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Bundestagswahl: Warum die Wahl die Börse kalt lässt

Von Die gepflegte Langeweile, die der Bundestagswahlkampf 2017 beim Wahlvolk verströmt, spiegelt sich auch auf den Finanzmärkten wider. Kursrelevante Impulse aus der politischen Arena? Fehlanzeige. Auch nach dem Wahlsonntag erwarten Börsianer keine größeren Kursausschläge. Es sei denn, die AfD sorgt für eine unangenehme Überraschung.
Die beiden großen Blöcke CDU/CSU (hier vertreten durch Kanzlerin Merkel) und SPD (hier repräsentiert durch ihren Vorsitzenden Martin Schulz) sind sich in vielen Bereichen einig. Das beruhigt Anleger und Märkte vor der Wahl, die folgerichtig keine „Zäsurrisiken“ ausmachen können. Foto: Herby Sachs (ARD-Pool) Die beiden großen Blöcke CDU/CSU (hier vertreten durch Kanzlerin Merkel) und SPD (hier repräsentiert durch ihren Vorsitzenden Martin Schulz) sind sich in vielen Bereichen einig. Das beruhigt Anleger und Märkte vor der Wahl, die folgerichtig keine „Zäsurrisiken“ ausmachen können.
Frankfurt. 

Der Bundestagswahlkampf schleppt sich ziemlich lustlos ins Ziel. Am Sonntag steht der Urnengang der Bundesbürger an. Die Aufreger in der politischen Auseinandersetzung der vergangenen Woche sind rar gesät und meist von der AfD provoziert worden. Das Duell der Kanzlerin gegen den Herausforderer Martin Schulz war keines. Zu souverän hielt Angela Merkel den früheren Bürgermeister der Kleinstadt Würselen in Schach.

Das war 2016 noch ganz anders. Zuerst das völlig überraschende Brexit-Votum der Briten. Und im späten Herbst die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Diese politischen Einschläge haben den Märkten Futter geliefert und die Kurse befeuert. Der Brexit-Talfahrt folgt eine Trump-Rally. Die Politik dominierte das Geschehen an den internationalen Börsen.

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An den europäischen Märkten setzte sich dieser Trend der Politisierung auch 2017 fort. Die Parlamentswahl in den Niederlanden im März und mehr noch die Präsidentschaftswahl in Frankreich im April/Mai verunsicherte die Anleger extrem. In Umfragen wurden den beiden Rechtspopulisten Geert Wilders und Marine Le Pen große Chancen auf den Wahlsieg in ihren Ländern vorhergesagt. Die politische Union Europas stand auf dem Spiel. Da glaubten nicht wenige Investoren, es sei besser, Kapital aus Europa abzuziehen. Die Stimmung an den Börsen war gereizt. Die Kursschwankungen wurden immer größer.

Das Ausbleiben des „Worst-Case-Szenarios“ in Den Haag wie in Paris läutete eine Phase der Beruhigung an den Kapitalmärkten ein. Der deutsche Leitindex Dax bog in ruhigeres Fahrwasser ein. Der Index pendelte zwischen 12 000 und 12 500 Punkten, reagierte meist nur auf Unternehmensnachrichten.

Standort in Topform

„Für die Finanzmärkte ist die Bundestagswahl kein Ereignis von Bedeutung“, sagt etwa Axel Angermann als Chef-Volkswirt der Bad Homburger Feri-Finanzgruppe. Kein Feuer, keine Brisanz.

Wahljahre sind keine guten Börsenjahre

Sind Wahljahre eigentlich gute Börsenjahre? Dieser Frage sind die Volkswirte der Fondsgesellschaft Fidelity nachgegangen. Demnach hat der Dax seit Jahresanfang rund zehn Prozent zugelegt.

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Ähnlich sieht es Christian von Engelbrechten, Fondsmanager des Fidelity Germany Fund in Kronberg: „Derzeit spielt die Bundestagswahl an den Märkten eher eine untergeordnete Rolle. Wirtschaftlich steht Deutschland gut da. Die Arbeitslosigkeit ist auf rekordtiefen Niveaus.“ Er stützt seine Einschätzung auch darauf, dass aktuell an den beiden großen Parteien CDU/CSU und SPD nicht vorbeiregiert werden könne. „Beide stehen für Kontinuität und Stabilität in Europa. Radikale Ideen sind in Deutschland nicht mehrheitsfähig.“

Björn Jesch, Leiter Portfoliomanagement bei der Fondsgesellschaft Union Investment meint, „der Anlagestandort Deutschland ist in Topform.“ Denn: Robustes Wachstum ermögliche solide Staatseinnahmen und nachhaltige Unternehmensgewinne. Daher attestiert er der deutschen Konjunktur einen robusten Aufschwung. „Auch am deutschen Aktienmarkt sind die Aussichten gut“, so Jesch.

Keine „Zäsurrisiken“

Die Bundestagswahl am Sonntag wird aus Sicht von Jördis Hengelbrock von Sal. Oppenheim „zu keiner großen Überraschung führen und somit die Finanzmärkte nur wenig bewegen.“ Der solide CDU-Vorsprung in den Umfragen, die Ähnlichkeit der politischen Linie der beiden großen Parteien sowie die Tatsache, dass von den Bundestagswahlen – im Gegensatz zu den Wahlen in Frankreich – keine ernsthaften Zäsurrisiken ausgingen, sprächen sowohl gegen eine starke Reaktion der Börsen auf die Wahlergebnisse als auch gegen einen starken Anstieg der Nervosität unmittelbar vor der Wahl, so die Ökonomin. Mit einer Ausnahme: „Ein unerwartet starkes Abschneiden der AfD deutlich oberhalb der 15-Prozent-Marke könnte die Märkte kurzfristig verunsichern und zu einer Risk-Off-Reaktion führen.“ Sie meint damit, dass sich schlechte Stimmung breit macht, die Anleger kurzfristig dem Herdentrieb folgend aus Aktien aussteigen und in weniger riskante Papiere umschichten. Dieser Trend sollte jedoch angesichts der fehlenden politischen Konsequenzen nur eine sehr begrenzte Halbwertszeit haben, schätzt Hengelbrock. Die vergangenen Entwicklungen bestätigen die Sal.-Oppenheim-Expertin in ihrer Einschätzung, „dass politische Wahlen unter normalen Umständen einen nur sehr begrenzten Einfluss auf die Börsen haben.“

„Politische Börsen haben kurze Beine“, sagt schon eine altbekannte Börsenweisheit.

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