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Geringe Frauenquote in deutschen Unternehmen: Vorstände bleiben männerdominiert

Eigentlich scheint alles gut: Frauen dürfen wählen, arbeiten und Deutschland hat sogar eine Kanzlerin. Doch wer genauer hinsieht, erkennt, dass Frauen im Berufsleben immer noch benachteiligt sind.
Claudia Nemat arbeitet im Vorstand der Deutschen Telekom. Sie gehört zu den nur 45 weiblichen Führungspersonen in 160 großen Firmen. Foto: Oliver Berg (dpa) Claudia Nemat arbeitet im Vorstand der Deutschen Telekom. Sie gehört zu den nur 45 weiblichen Führungspersonen in 160 großen Firmen.
Berlin. 

Zahlenmäßig sind Frauen unterlegen – zumindest beim Gehalt und beim Anteil weiblicher Führungskräfte. Die Qualifikation der Frauen ist in den meisten Fällen allerdings nicht das Problem.

Fakt ist: In den Vorständen börsennotierter Unternehmen sind Frauen in Deutschland noch immer unterrepräsentiert. Das zeigt eine Studie der Beratungsgesellschaft EY. In den 160 börsennotierten Firmen aus dem Dax, MDax, SDax und TecDax arbeiteten zum 1. Januar 2017 gerade einmal 45 Frauen in Vorstandspositionen. Claudia Nemat von der Deutschen Telekom und Bettina Volkens von der Lufthansa sind zwei davon. Demgegenüber stehen 630 Männer.

Das ergibt einen Frauenanteil von gerade einmal 6,7 Prozent. Wenn die Zahl weiterhin so langsam steige wie in den letzten Jahren, werde es bis 2047 dauern, bis ein Drittel der Posten mit Frauen besetzt sei, rechnet EY vor.

Nach dem Gleichstellungsbericht des Weltwirtschaftsforums (WEF) hat sich die ökonomische Kluft zwischen den Geschlechtern zuletzt sogar wieder weiter geöffnet. Die Experten gehen davon aus, dass es – rein theoretisch – noch 170 Jahre dauern wird, bis die Geschlechter ökonomisch gleichgestellt sind.

Abstriche für Kinder

Dafür gibt es viele Gründe. An der Qualifikation der Frauen liegt es laut Ana-Cristina Grohert von EY nicht: „Es gibt genügend qualifizierte Frauen für Vorstandspositionen.“

Die Entwicklung bei den Aufsichtsräten zeige, dass es keine Frage des Könnens der Frauen sei, sondern eine Frage des Wollens der Unternehmen, meint Grohert. Denn in den Aufsichtsräten der 30 Dax-Unternehmen hat der Frauenanteil die 30-Prozent-Marke bereits vor einiger Zeit überschritten und steigt weiter an. Doch warum klappt das in den Vorständen nicht? Frauen nehmen vor allem aufgrund eines Themas schon früh Einbußen in ihrer Karriere hin: Kinder. Denn wenn es um den Job geht, treten dann vor allem Frauen kürzer. Die Einbußen können sie später am beruflichen Fortkommen hindern.

Daten des Statistischen Bundesamts zeigen, dass Frauen nach der Geburt eher Abstriche beim Thema Karriere machen als Männer – viel mehr Mütter als Väter entscheiden sich dann für Teilzeit. So arbeiten nur 27 Prozent der Frauen mit einem Kind unter sechs Jahren in Vollzeit, aber 94 Prozent der Männer.

Sieben Prozent weniger

Die Gründe dafür mögen vielfältig sein – etwa ein traditionelles Rollenverständnis. Viele Frauen möchten gern mehr Zeit mit ihrem Kind verbringen. Eine Studie des Bundesfamilienministeriums zeigt allerdings, dass finanzielle Gründe ebenfalls häufig die Ursache sind - viele Frauen verdienen weniger als Männer.

In Deutschland bekommen Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger Gehalt als Männer. Das lässt sich zum Beispiel auf die unterschiedliche Berufs- oder Studienwahl zurückführen. Aber auch bei vergleichbarer Tätigkeit und Qualifikation beträgt die bereinigte Lohnlücke noch sieben Prozent.

Die meisten Frauen in Vorstandspositionen verzeichnen die 30 Großkonzerne aus dem Dax. Sie weisen eine Quote von 11,3 Prozent aus. Im SDax haben weibliche Vorstände einen Anteil von 5,9 Prozent, noch weniger sind es im MDax (4,3) und im TecDax (3,9). Den höchsten Frauenanteil im Vorstand gibt es laut der Analyse bei Firmen in der Telekommunikations- und Finanzbranche (je 14 Prozent) sowie im Transport- und Logistiksektor (13). Das Schlusslicht bilden die Branchen Industrie und Rohstoffe (je 4) sowie der Technologiesektor (1).

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