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Vorstände deutscher Konzerne bleiben Männerdomäne

In den Aufsichtsräten deutscher Großunternehmen sitzen inzwischen mehr Frauen - auch dank einer gesetzlichen Quote. In den Vorständen aber steigt die Zahl der Managerinnen nur langsam. Experten sehen Nachholbedarf.
45 Frauen stehen laut der Analyse 630 männliche Vorstände gegenüber. Foto: Oliver Berg 45 Frauen stehen laut der Analyse 630 männliche Vorstände gegenüber. Foto: Oliver Berg
Frankfurt/Main. 

Die Führungsgremien der größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland sind trotz politischem Druck häufig eine reine Männerdomäne. Der Frauenanteil in den Vorständen wächst nur langsam, wie eine Auswertung der Beratungsfirma EY zeigt.

Demnach arbeiteten zum 1. Januar 2017 in den 160 börsennotierten Firmen aus dem Dax, MDax, SDax und TecDax nur 45 weibliche Vorstände. Das seien sechs mehr als ein Jahr zuvor. Knapp 76 Prozent der Gremien seien aber weiter rein mit Männern besetzt.

Den 45 Frauen stehen laut der Analyse 630 männliche Vorstände gegenüber. Das ergebe einen Frauenanteil von 6,7 Prozent. Anfang 2016 waren es 5,9 Prozent, ein Jahr zuvor 5,2 Prozent. Wenn die Zahl der Frauen in den Vorständen weiter so langsam steige wie im letzten Jahr, werde es bis 2047 dauern, bis ein Drittel der Posten mit Frauen besetzt sei, rechnet EY vor. „Deutsche Vorstandsetagen sind nach wie vor mehrheitlich männliche Monokulturen”, sagt Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung in Deutschland.

Deutlich höher ist der Frauenanteil in Aufsichtsräten. Bei den 30 Dax-Konzernen überschritt er nach früheren Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) insgesamt bereits die 30-Prozent-Marke. Die Bundesregierung hatte im Mai 2015 mit dem Gesetz für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen den Druck auf Wirtschaft und Verwaltung erhöht.

Seit dem 1. Januar 2016 verpflichtet das Gesetz 101 börsennotierte, voll mitbestimmungspflichtige Firmen bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat sicherzustellen, dass mindestens 30 Prozent der Posten von Frauen besetzt werden. Eine Quote für Vorstände gibt es nicht, von dem Gesetz sollte aber Signalwirkung ausgehen.

Die Entwicklung bei den Aufsichtsräten zeige, dass es keine Frage des Könnens der Frauen, sondern eine Frage des Wollens der Unternehmen sei, meint Ana-Cristina Grohnert, Mitglied der EY-Geschäftsführung. „Es gibt genügend qualifizierte Frauen für Vorstandsposten.” Gemischte Teams brächten zudem bessere Leistungen.

Bei der Präsenz von Frauen in Vorständen liegen die 30 Großkonzerne aus dem Dax vorne. Sie weisen einen Quote von 11,3 Prozent aus. Im SDax haben weibliche Vorstände hingegen einen Anteil von 5,9 Prozent, noch weniger sind es im MDax (4,3) und dem TecDax (3,9).

Den höchsten Frauenanteil im Vorstand haben laut der Analyse Firmen aus der Telekommunikations- und Finanzbranche (je 14 Prozent) sowie der Transport- und Logistiksektor (13). Das Schlusslicht bilden die Branchen Industrie und Rohstoffe (je 4) sowie Technologie (1).

(dpa)
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