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Piloten-Protest und Gegen-Demo vor der Zentrale: Verhärtete Fronten im Lufthansa-Streit

Im Lufthansa-Konzern regt sich offener Widerstand gegen die Dauer-Streiks der Piloten. Es sind aber vor allem leitende Angestellte, die das fliegende Personal auf den Boden holen wollen. Mit einem neuen Tarifangebot will die Lufthansa die Piloten wieder an den Verhandlungstisch zurückholen.
Viele Maschinen mit dem Kranich am Heck blieben gestern am Boden. Foto: Federico Gambarini (dpa) Viele Maschinen mit dem Kranich am Heck blieben gestern am Boden.
Frankfurt. 

Nach einer sechstägigen Streikwelle will die Lufthansa die Piloten mit einem verbesserten Angebot zurück an den Verhandlungstisch holen. Die Airline bietet eine Erhöhung der Bezüge in zwei Stufen um insgesamt 4,4 Prozent und zusätzlich eine Einmalzahlung an. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) betonte, es gebe noch offene Fragen. Aber man werde den Vorschlag des Unternehmens prüfen und sich am Donnerstag dazu äußern. Auch am Freitag werde nicht gestreikt, kündigte ein Sprecher zudem an.

Am Mittwoch strich Lufthansa wegen des Pilotenstreiks noch einmal 890 Flüge, davon waren rund 98 000 Passagiere betroffen. Die Flieger der Töchter Eurowings und Germanwings hoben wie geplant ab. Am Donnerstag will die Airline wieder nahezu nach Plan fliegen. Rund 40 Flüge würden noch ausfallen.

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Kommentar: Raus aus dem Autopilot!

Sonderlich beeindruckt haben sich die Lufthansa-Piloten gestern weder von den Protesten des Frankfurter Bodenpersonals noch vom neuen Angebot des Konzern-Vorstands gezeigt.

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Lufthansa hofft, auf Basis des Angebotes gemeinsam mit der VC eine Schlichtung des Vergütungstarifvertrages vorzubereiten. „Wir wollen dringend weiteren Schaden vom Unternehmen abwenden und unseren Passagieren endlich wieder den Service bieten, den sie von uns erwarten können“, erklärte das Unternehmen. Das Angebot sei der Gewerkschaft bereits am Dienstagabend unterbreitet worden.

Ist das kompromissfähig?

Im einzelnen bietet die Lufthansa für 2016 eine Vergütungserhöhung um 2,4 Prozent und für 2017 um weitere 2,0 Prozent. Dieses Angebot sei nicht an weitere Bedingungen geknüpft. Die Lufthansa gehe damit auf eine zentrale Forderung der Pilotengewerkschaft ein, hieß es. Die Gewerkschaft habe gegenüber Medien wiederholt erklärt, auf Basis eines solchen Angebotes zu einer Schlichtung bereit zu sein.

Zuletzt hatte die Fluggesellschaft bei der Lösung weiterer offener Tariffragen 4,4 Prozent in zwei Stufen bis Mitte 2018 plus eine Einmalzahlung geboten. Die VC verlangt für einen Zeitraum von fünf Jahren Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent bis April 2017. Der Vergütungstarifvertrag ist seit 2012 offen.

Die Ausstände der Piloten treffen den Flugbetrieb des Konzerns seit vergangener Woche immer wieder. Laut Lufthansa waren an den sechs Streiktagen seit vergangenem Mittwoch mehr als 525 000 Passagiere von insgesamt 4461 Flugausfällen betroffen. Lediglich am Sonntag und Montag legten die Piloten eine Pause ein. Das Unternehmen geht von einem Schaden von 10 bis 15 Millionen Euro täglich aus.

Lufthansa und Cockpit streiten schon seit Jahren um die Gehälter von rund 5400 Piloten der Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings.

In Teilen der Konzernbelegschaft formierte sich Widerstand gegen die Pilotenstreiks. Bis zu 400 Lufthansa-Beschäftigte demonstrierten am Mittwoch nach Polizeischätzungen vor der Unternehmenszentrale am Frankfurter Flughafen gegen den Kurs der Piloten. Der Lufthansa-Betriebsrat des Frankfurter Bodenpersonals hatte ohne Rückendeckung der Gewerkschaften dazu aufgerufen. Zeitgleich fand eine Kundgebung von etwa 400 Piloten statt.

Der Betriebsrat Frankfurt Boden forderte ein schnelles Ende des „zerstörerischen Streits“ und verlangte von der VC, in eine Schlichtung einzuwilligen. „Was immer die Piloten herausholen, muss am Ende des Tages an anderen Stellen im Unternehmen gegenfinanziert werden“, sagte Betriebsrats-Mitglied Ruediger Fell. Bei Lufthansa gebe es eine schweigende Mehrheit, die von den Streiks die Nase voll habe.

EU-Kommission warnt

Angesichts des anhaltenden Streiks rief die EU-Kommission zu einer raschen Einigung auf und warnte vor negativen Folgen für die europäische Wirtschaft. „Das Recht zu streiken ist ein Grundrecht der Arbeitnehmer in der Europäischen Union. Daran gibt es keinen Zweifel“, sagte EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc der Zeitung „Die Welt“. Sie appellierte aber zugleich an alle Beteiligten, sich dabei „konstruktiv zu verhalten“ und warnte vor hohen Kosten für die Wirtschaft. „Die Akteure im Luftfahrtsektor sind so eng verwoben, dass das Verhalten einzelner nationaler Interessengruppen erhebliche Kosten für alle Beteiligten in Europa verursachen kann.“

(dpa,rtr)
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