarden Euro, und 16,4 Milliarden Euro als stille Einlage in die angeschlagene Bank gepumpt. Die Einlage wurde zuzüglich Zinsen von 1,2 Milliarden zurückgezahlt.

Der neue Minister

Natürlich wollte der frühere Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) das Engagement bei der Commerzbank möglichst ohne Verluste abschließen, nach Schäubles Wechsel ins Amt des Bundestags-Präsidenten ist sein Nachfolger da flexibler. Noch ist das Zustandekommen einer neuerlichen Groko und die Besetzung des Ministerpostens offen; der CDU-Kandidat und bisherige Staatssekretär Jens Spahn allerdings hatte in den Sondierungsgesprächen mit FDP und Grünen einen Verkauf von Bundesbeteiligungen zumindest an Telekom und Post abgelehnt. Bei der SPD haben Privatisierungen ohnehin keine Priorität – doch stünden die Einnahmen auch für die Finanzierung sozialer Wohltaten zur Verfügung, was der Partei eine Zustimmung erleichtern könnte. Angesichts der sprudelnden Steuereinnahmen stünde aber auch ohne den Verkauf von Tafelsilber genügend Geld zur Verfügung.

Cerberus im Nacken

Der Finanzinvestor Cerberus wiederum hat sich an Commerzbank und Deutscher Bank beteiligt, das könnte auf eine Spekulation auf eine Fusion der beiden deutschen Rivalen hindeuten. Doch deutet darauf aktuell wenig hin, auch Cerberus-Chef Stephen Feinberg soll sich zuletzt gegen eine solche Verschmelzung ausgesprochen haben.

Beim Erwerb durch einen ausländischen Käufer blieben Fragezeichen: Soll der wichtigste Finanzierer des deutschen Mittelstands und Außenhandels wirklich in ausländische Hände geraten? Und wie viele Stellen fielen bei einer Fusion weg? Commerzbank-Chef Martin Zielke ist ohnehin bereits dabei, die Belegschaft zu reduzieren – sie soll bis zum Jahr 2020 auf 36 000 Vollzeitstellen schrumpfen. Ende 2015 waren es noch 43 000 Mitarbeiter. Und was würde eine Fusion für das Kundenwachstum bedeuten? Zuletzt hatte die Privatkundensparte, mit Teilen des zerschlagenen Mittelstandssegments zusammengelegt, das Ziel ausgegeben, bis 2020 netto zwei Millionen Neukunden zu gewinnen. Doch bei der Profitabilität bleiben angesichts des Niedrigzins-Umfeldes ebenfalls Fragezeichen.

Immerhin hat die Bank nach neun Monaten unter dem Strich 66 Millionen Euro verdient und dürfte auch im Gesamtjahr laut Durchschnitt der Analystenschätzungen auf 125 Millionen Euro Konzernergebnis kommen (nachdem Restrukturierungsaufwand von gut 800 Millionen abgezogen wurde). Dagegen hat die Deutsche Bank das Jahr 2017 wiederum mit roten Zahlen abgeschlossen.

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