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Milliarden-Investitionen geplant: VW will mit E-Autos an Weltspitze

Nach Monaten im Rückwärtsgang wegen des Abgas-Skandals präsentiert sich Volkswagen wieder mit breiter Brust.
Aus dem Jammertal von Diesel-Skandal und Renditeschwäche: VW-Markenchef Herbert Diess schwelgt schon in der Welt von morgen. Foto: Philipp von Ditfurth (dpa) Aus dem Jammertal von Diesel-Skandal und Renditeschwäche: VW-Markenchef Herbert Diess schwelgt schon in der Welt von morgen.
Wolfsburg. 

„Spätestens 2025 wollen wir Weltmarktführer bei der E-Mobilität sein.“ Das verkündete VW-Markenchef Herbert Diess bei der Vorstellung der neuen Strategie für den Umbau der schwächelnden Kernmarke VW. Als Volumenhersteller wolle man dem Elektroauto zum Durchbruch verhelfen und in neun Jahren eine Million E-Mobile im Jahr verkaufen. Damit ändert der Traditionskonzern erneut seinen Kurs. Unter dem Druck von Dieselgate hatte VW angekündigt, sich vom Streben nach Ziel der Größe verabschieden zu wollen. Das hört sich nun wieder anders an: „Wir wollen den Wandel nutzen und Volkswagen entschlossen an die Spitze der Automobilindustrie führen“, sagte Diess.

Mit dem Schwenk vom personalintensiven Verbrennungsmotor hin zum Elektroantrieb geht ein drastischer Stellenabbau einher: Vor vier Tagen hatte VW angekündigt, bei der Kernmarke weltweit 30 000 Stellen abzubauen. Im Gegenzug sollen 9000 Arbeitsplätze bei der Elektromobilität entstehen. „Volkswagen wird sich in den kommenden Jahren grundlegend verändern, nur die allerwenigsten Dinge werden so bleiben, wie sie sind“, sagte Diess. Dabei sei Größe allein nicht das Ziel. VW wolle stattdessen in der Technologie und beim Kundenzuspruch führend sein. „Da wir im Volumensegment arbeiten und Skaleneffekte brauchen, benötigen wir jedoch auch Größe.“ Dass gerade der seit Juli vergangenen Jahres amtierende Markenchef – und nicht Konzernchef Matthias Müller – das neue Selbstbewusstsein präsentiert und das erste Mal seit dem Hochkochen des Dieselskandals das Wort „Weltmarktführer“ in den Mund nimmt, ist bemerkenswert.

Denn der bei seinem früheren Arbeitgeber BMW als knallharter Kostendrücker bekanntgewordene Österreicher geriet in den Verhandlungen über das Sparprogramm bei der Kernmarke mit dem machtbewussten Betriebsrat über Kreuz. Auch im Aufsichtsrat sei Kritik geäußert worden, berichteten Insider. Die Haupteigentümer, die Familien Porsche und Piëch, hielten allerdings zu ihm.

Nun ergreift Diess mit der Strategie „Transform 2025+" die Chance: Während Müller viel Kraft in die Aufarbeitung des Dieselskandals stecken muss, steht der Markenchef mit der Verkündung der Zukunftsthemen im Scheinwerferlicht. Der 58-Jährige rechnet zudem schonungslos mit der Vergangenheit unter Konzernchef Martin Winterkorn ab, dessen ehrgeizige Wachstumsziele als Grund für die Dieselmanipulation gelten. Seinem Vorgänger, der die Hauptmarke in Personalunion neben dem Amt als Konzernchef führte, warf Diess indirekt Versäumnisse vor: Die Fixkosten seien stark gestiegen, gleichzeitig sei VW bei der Produktivität nicht auf Augenhöhe mit den direkten Wettbewerbern. Für die USA fehle seit Jahren ein Erfolgskonzept, in aufstrebenden Märkten wie Brasilien und Indien verliere Volkswagen an Boden. „Teilweise haben wird auch Marktentwicklungen verschlafen.“

Um die Fehler der Vergangenheit auszumerzen, will Diess die Kosten – auch durch den massiven Personalabbau – bis 2020 um 3,7 Milliarden jährlich senken. So will er Mittel freischaufeln, um in Elektromobilität, Vernetzung und autonomes Fahren zu investieren. Dafür sind in den kommenden Jahren 3,5 Milliarden Euro eingeplant. Die E-Offensive soll auch durch den Wegfall von weniger nachgefragten und ertragsschwachen Modellen und Varianten finanziert werden – allein 2,5 Milliarden Euro würden dadurch frei.

Mit seiner E-Offensive ist VW nicht allein in der Branche. Daimler will bis Mitte des nächstens Jahrzehnts mindestens zehn neue Elektroautos auf den Markt bringen. BMW will die Entwicklung von E-Mobilen kräftig anschieben, ebenso der japanische Rivale Toyota.

(rtr)
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