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Technikgeräte: Unternehmen Flip4 schenkt Handys ein neues Leben

Schon wieder ein neues Handy? Was tun mit dem alten? Die Firma Flip4 hat ein Konzept entwickelt, dass zugleich praktisch und umweltfreundlich ist. Sie kaufen gebrauchte Geräte aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik an, checken sie durch und verkaufen diese weiter – auf Ebay.
Nach der Reparatur kann auch ein gebrauchtes Handy noch gute Dienste erweisen. Flip4 sorgt für den Vertrieb. Foto: Sergey Tonoyan (clickrepair) Nach der Reparatur kann auch ein gebrauchtes Handy noch gute Dienste erweisen. Flip4 sorgt für den Vertrieb.
Friedrichsdorf. 

Michael Sauer sitzt im Besprechungsraum, hinter ihm das Museum: Zwei Apple-Computer, ein Laptop und ein Desk-Top aus den 90er Jahren zieren die Wand hinter dem Konferenztisch. „Diese beiden sind nicht mehr verkäuflich“, lacht Sauer.

Der 39-jährige Geschäftsführer der Flip4 GmbH hat zusammen mit seinem Freund Lennart Kleuser (38) ein Unternehmen aufgezogen, dass zwei Bereiche bedient: Einmal den Ankauf von gebrauchten Kleingeräten der Unterhaltungselektronik, vom Handy bis zur Spielkonsole, von der Kamera bis zum Laptop. Andererseits verkaufen sie diese gebrauchte Elektronik wieder über den Ebay-Shop Flip4Shop, an Kunden in ganz Europa. „Wir sind einer der größten E-Bay-Händler Deutschlands“, sagt Sauer nicht ohne Stolz. „Wir verkaufen fast das gesamte Sortiment an Unterhaltungselektronik.“ Das sind meist kleine, handliche Geräte wie Smartphones oder auch Computer. Der Hauptanteil am Umsatz sind Handys.

Erste Idee scheitert

Sauer und Kleuser nehmen dabei zwei Kundengruppen in den Blick: Zum einen die, die nach dem neuesten Modell schauen und wenn es auf den Markt kommt, das alte gegen Geld wieder loswerden wollen. Und zum anderen die, die nicht so markenbewusst sind und mehr auf die Funktionalität schauen, auch ein gebrauchtes, älteres Modell tut für sie seinen Dienst.

Geschäftsführer Michael Sauer vor den Computern, deren Daten gerade „geschreddert“, d.h. unwiderbringlich gelöscht werden. Bild-Zoom
Geschäftsführer Michael Sauer vor den Computern, deren Daten gerade „geschreddert“, d.h. unwiderbringlich gelöscht werden.

Eigentlich hatten beide Firmengründer ursprünglich an ein Modell der Inzahlungnahme gedacht, wie es das bei Herstellern von Navigationsgeräten gibt: Tausche alt gegen neu. Daher auch der Name Flip4new. Doch das funktionierte mit vielen unterschiedlichen Produkten so nicht. Mittlerweile, nach gut acht Jahren am Markt, schreiben Sauer und Kleuser achtstellige Umsatzzahlen, beschäftigen rund 70 Mitarbeiter in Friedrichsdorf. Die Mehrzahl ist in der Logistik beschäftigt: Pakete öffnen, Geräte prüfen, Daten löschen, Fotos von den Geräten machen, Kundenservice.

Angefangen hat alles 2008 im Zuge der Finanzkrise. Damals arbeiteten Sauer und Kleuser noch bei der Deutschen Bank. Doch das Angestellten-Dasein reichte ihnen nicht. „Wir wollten auf jeden Fall selbstständig sein, es war ein wohlüberlegter Schritt“, sagt Sauer.

Für das Geschäftskonzept haben beide Unternehmer gewichtige Partner gefunden. Zum einen beim Ankauf der Ware. Privatpersonen können über die Website „flip4new.de“ beispielsweise ihr gebrauchtes Smartphone schätzen lassen. Doch um präsent am Markt zu sein, bedarf es der Zusammenarbeit mit großen Elektronik-Einzelhändlern wie Saturn oder Mediamarkt, die Gravis-Stores oder Mobilcom-Debitel. Diese vermitteln Kaufverträge zwischen Kunde und Flip4 in ihren Läden.

Und auch im Bereich der Finanzierung haben Sauer und Kleuser Investoren für sich gewonnen. Business Angels wie die Cinco Capital GmbH von Lars Hinrichs aus Hamburg, die Paua Ventures aus Berlin sowie die Bandwith Ventures Limited aus Irland haben die beiden Banker über ihr ehemaliges Netzwerk schon 2010 als Investoren mit im Boot gehabt. Auch die MediamarktSaturn-Gruppe ist seit 2012 als Teilhaber dabei.

Dabei ist die Firma zwischenzeitlich schnell gewachsen. Dort, wo Sauer und Kleuser in der Frankfurter Innenstadt in der Nähe vom Bahnhof anfingen, gebrauchte Geräte zu testen und zu lagern, musste man aus Platzgründen und wegen hoher Mieten bald nach Rödelheim und schließlich nach Friedrichsdorf umziehen, auf 2500 Quadratmetern Büro und Lager sind sie hier seit 2011 ansässig.

Datenschutz wichtig

„Wir haben innerhalb von zwei Jahren 2012 unseren Umsatz verdoppelt“, berichtet Sauer. Mittlerweile kaufen die Gründer auch aus dem Ausland an: Neben Deutschland sind Österreich und die Niederlande wichtige Märkte, aber auch in Schweden, Italien und der Schweiz gibt es Partner für den Ankauf.

Sind sie einmal von Flip4 durchgecheckt worden, werden die Produkte dann ausschließlich im Ebay-Shop „Flip4Shop“ zu Festpreisen verkauft. Der Unterschied zu sonstigen Gebrauchtwarenauktionen auf Ebay: Der Datenschutz. „Bei uns werden die Daten durch ein spezielles Löschverfahren forensisch gelöscht, so dass man sie nicht mehr wieder herstellen kann“, erläutert Sauer.

Die Techniker bei Flip4 testen zudem bei den Produkten über 50 verschiedene Funktionalitäten und reparieren auch zerbrochene Displays oder Platinen. Nicht mehr wieder veräußerbare Ware wird als Ersatzteillager noch genutzt. „Hier geht es bei den Mitarbeitern viel um Spezialwissen, teils sind es Elektrotechniker oder Techniker, die in Reparaturwerkstätten gearbeitet haben.“ Sauer betont aber auch, dass ihm das Tüfteln selbst schon als Jugendlicher viel Spaß gemacht habe. „Ich habe früher gerne auf Trödelmärkten Comics und gebrauchte Spielkonsolen verkauft.“

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