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Weltwirtschaft: Wachstum 2017 deutlich stärker als die Prognosen

Wirtschaftlich war das Jahr 2017 von den meisten Analysten deutlich unterschätzt worden. Politische Risiken haben aber weder das Wirtschaftswachstum noch die Finanzmärkte bremsen können. 2017 wird als guter Jahrgang in die Konjunktur-Annalen eingehen. Anleger, die in Aktien investiert sind, dürfen sich die Hände reiben. Sparer, die das Risiko scheuen, werden die Nullzinspolitik der EZB weiter verfluchen.
Der Autor: Ulrich Kater ist Chefvolkswirt der DekaBank. Foto: DekaBank/ Kerstin Hoffmann-Buhr (dekaBank) Der Autor: Ulrich Kater ist Chefvolkswirt der DekaBank.
Frankfurt. 

Für Deutschland erwartetet das Gros Wirtschaftsexperten zu Jahresbeginn ein Wachstum von 1,3 Prozent. Nach heutigem Kenntnisstand dürften es am Ende sogar deutlich mehr als zwei Prozent gewesen sein. Und diese Beobachtung gilt weltweit: Für die Weltwirtschaft waren 3,2 Prozent Wachstum erwartet worden, herauskommen werden wohl 3,7 Prozent. Das ist nicht mehr viel weniger als zu den Zeiten vor der Finanzkrise. Auch die Aktienmärkte übertrafen mit neuen Höchstständen die Prognosen deutlich. Das Jahr war besser als der Ruf, der ihm vorauseilte.

Die Ursachen für die Fehleinschätzung liegen wohl vor allem in einer übertriebenen Sorge vor politischen Störeinflüssen. Mit den Unsicherheiten durch die neue US-Regierung, den Brexit und die Aussicht auf die Wahlen in Frankreich und den Niederlanden schien die Weltwirtschaft höchstens mit angezogener Handbremse in das Jahr 2017 fahren zu können. Zwar ist auch heute noch die politische Verunsicherung hoch. Allerdings reagieren die Akteure gegenwärtig anders: Während in früheren Jahren wirtschaftliche Verunsicherung jeweils zu einem Rückgang des Wirtschaftsvertrauens, fallenden Zinsen von als sicher geltenden Anleihen und rückläufigen Aktienkursen führte, scheint dieser Zusammenhang derzeit aufgelöst zu sein. Die Teilnehmer in Wirtschaft und Finanzen sind robuster geworden gegenüber den vielfältigen politischen Unsicherheiten. Für Produzenten und Verbraucher sind die politischen Bedrohungen zu abstrakt, um die wirtschaftliche Dynamik zu bremsen.

12 000-Punkte-Marke

Dies spiegelte sich im zu Ende gehenden Jahr auch an den Aktienmärkten wider. Der Deutsche Aktienindex Dax, der zu Jahresbeginn in der Region von 11 500 Punkten in dieses politisch so unruhige Jahr gestartet war, übersprang im März die 12 000-Punkte-Marke. Und selbst, als die eigentliche Überraschung des politischen Jahres in Europa feststand, das Ergebnis der deutschen Bundestagswahl, ließen sich Wirtschaft und Finanzmärkte nicht beirren. Der Dax kletterte im Oktober über die nächste Tausenderschwelle und erreichte am 7. November mit 13 525,56 Punkten (Intraday) einen neuen Hochpunkt. Es wird nicht der letzte gewesen sein, denn die Zeichen stehen gut für eine Fortsetzung des globalen Wirtschaftsaufschwungs. Allerdings sind nach dem langen Aufstieg der Aktienmärkte zwischenzeitliche Rücksetzer ebenso programmiert.

Mit den „normalen“ Zinsen war in diesem Jahr wieder einmal kein Staat zu machen. Sparkonten verzinsen sich – wenn überhaupt – nur noch symbolisch über der Nulllinie, und bei Girokonten müssen einige Marktteilnehmer weiterhin aufpassen, nicht eine „Parkgebühr“ entrichten zu müssen. Auch hier wird sich nicht viel ändern. Zwar wird die Europäische Zentralbank im kommenden Jahr versuchen, die Weichen für eine Zinserhöhung – voraussichtlich im Herbst 2019 – zu stellen. Die in den kommenden Jahren erwartbaren Zinssteigerungen werden aber so zaghaft ausfallen, dass die Inflationsrate weiterhin alle Zinserträge mehr als wegfressen wird.

Das von vielen Anlegern weiterhin als sicherer Hafen geschätzte Gold hat 2017 im Jahresverlauf sogar – unter beträchtlichen Schwankungen – in US-Dollar gerechnet Boden gutgemacht. Nach einem wahrhaften Preisrutsch zum Jahresende 2016 war das Edelmetall schwach ins Jahr gestartet, gewann aber im Jahresverlauf immerhin etwa 100 US-Dollar je Feinunze. Allerdings machte die Wechselkursentwicklung diesen Gewinn für Euro-Anleger zunichte. Sie mussten mit ihren Goldanlagen in heimischer Währung gerechnet sogar leichte Verluste hinnehmen.

Eine gewisse Verwandtschaft verbindet Gold mit dem Popstar der Finanzmärkte des Jahres 2017, dem Bitcoin: zum einen, weil beide keine laufenden Erträge generieren, und zum anderen, weil beide als „globale Währungen“ gehandelt werden. Die Wertentwicklung von Bitcoin belief sich auf den spektakulären Wert von weit über 1000 Prozent. In der Spitze übertraf die Kryptowährung die Marke von 20 000 Dollar. Viel ist seitdem über Bitcoin geschrieben worden. Verstanden hat die Bedeutung dieses Finanzmediums trotzdem kaum jemand. Kein Wunder, handelt es sich doch um den frühen Beginn einer neuen Technologie des Umgangs mit Vertrauensgütern. Anstatt einem zentralen Verwalter zu vertrauen, beruht die Bitcoin zugrundeliegende (Blockchain-)Technologie auf der anonymen Vielfältigkeit des Internets. Welches Marktpotenzial diese Technologie hat, ist gegenwärtig schlichtweg nicht zu ermessen. Allerdings sollte man sich eine Erfahrung beim Beginn von neuen Basistechnologien ins Gedächtnis rufen: Es sind häufig nicht die ersten Versuche, die sich langfristig erfolgreich durchsetzen.

Schrecken verloren

Unspektakulär gaben sich zwei weitere zentrale Größen an den Finanzmärkten. Der Preis für Rohöl zog zwar im Jahresverlauf vor dem Hintergrund der guten Weltkonjunktur wieder an, allerdings von einem sehr niedrigen Niveau. Mit der gesunkenen Abhängigkeit der Welt von den Ölvorkommen der OPEC-Staaten hat dieser Preis ein wenig von seinem Schrecken für die Kapitalmärkte verloren. Auch der Außenwert des Euro hat im laufenden Jahr zugelegt. Dies ist nicht zuletzt Ausdruck des konjunkturellen Wiederaufstiegs der europäischen Wirtschaft nach der Finanzkrise sowie der – vorläufigen – Überwindung der Eurokrise.

Bei allen Unsicherheiten, die Wirtschaft und Politik im kommenden Jahr bereithalten werden, bleibt wohl eine Konstante bestehen: Der Sparer muss schon zum Anleger werden, um langfristig Werterhalt und -zuwachs zu erreichen.

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