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Interview: Vorstandschef Michael Lohscheller: "Opel wird künftig deutscher denn je"

Mit dem Opel-Chef Michael Lohscheller sprach unser Reporter Dieter Hintermeier über überraschende Gewinne, die wichtigen Aufgaben eines Autoherstellers und die Elektromobilität.
Opel-Chef Michael Lohscheller: Er führt den Automobilhersteller seit Juni 2017. Zuvor war er seit 2012 für die Opel-Finanzen zuständig. Foto: Arne Dedert (dpa) Opel-Chef Michael Lohscheller: Er führt den Automobilhersteller seit Juni 2017. Zuvor war er seit 2012 für die Opel-Finanzen zuständig.

Herr Lohscheller, Opel ist unter seinem neuen Eigentümer PSA überraschend schnell in die Gewinnzone gelangt. Hat Ihnen der Betriebsrat schon zu diesem Erfolg gratuliert?

MICHAEL LOHSCHELLER: Das Ergebnis dürfte jeden freuen. Es gibt wohl keinen, der sich weitere Verluste bei Opel gewünscht hätte.

Hand aufs Herz. Haben Sie denn mit so einer schnellen Ertragswende gerechnet?

LOHSCHELLER: Wir haben in den letzten zwölf Monaten sehr entschlossen unsere Arbeit gemacht und diszipliniert unsere Pläne umgesetzt. Alle Bereiche im Unternehmen konnten sich verbessern. Das betrifft den Umsatz pro Fahrzeug, die Preispositionierung und die Markenstärke. Erfreulich ist auch der Cashflow, der mehr als eine Milliarde Euro betrug. Aber trotz des guten Starts sage ich: Wir stehen erst am Anfang.

Lassen Sie uns konkret werden. Was waren die ausschlaggebenden Punkte für den Sprung in die Gewinnzone?

LOHSCHELLER: Das waren zum einen die höheren Umsatzerlöse pro verkauftem Fahrzeug. Zum anderen konnten wir auch unseren Vertriebskanalmix verbessern. Wichtig war auch, dass unsere Kunden höher ausgestattete Fahrzeuge gekauft haben. Auch bei der Senkung der variablen und fixen Kosten haben wir Fortschritte gemacht. Letztere konnten wir um 28 Prozent senken. Gut eingeschlagen bei unseren Kunden haben auch die neuen Modelle Insignia, Crossland X und Grandland X.

Dem hohen Gewinn stehen bei Opel aber auch nicht zu unterschätzende Ausgaben gegenüber. Sind die Verträge über Vorruhestandsregelungen und Abfindungen unter Dach und Fach?

LOHSCHELLER: Vor 14 Tagen haben wir mit unseren Sozialpartnern ein gemeinsames Verhandlungsergebnis erzielt, dass nun in Tarifverträge umgewandelt werden kann.

Werden denn die Mitarbeiter auch von den Opel-Gewinnen profitieren? Zum Beispiel durch Bonuszahlungen?

LOHSCHELLER: Darüber denke ich jetzt nicht zuerst nach. Wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen. Wir sind gerade dabei, Opel wieder wettbewerbsfähig zu machen, um unseren Mitarbeitern langfristige Perspektiven zu bieten. Gewinne sind die beste Zukunftssicherung. Bei uns gibt es Bereiche, wo wir noch deutlich besser werden müssen.

Und die wären?

LOHSCHELLER: Wir möchten mehr Fahrzeuge verkaufen und investieren viel Geld in unsere Werke und Modelle. Außerdem werden wir ein großes Augenmerk auf die E-Mobilität richten.

Wie sieht die Offensive bei der E-Mobilität konkret aus?

LOHSCHELLER: Ab 2020 werden wir den Corsa als Elektro-Fahrzeug im Volumensegment anbieten. Den Grandland X wird es dann als Plugin Hybrid geben. Unsere Elektrifizierungs-Offensive wird auch die leichten Nutzfahrzeuge umfassen. Und 2024 wollen wir 100 Prozent des Portfolios elektrifiziert haben.

Welche Zukunft hat denn dann noch der viel gescholtene Diesel bei Opel?

LOHSCHELLER: Am Ende entscheidet der Kunde. Der Diesel hat viele Stärken. Insbesondere stößt er deutlich weniger CO2 aus. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Begrenzung der globalen Erwärmung.

Nach der Übernahme durch PSA fragen sich nicht wenige, ob Opel nicht eine Designhülle des Mutterkonzerns geworden ist.

LOHSCHELLER: Zur Klarstellung: Natürlich nutzen wir gemeinsame Plattformen der Groupe PSA. Aber alle Opel werden in Rüsselsheim designt und entwickelt. Das war in früheren Zeiten nicht immer so. Damals wurden manche Fahrzeuge in den USA oder Südkorea entwickelt. Unsere Fahrzeuge werden jetzt deutscher, als sie jemals waren. Zudem siedeln wir 15 Kompetenzzentren für die gesamte Gruppe in Rüsselsheim an. Dort kümmern sich die Mitarbeiter um wichtige Themen wie zum Beispiel die Entwicklung von Brennstoffzellen und die Elektrifizierung der Fahrzeuge. Auch mit der Plattform-Verantwortung für leichte Nutzfahrzeuge und der Entwicklung einer großen Motorenfamilie hat uns Paris vertraut. Das alles hilft dem Entwicklungszentrum und der Marke Opel.

Ihr Unternehmen entwickelt auch für Dritte. Wie gestaltet sich dieses Feld?

LOHSCHELLER: Das ist richtig. In unserem Entwicklungszentrum übernehmen wir auch Arbeiten für Firmen außerhalb des Konzerns. Dies wird sich aber mittelfristig reduzieren. Vor dem Hintergrund, dass auch für diese Mitarbeiter eine Jobgarantie bis 2023 besteht, prüfen wir nun alternative Szenarien.

Wie flexibel ist die Opel-Produktion mittlerweile?

LOHSCHELLER: Unsere Werke produzieren heute schon für Citroen in Spanien, im britischen Luton werden künftig nicht nur Fahrzeuge von Opel und Vauxhall vom Band rollen, sondern auch Peugeot- und Citroen. Im Konzern sind wir in der Lage, für mehrere Marken zu produzieren. Das hilft Opel sehr.

Auf dem deutschen Heimatmarkt läuft es für Ihr Unternehmen nicht so optimal. Wie wollen Sie den Verlust von Marktanteilen stoppen?

LOHSCHELLER: Indem wir unsere Modelloffensive fortsetzen. Dabei setzen wir unter anderem auf das Segment der leichten Nutzfahrzeuge. Hier werden wir noch dieses Jahr den neuen Combo auf den Markt bringen. Und im kommenden Jahr steht dann auch der neue Vivaro in den Startlöchern. Im Pkw-Volumensegment stellen wir 2019 den neuen Corsa vor.

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