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Fragen und Antworten: Warum die Ökostrom-Umlage wieder steigt

Verbrauchern drohen erneut höhere Kosten für den Ökostromausbau. Auch wenn die Politik die Förderung umbaut, ist ein Ende des Trends kaum in Sicht.
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Frankfurt. 

Die Ökostrom-Umlage steigt wieder an. Im kommenden Jahr müssen Verbraucher 6,88 Cent pro Kilowattstunde für die Förderung von Strom aus erneuerbaren Energien aufwenden. Das legten die vier Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW am Freitag fest. Aber warum steigen die Kosten immer weiter? Einige Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was ist die EEG-Umlage?

Um Anreize für den Ausbau der Stromerzeugung aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse zu schaffen, gibt es ein umfangreiches Fördersystem. Das im Jahr 2000 beschlossene Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantierte Erzeugern bislang 20 Jahre lang die Abnahme von Ökostrom zu festen Preisen, unabhängig von Angebot und Nachfrage. Die sogenannte Einspeisevergütung wird aus der EEG-Umlage bezahlt, die auf die Stromrechnung aufgeschlagen wird.

Wie wird die Umlage berechnet?

Das ist Aufgabe der vier Übertragungsnetzbetreiber. Sie nehmen den Öko-Erzeugern den Strom ab und verkaufen ihn an der Energiebörse weiter – und zwar zu Marktpreisen, die zumeist deutlich unter den gezahlten Vergütungen liegen. Die Differenz kommt aus dem EEG-Topf. Die Umlage steigt also, wenn die Börsenpreise für Strom wie in diesem Jahr kräftig sinken.

Wie hat sich die Umlage in den vergangenen Jahren entwickelt?

In diesem Jahr kommen fast 23 Milliarden Euro in den EEG-Topf, durch die Erhöhung der Umlage von 6,35 auf 6,88 Cent steigt das Volumen 2017 um rund eine Milliarde Euro. Dann zahlt ein Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden im Jahr gut 240 Euro bei einer Gesamtstromrechnung von rund 1000 Euro ein.

Woher kommt der starke Anstieg?

Das hat mit dem großen Erfolg der Ökostromförderung zu tun. So kletterten die Kosten vor allem in den Jahren 2010 bis 2013 steil an. Damals purzelten vor allem die Preise für Solaranlagen dank Billigherstellern aus China deutlich, während sich die deutsche Politik nicht genauso schnell auf Förderkürzungen einigen konnte. Das machte Investitionen in neue Solaranlagen sehr lukrativ. Entsprechen stieg das Ökostromangebot und damit die EEG-Umlage.

Hat die Politik reagiert?

Ja, die Einspeisevergütungen für neue Anlagen wurden schon in den vergangenen Jahren gesenkt. Das hat den Ökostrom-Ausbau zum Leidwesen der Branche und damit auch den rasanten Kostenanstieg gebremst. 2015 fiel die EEG-Umlage erstmals seit dem Jahr 2000 leicht. Vom kommenden Jahr an wird die Ökostromförderung ganz neu geregelt und stärker auf mehr Wettbewerb umgestellt. Dann fällt die 20-jährige Preisgarantie für neue Anlagen weg. Stattdessen werden Projekte ausgeschrieben: Wer wenig Subventionen verlangt, soll den Zuschlag bekommen.

Werden alle Stromverbraucher gleich belastet?

Nein, energieintensive Betriebe bekommen kräftige Rabatte. Das soll die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie bewahren und Jobs sichern. Dadurch aber steigt die Ökostrom-Umlage weiter, denn die Gesamtkosten verteilen sich auf weniger Schultern. Die Zeche zahlen die kleinen Stromverbraucher – Privathaushalte und kleinere Firmen.

Ist der Höhepunkt der EEG-Umlage erreicht?

Nein, sagt der Energieexperte der Verbraucherzentrale, Niels Schnoor. Der Ausbau sei nun mit der Umstellung der Förderung zwar gedrosselt und könne besser gesteuert werden. Der Börsenpreis dürfte wegen des Stromüberangebots auf absehbare Zeit weiter sinken und daher die Umlage belasten. Hinzu kommt aus Sicht der Verbraucherschützer die anhaltend hohe Förderung für teure Windparks auf hoher See.

Was heißt das nun für den gesamten Strompreis?

Was der Anstieg der Umlage für Haushalte am Ende konkret bedeutet, ist kaum zu berechnen. Es kommt darauf an, ob die Energiekonzerne fallende Börsenstrompreise an die Kunden weitergeben. Zudem ist die EEG-Umlage nur ein Teil des Strompreises. Insgesamt machen Steuern, Abgaben und Umlagen über die Hälfte des Strompreises aus. Dazu kommen die Kosten für die Netze, die rund 25 Prozent des Strompreises ausmachen.

(dpa)
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