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Biermarkt: Warum eine Kronberger Firma Hasseröder gekauft hat

Von Laut jüngstem Jahresabschluss ist die Kronberger Kleinfirma CKCF mit dem Kauf der Bier-Traditionsmarken Hasseröder und Diebels überfordert, das Eigenkapital liegt bei Null. Der Eigentümer äußert sich erstmals zu seinen Plänen.
Hasseröder betreibt in Wernigerode einen der modernsten Brauerei-Standorte Europas, in den die bisherigen Eigentümer dreistellige Millionensummen investiert haben. Die Marke ist das beliebteste Pils in Ostdeutschland. Bilder > Foto: Matthias Bein (dpa-Zentralbild) Hasseröder betreibt in Wernigerode einen der modernsten Brauerei-Standorte Europas, in den die bisherigen Eigentümer dreistellige Millionensummen investiert haben. Die Marke ist das beliebteste Pils in Ostdeutschland.
Kronberg. 

Bei den Diebels-Mitarbeitern hat sich der künftige Eigentümer, der Kronberger Finanzinvestor Daniel Deistler, gestern vorgestellt, bei Hasseröder will er das morgen tun. Er versichert, dass er von den jeweils gut 200 Mitarbeitern an den beiden Standorten Issum (Niederrhein) und Wernigerode (Harz) niemanden entlassen und noch 50 bis 70 weitere Stellen schaffen will. „Wir werden investieren, was nötig ist, und wieder einen Marketing-Etat schaffen, der ausreichend ist, um die beiden Marken nach vorn zu bringen“, sagt Deistler im Gespräch mit dieser Zeitung.

Ein Mitarbeiter der Hasseröder Bierbrauerei in Wernigerode (Sachsen-Anhalt) kontrolliert die Dosenabfüllanlage. Archivfoto: dpa
Biermarkt Der dubiose Hasseröder-Verkauf an eine Kleinfirma in ...

Der Bierriese AB Inbev trennt sich von zwei bekannten deutschen Biermarken – und gibt sie an eine unbekannte Kleinfirma aus dem Taunus ab, die bisher keinerlei Übernahmen vorzuweisen hat. Das wirft Fragen auf.

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Konkrete Summen will er allerdings nicht nennen, auch beim Kaufpreis habe er dem Verkäufer Anheuser-Busch Inbev Stillschweigen zugesichert und könne ihn daher nicht offenlegen. Spekuliert worden war über einen Preis von 200 Millionen Euro – doch deutet der Käufer an, dass die Summe höher liegen könnte: Billig bekomme er die Brauereien nicht, sagt er lediglich. AB Inbev hatte den Verkauf dieser zwei deutschen Marken – an Beck’s, Franziskaner und Löwenbräu dagegen hält der belgisch-amerikanische Weltmarktführer fest – schon Mitte 2017 angekündigt, der Abschluss zog sich jedoch hin.

Alleiniger Käufer

Sein Unternehmen CK Corporate Finance (CKCF) erwerbe – finanziert auch durch Kredite von Banken, die er aber namentlich nicht nennen will – 100 Prozent der Anteile inklusive der Immobilien und der Gastronomie-Verträge, soweit sie einzelnen Marken zugeordnet werden könnten. Andere Partner will Deistler nach eigener Aussage nicht beteiligen, die Transaktion soll bis spätestens Mitte des Jahres abgeschlossen sein. Den Verkaufsprozess hatte die Deutsche Bank organisiert.

Dass er bisher mit seiner Firma lediglich als Berater bei Übernahmen, nicht aber als Käufer aufgetreten sei, erklärt er so: „Ich bin froh, dass ich bisher nicht öffentlich in Erscheinung getreten bin.“ Er habe aber, wenn auch nicht immer alleine oder im Vordergrund, schon seit Jahren in Firmenbeteiligungen investiert.

Offen muss bleiben, wie die Kleinfirma die Kaufsumme aufbringen will. Laut dem letzten, im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschluss für 2015 (aufgestellt im April 2017) hat CKCF ein Eigenkapital von Null und Verbindlichkeiten von mehr als 660 000 Euro. Bei einem Anlage- und Umlaufvermögen von 75 000 Euro verbleibt ein „nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag“ von gut 560 000 Euro. Rechtsstreitigkeiten, von denen in früheren Abschlüssen (schon 2012 war die Firma „bilanziell überschuldet“) die Rede war, seien mittlerweile erledigt, sagt Deistler: „Gehen Sie davon aus, dass die Gesellschaft am Tag der Transaktion mit dem Kapital ausgestattet wird, dass sie den Kaufpreis bezahlen kann.“ Die Leitung der Brauereien will er von AB Inbev übernehmen – darunter den langjährigen Vertriebsmanager Adriano Leo als Vorsitzenden der Geschäftsführung.

Keine Beschäftigten

Fest angestellte Beschäftigte hat Deistler nicht: CKCF beschäftige seit Jahren nur noch freie Mitarbeiter. Und warum ist die Firma telefonisch nicht erreichbar? „Weil wir von Presseanfragen derart überfahren wurden, dass es nicht mehr machbar war, haben wir den Stecker gezogen und den Anschluss stillgelegt“, begründet der Inhaber. Unter derselben Adresse im Süden von Kronberg betreibt Deistler noch weitere Firmen, darunter eine Polo-Schule: „Ein Hobby darf man, glaube ich, haben.“ Die Schule biete auch Training für Führungskräfte an.

Hasseröder ist die Nummer acht unter den deutschen Biermarken und das beliebteste Pils in den neuen Bundesländern, Diebels trotz großer Absatz-Rückgänge Marktführer bei Altbier.

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