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Landwirtschaft: Vielen Milchbauern wird das Grundfutter knapp – Zukauf oder Schlachtung

Von Die Dürre dieses Sommers bringt Hessens Milchbauern in Not. Einige Höfe müssen bereits Heu aus anderen Teilen Deutschlands nachkaufen. Normalerweise verkaufen deutsche Landwirte Heu nach Holland oder Spanien. Und weil das Grundfutter nicht ausreicht, wird bereits über die Verkleinerung des Milchviehbestandes nachgedacht.
Glück im Unglück: Die Landwirte Christiane und Michael Semmler zehren noch von Futterreserven des Vorjahres, speziell Maissilage. Foto: Pieren Glück im Unglück: Die Landwirte Christiane und Michael Semmler zehren noch von Futterreserven des Vorjahres, speziell Maissilage.
Vogelsbergkreis. 

Seit Mitte Mai hat es im Vogelsbergkreis keine nennenswerten Niederschläge mehr gegeben. Wenn es einmal getröpfelt hat, war das nur ein wenig Feuchtigkeit, die auf den vertrockneten Wiesen und Weiden verdampfte. „Am 22. Juni haben wir das zweite Mal unser Grünland geschnitten. Seither ist dort nichts mehr gewachsen“, berichtet das Landwirts-Ehepaar Christiane und Michael Semmler aus der Gesamtgemeinde Feldatal im Vogelsbergkreis. „Das bisschen Nachwuchs hat eine miserable Qualität.“

Als die Semmlers Mitte Juli den dritten Schnitt einholen wollten, war klar: Es gab nichts mehr einzufahren. Normalerweise gibt es in jedem Jahr einen dritten Schnitt, manchmal sogar einen vierten. „Weil der Ertrag des eventuell möglichen Grünschnitts nicht einmal die Kosten für Maschineneinsatz und Diesel gedeckt hätte, haben wir uns dagegen entschieden.“ Die Semmlers mit ihrem Sohn Dennis, der in den Betrieb mit eingestiegen ist, wissen es heute besser: „Hätten wir wenigstens noch das bisschen Gras eingeholt. Es hatte damals noch etwas Qualität im Vergleich zu den letzten vertrockneten Halmen, die heute auf den Wiesen stehen.“

Verdunstung deutlich erhöht

Wegen einer stabilen Wetterlage mit blockierenden Hochdruckgebieten über Skandinavien strömte von Ende April bis Ende August vorwiegend warme und trockene Luft nach Deutschland.

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Die Milchbauern aus Stumpertenrod haben Glück, dass sie noch ausreichend Futter-Reserven aus den Jahren 2016 und 2017 gelagert haben und verfüttern können. „Noch sehen wir die Situation dank unserer Reserven locker“, sagt die 53-jährige Milchbäuerin. „Doch wir wissen auch: Wenn das Jahr 2019 erneut so trocken wird wie dieses Jahr, wird es richtig eng.“

Ein neuer Stall

Rein wirtschaftlich betrachten die Semmlers ihre Weidewirtschaft und die Milchviehhaltung nüchtern. Anfang des Jahrtausends hatten sie in die Zukunft investiert und einen neuen Stall gebaut. Heute stehen 160 Milchkühe und deren Nachzucht im Stall. Das benötigte Futter bauen die Semmlers komplett selbst auf 240 Hektar Feld- und Wiesenfläche an. 100 Hektar sind eigenes Land, der Rest gepachtet. Auf 170 Hektar steht Gras, das nach dem Schnitt zu Silage verarbeitet und unter Planen haltbar gemacht wird. Maissilage wächst auf knapp 40 Hektar. Hinzu kommen zehn Hektar Weidefläche für hochtragende Kühe, die nicht mehr gemolken werden. Auch das angebaute Getreide wird, wie der Mais, komplett ans Vieh verfüttert. Der Ertrag der diesjährigen Ernte verlief bescheiden. Wenn auch 2019 so extrem trocken wird, müssen die Milchbauern ihren Viehbestand abbauen, weil das eigene Grundfutter nicht mehr ausreicht. Ansonsten müsste Heu und Silage zugekauft werden. Dann würde sich der Milchviehbetrieb in der bestehenden Größe nicht mehr rechnen. „Aktuell kostet ein Rundballen Heu mit einem Durchmesser von 1,30 Meter rund 80 Euro. In gewöhnlichen Jahren beträgt der durchschnittliche Preis zwischen 25 und 30 Euro“, veranschaulicht Michael Semmler. „Es gibt andere Milchviehbetriebe, die müssen bereits Heu nachkaufen. Normalerweise verkaufen deutsche Landwirte ihr Heu nach Holland oder Spanien.“

Die Qualität des Grundfutters halten die Semmlers trotz der schlechten Qualität von Heu und Silage hoch, weil sie Zuckerrübenschnitzel nachkaufen. „Ob wir die bestellten 300 Tonnen auch erhalten, wird sich zeigen“, sagt Christiane Semmler. „Eine Kuh ist eben keine Maschine: Bei schlechter Futterqualität kann sie auch nicht mehr die übliche Milchleistung erbringen.“

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