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VW stellt Zulieferbetriebe neu auf

Zulieferbetriebe spielen eine entscheidende Rolle in der Autoindustrie - der VW-Konzern leistet sich hausinterne Werke, die Motoren oder Getriebe bauen. Genau dort justieren die Wolfsburger jetzt nach. Ändert sich dadurch etwas für die Beschäftigten?
Das Volkswagen-Logo prangt über dem Verwaltungshochhaus auf dem VW Werk in Wolfsburg. Foto: Julian Stratenschulte Das Volkswagen-Logo prangt über dem Verwaltungshochhaus auf dem VW Werk in Wolfsburg.
Wolfsburg. 

Der VW-Konzern bündelt seine hausinternen Zuliefer- und Komponentenwerke. Dazu schafft die Unternehmensgruppe eine neue, markenübergreifende Sparte „Konzern Komponente”.

Darin würden weltweit 56 Fabriken etwa für Getriebe, Motoren und Fahrwerkelemente mit rund 80.000 Beschäftigten zusammengefasst, teilte Volkswagen mit. Zuvor hatte das „Handelsblatt” darüber berichtet. Erste Schritte seien erfolgt, es gehe aber um einen fließenden Prozess.

Ziel sei eine effizientere Ausrichtung des internen Geschäfts mit Bauteilen, die auch in Modellen von VW-Töchtern Verwendung finden. Zudem solle der Wandel zur E-Mobilität so vorangetrieben werden.

Nach Informationen aus VW-Kreisen wird die neue Einheit keine eigene Rechtsform erhalten, auch seien weder ein Verkauf noch ein Börsengang geplant. Alle Beschäftigten behielten ihre Verträge. Geleitet werden soll die Sparte von Thomas Schmall, der bisher das Zuliefergeschäft bei der Kernmarke Volkswagen-Pkw führte.

Bereits bei der Vorstellung der Zukunftsstrategie vor über einem Jahr hatte VW-Konzernchef Matthias Müller angekündigt, das Komponentengeschäft strategisch neu ausrichten und bündeln zu wollen. „Wenn Sie so wollen, haben wir einen der größten Automobilzulieferer der Welt unter unserem Dach”, sagte er damals. Bisher waren die Komponentenwerke ihren jeweiligen Konzernmarken zugeordnet, lieferten aber auch anderen Marken innerhalb der VW-Gruppe zu.

Betriebsratschef Bernd Osterloh betonte, dass sich Beschäftigung an den Standorten langfristig nur über eine offensive Strategie sichern lasse. „Betriebsrat wie Geschäftsleitung der Komponente setzen sich hierfür gemeinsam ein”, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

„In Kassel haben wir beispielsweise eine Vollauslastung des Werkes mit einer positiven Personalsituation, weil die Getriebeproduktion extrem gut läuft. Gleichzeitig arbeiten wir aber konsequent an der Steigerung der Produktivität. Allein in diesem Jahr werden wir die Produktivität um mindestens sieben Prozent erhöhen.” Um Investitionen in die Elektromobilität zu ermöglichen, müssten jedoch gleichzeitig Produkte auslaufen, die langfristig nicht wettbewerbsfähig sind.

Osterloh erklärte: „Uns als Betriebsrat geht es darum, dass wir mit unseren weltweiten Komponenten-Standorten unserer Konzernmarken frühzeitig in die neuen Produkte der E-Mobilität einsteigen.” Vor zwei Jahren habe der Anteil der Investitionen in den Bereich noch etwa fünf Prozent betragen.

„Heute ist es der Komponente gelungen, diesen Anteil bei insgesamt gesenkten Investitionen auf über 40 Prozent zu steigern. Und dies immer unter dem Nachweis der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber externen Zulieferern, denn nur dann bekommt die Komponente den Zuschlag für neue Produkte.”

Auf einer Betriebsversammlung im September hatte Osterloh berichtet, dass der Betriebsrat wiederholt gefordert habe, die Komponentenwerke im Konzern aufzuwerten. Beim Übergang zur E-Mobilität spielen sie eine wichtige Rolle, so entstehen in Kassel und Salzgitter E-Motoren. In Salzgitter wird außerdem eine erste Batteriezell-Pilotfertigung aufgebaut, um ab 2018 Know-how für die Produktion zu sammeln.

Gerade in der Abgas-Affäre läuft die Zusammenarbeit bei Komponenten zwischen den einzelnen Marken indes nicht immer reibungslos. Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück hatte erklärt, er sehe sein Unternehmen hintergangen. „Ich werde es nicht zulassen, dass Porsche durch Tricksereien von Audi in Gefahr gerät”, sagte er unlängst.

Das Verkehrsministerium hatte im Juli den Rückruf von europaweit rund 22.000 Porsche Cayenne angeordnet, weil diese eine Betrugssoftware enthielten. Die bemängelten Dieselmotoren kamen von Audi.

(Von Thomas Strünkelnberg, dpa)
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