Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 8°C

Weltspartag: Warum Sparen so mühsam sein kann

Einmal im Jahr erinnert der Weltspartag an die Bedeutung des Sparens. Zwar ist es in der Praxis oft gar nicht so einfach, regelmäßig Geld beiseite zu legen. Doch man kann sich selber überlisten.
Mal wieder kein Geld im Sparschwein? Das liegt oft an mangelnder Selbstkontrolle. Foto: Monique Wüstenhagen (dpa-tmn) Mal wieder kein Geld im Sparschwein? Das liegt oft an mangelnder Selbstkontrolle.
Mannheim. 

Stellen Sie sich vor, Sie hätten die Wahl: Entweder Sie bekommen heute einen Apfel oder morgen. Die Entscheidung wäre vermutlich einfach: Warum warten? Sie würden schon heute kraftvoll zubeißen. Aber wenn die Frage lautet: Heute einen Apfel oder morgen zwei? Das Ergebnis wäre vermutlich differenzierter: Während einige den Apfel sofort essen wollen, entscheiden andere, zu warten und lieber zwei Äpfel zu haben. Eine Frage von Geduld und Ungeduld.

Wer in einem solchen Fall wie entscheidet, wird unter anderem von den sogenannten Zeitpräferenzen beeinflusst, erklärt Prof. Martin Weber von der Universität Mannheim. „Unsere Zeitpräferenzen bestimmen, wie wir heutige und zukünftige Ereignisse miteinander vergleichen und abwägen.“

Allgemein verstehen Finanzwissenschaftler unter dem ökonomischen Begriff der Zeitpräferenz, dass Menschen eine Präferenz dafür haben, positive Dinge lieber früher als später zu erhalten. Ein Phänomen, das sich bei Finanzentscheidungen sehr gut beobachten lässt: „Ob und wie viel wir sparen, ist ein Entscheidungsproblem“, erklärt Annabel Oelmann. „Wir müssen zwischen jetzigem und zukünftigem Konsum abwägen“, erläutert der Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen. „Das Geld, das wir heute ausgeben, steht uns morgen nicht mehr zur Verfügung.“

Erzieherische Maßnahme für unsere Kinder – Was ...

Ist der Weltspartag noch zeitgemäß? Wir haben nachgefragt:   Frankfurter Volksbank: „Auch in der heutigen Zeit hat das Thema

clearing

Um heute gut zu leben, nehmen Verbraucher daher auch oft Kredite auf. „Das fängt bei kleinen Dingen an“, hat Marianne Gatzweiler beobachtet. „Selbst Urlaub kann man finanzieren“, erklärt die Vermögensbetreuerin der PMP Vermögensmanagement in Düsseldorf. Auch die Kosten für Telefon und Internet könnten für eine vierköpfige Familie schnell bei mehr als 100 Euro im Monat liegen. „So kommt vieles zusammen, und man hat nur einen kleinen Spielraum zum Sparen.“ Dabei sind die Bundesbürger genau darin eigentlich gar nicht so schlecht. Denn die Sparquote bleibt in Deutschland stabil, hat der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) aus Anlass des Weltspartags am 30. Oktober ermittelt. So legten die Bundesbürger im Frühjahrsquartal 2017 im Schnitt 9,7 Prozent ihres verfügbaren Einkommens beiseite. Die Sparquote war damit ähnlich hoch wie in den Jahren 2015 und 2016, als sie bei 9,6 beziehungsweise 9,7 Prozent lag.

Beliebteste Sparform laut BVR: die Bankeinlage. Insgesamt parkten die Bundesbürger 121,5 Milliarden Euro bei Banken. Und das trotz der niedrigen Zinsen. In Wertpapieren legten sie 32,5 Milliarden Euro an, nach 49,6 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Nach Angaben des Bankenverbandes konnten Anleger in der Vergangenheit mit Dax-Aktien durchschnittlich eine Dividendenrendite von 2,6 Prozent pro Jahr erzielen. Dafür müssen Anleger jedoch ein gewisses Risiko eingehen und Kursschwankungen aussitzen können.

Immobilien gefragt

Neben Wertpapieranlagen sind weiterhin auch selbst genutzte Immobilien angesagt. Gut jeder Zweite (54 Prozent) hält diese als geeignet für den Vermögensaufbau. Das sind etwas weniger als im Vorjahr, wie das Vermögensbarometer 2017 des Deutsche Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) zeigt. In der Umfrage machten sich 75 Prozent der Befragten mit Blick auf die Zukunft Sorgen um ihre Ersparnisse – 53 Prozent wegen der niedrigen Zinsen. Knapp ein Viertel der Befragten betreibt keine Altersvorsorge, insbesondere Jüngere und Menschen mit niedrigem Einkommen. Dabei müssten laut DSGV-Präsident Georg Fahrenschon gerade Geringverdiener ihre Sparanstrengungen angesichts der ausbleibenden Zinsen verstärken, um Versorgungslücken im Alter zu vermeiden.

Im Alltag werden Sparanstrengungen oft wieder eingestellt oder verschoben. „Wir leben im Hier und Jetzt“, erklärt die Finanzpsychologin Monika Müller dieses Phänomen. „Wenn wir Geld übrig haben und es vielleicht für etwas Schönes ausgeben, löst das ein gutes Gefühl aus.“ Das Geld für später beiseite zu legen, sei hingegen sehr abstrakt und daher auch nicht mit positiven Emotionen verbunden.

Auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen dieses Phänomen. So wurde in einem Experiment gefragt, welchen Snack man in einer Woche lieber haben wolle, einen gesunden aus Obst oder einen ungesunden aus Schokolade. 74 Prozent der Teilnehmer gaben das gesunde Obst an. Am Tag, an dem der Snack verteilt wurde, fragten die Forscher allerdings erneut: Gesund oder ungesund? Das Ergebnis: Nur noch 30 Prozent griffen zum Obst. Auf das Sparen lässt sich ein solches Verhalten übertragen. Weber spricht in diesem Zusammenhang von mangelnder Selbstkontrolle: „Obwohl man sparen möchte, tut man es nicht. Man verfügt nicht über genügend Selbstkontrolle, sich heute zu einem Verhalten zu zwingen, das langfristig optimal wäre.“

Begünstigt wird diese Tendenz aus Sicht von Oelmann durch ein aktuell bestehendes Problem: die niedrigen Zinsen. „In der aktuellen Niedrigzinsphase werden sicherheitsorientierte Sparer nicht belohnt“, erklärt die Verbraucherschützerin. Berücksichtigt man die Teuerungsrate, verlieren sie sogar Geld. „Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, warum einige lieber auf das Sparen verzichten und stattdessen lieber ausgeben.“

Sparplan ratsam

Doch es gibt einen Ausweg aus diesem Dilemma: „Wichtig ist für Verbraucher, den Überblick über die regelmäßigen Ein- und Ausgaben zu haben“, rät Oelmann. „Wem es möglich ist, einen Teil seiner monatlichen Einnahmen für die Altersvorsorge beiseite zu legen, sollte das tun.“ Wer den Überblick hat, der sollte am besten einen Sparplan anlegen – Weber spricht hier von einer Selbstverpflichtung. Für Oelmann und Gatzweiler gilt beim Sparen in jedem Fall das Motto: Auch Kleinvieh macht Mist. Über einen langen Zeitraum können kleine Sparbeiträgen zu einem ansehnlichen Vermögen werden.

Zur Startseite Mehr aus Wirtschaft

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse