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Bornheimer Ivo Houben schenkt ausgedienten Decks ein neues Leben: Upcycling-Serie: Altes Skateboard auf der Nase

Von Vom Sportgerät zum Fashion-Produkt: Das Frankfurter Unternehmen Soneart stellt aus alten Skateboard-Decks trendige Brillen her. Mit welchen Herausforderungen Inhaber Ivo Houben zu kämpfen hatte und wen er mit den coolen Einzelstücken unterstützen will, erzählen wir im dritten Teil unserer Upcycling-Serie.
Ivo Houben trägt seine trendigen Brillen natürlich auch selbst. Ivo Houben trägt seine trendigen Brillen natürlich auch selbst.
Frankfurt. 

Voll konzentriert schiebt Ivo Houben den hölzernen Brillenbügel durch die Stichsäge. Jetzt darf ihm kein Fehler unterlaufen, sonst ist der Bügel unbrauchbar. Akribisch achtet er also darauf, dass sich die Säge nur mittig Millimeter für Millimeter durch das alte Holz frisst. Nach wenigen Sekunden ist es geschafft – und der Bügel perfekt erschlankt. „Den Rest macht der Dremel“, sagt der passionierte Skater, Unternehmer und Designer.

Soneart baut auch Möbel aus alten Skateboard-Decks. Bild-Zoom
Soneart baut auch Möbel aus alten Skateboard-Decks.

In seiner kleinen Werkstatt in der Berger Straße 418 fertigt Ivo Houben (Sonnen-)Brillen – allerdings keine gewöhnlichen. Die Gestelle bestehen aus alten, ausgedienten Skateboard-Decks. Auf diese Idee habe ihn ein befreundeter Optiker gebracht, erzählt er. „Er wusste, dass ich früher meine Skateboard-Decks selbst aus Holz gepresst habe. Eines Tages fragte er mich, ob ich helfen könnte, eine Brille aus Holz zu bauen“, erinnert sich der Bornheimer. Natürlich ließ sich Houben nicht lange bitten und begann zu experimentieren. Schnell bemerkte er, dass sich Skateboard-Decks ganz wunderbar eignen, um aus ihnen Bügel und Gestelle herzustellen. „Sie haben einfach genau die richtigen Biegungen“, erklärt Houben. Zunächst habe er noch versucht, die Brillenrohlinge mit der Stichsäge aus den Decks zu sägen, heute übernimmt diesen Job eine computergesteuerte Fräsmaschine. „Das ist tatsächlich der einzige Arbeitsschritt, der vollautomatisch abläuft“, erzählt er. Wenn’s nämlich ans Schleifen oder Abrunden mit dem Dremel, ans Nuten fräsen oder die Versiegelung geht, ist Handarbeit gefragt.

Schweiß ist gefährlich

Eigentlich hat der heute 30-Jährige Film studiert, als Kameramann auf Musikfestivals und in der Postproduktion gearbeitet. In seiner Freizeit ist er Skateboard, Snowboard, Longboard, Kiteboard, Waveboard und Freeboard gefahren. „Wenn Freunde sich ein neues Board kaufen wollten, dann sind sie zu mir gekommen. Ich habe sie beraten. Das gab schließlich den Ausschlag, dass ich mich vor fünf Jahren mit einem Longboardshop selbstständig gemacht habe“, erzählt Houben. Das habe Mut und ein bisschen Naivität erfordert, sagt er lächelnd.

Gebrochene Skateboard-Decks hängen als Lampe von der Decke. Bild-Zoom
Gebrochene Skateboard-Decks hängen als Lampe von der Decke.

An der perfekten Brille hat der Designer nun drei Jahre getüftelt. Er hat die Form verfeinert – „Jetzt ist sie etwas eckiger, nerdiger und hat Federbügel.“ –, und den Produktionsprozess optimiert. „Wir sind in der Lage, innerhalb von
20 Stunden vier bis fünf Brillen zu fertigen.“ Auch die Beschichtung hat Houben verbessert – wegen des menschlichen Schweißes. „Der ist sehr aggressiv, zieht in das Holz ein und zerstört es“, beschreibt Houben. Deshalb versiegele er alle Gestelle gleich zwei Mal mit einem speziellen Harz.

Dass während der letzten drei Jahre nicht immer alles rosig war, hat Houben schon fast vergessen. „Eigentlich wollte ich jeden Winter hinschmeißen“, gibt er zu. Dann nämlich fehlten ihm die Einnahmen aus dem Longboardshop, um die Investitionen – insgesamt hat er inzwischen rund 50 000 Euro in sein Herzensprojekt gesteckt – auszugleichen. „Doch ich hätte mir das nie verziehen, hätte ich hingeschmissen“, sagt er.

Soziale Initiative

Ivo Houben möchte mit seinen Brillen – sie sind weniger als
20 Gramm leicht und in den Größen klein, mittel und groß verfügbar – die lokale Skater-Szene stärken. „Jede Brille sponsert einen Skateboarder“, sagt er. Um seinen ständigen Bedarf an benutzten Decks zu decken, vergibt er Skateboards kostenlos an Skater, die sie sich normalerweise nicht leisten könnten. „Nach drei Wochen bekommen wir die Boards dann mit den typischen Kratzern und Gebrauchsspuren zurück “, erzählt er. Bevor die Decks jedoch zu Soneart-Brillen werden können, muss ihre Holzqualität geprüft werden. „Hat das Deck beispielsweise Wasser gezogen, ist es für uns unbrauchbar.“

Die Brillen entstehen fast ausschließlich in Handarbeit. Für das Anbringen der Bügel braucht es eine ruhige Hand. Bild-Zoom
Die Brillen entstehen fast ausschließlich in Handarbeit. Für das Anbringen der Bügel braucht es eine ruhige Hand.

Das Upcycling der alten Skateboard-Decks liegt dem Frankfurter am Herzen. „Es wäre schade, wenn die Boards weggeschmissen würden. Denn das Holz ist sehr hochwertig“, sagt Houben. Eignet sich ein Deck mal nicht für die Brillenproduktion, dann macht der kreative Designer Möbel, etwa Stühle, Regale oder auch Lampen, daraus. „Mein Traum ist es, irgendwann einen Laden mit Möbeln, Brillen und Skateboards im Angebot zu haben“, sagt er.

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