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Verdi weist Vorwurf der übermäßigen Streikfreude zurück

Die Gewerkschaft Verdi streikt häufiger als früher. Dahinter stehe aber keine neue Taktik, sagt die Vize-Vorsitzende Andrea Kocsis. Man reagiere lediglich auf die Tarifflucht der Arbeitgeber.
Andrea Kocsis, stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Verdi. Foto: Bernd von Jutrczenka Andrea Kocsis, stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Verdi. Foto: Bernd von Jutrczenka
Berlin/Köln. 

Die Gewerkschaft Verdi hat den Vorwurf zurückgewiesen, sie sei besonders streikfreudig, sagte die Vize-Vorsitzende Andrea Kocsis im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Die zunehmende Zahl der Arbeitskämpfe ergebe sich eher aus der immer noch anhaltenden Flucht der Unternehmen aus den Arbeitgeberverbänden und der Tarifbindung.

Für Verdi entstehe aus der sinkenden Tarifbindung die Notwendigkeit, „im Häuserkampf” für immer mehr einzelne Betriebe einen Haustarifvertrag abzuschließen. Beispiele seien im Gesundheitswesen oder bei Speditionen zu finden.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hatte Verdi in einer Studie „expansive Tarifpolitik” vorgehalten. Kocsis wies die IW-Einschätzung zurück, wonach die Gewerkschaft ihre finanziellen Mittel für Arbeitskämpfe verdreifacht habe. Genauere Informationen zur Streikkasse wollte sie aber nicht geben.

„Es ist viel kleinteiliger geworden”, beschrieb Kocsis die Tariflandschaft. Die Dienstleistungsgewerkschaft verhandle in über 1000 Berufen und habe mehr als 20 000 laufende Tarifverträge. „Daraus kann leicht der falsche Eindruck entstehen, dass Verdi im Vergleich zu anderen Gewerkschaften streikfreudiger sei.” Die große Mehrheit der Abschlüsse werde aber nach regulären Verhandlungen und ohne Streiks erzielt.

Ausnahmen wie etwa bei den Erzieherinnen oder der Deutschen Post seien auf unterschiedliche Gründe zurückzuführen. So habe Verdi bei der Forderung nach einer tariflichen Höhergruppierung der Erzieherinnen eine gesellschaftliche Debatte um den Stellenwert der sozialen Berufe aufgenommen. In dem langen Tarifkonflikt bei der Deutschen Post sei es hingegen um die Abwehr von Nachteilen für die Beschäftigten gegangen, die in Billigtöchter mit schlechteren Tarifbedingungen ausgelagert werden sollten.

(dpa)
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