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Chinesischer Mischkonzern: Was will die HNA mit der Deutschen Bank?

Von Ein chinesisches Unternehmen als größter Aktionär der Deutschen Bank? Nicht wenigen Bundesbürgern dürfte bei dem Gedanken unwohl sein, dass womöglich die Kommunistische Partei in Peking Einfluss auf eine der bedeutsamsten Banken der westlichen Hemisphäre nimmt.
Der schwarze Mao-Anzug ist das Markenzeichen des mächtigen HNA-Chefs Chen Feng. Kein chinesischer Unternehmer greift bei Übernahmen und Beteiligungen so beherzt zu wie der 64-Jährige. Der schwarze Mao-Anzug ist das Markenzeichen des mächtigen HNA-Chefs Chen Feng. Kein chinesischer Unternehmer greift bei Übernahmen und Beteiligungen so beherzt zu wie der 64-Jährige.
Frankfurt. 

Es ist eine entfesselte Einkaufstour. Kaum ein Monat vergeht noch ohne Nachricht, dass die chinesische HNA-Gruppe wieder ’mal zugeschlagen hat. Erst im März hat der Mischkonzern, der 1993 als regionaler Airline-Betreiber im Reich der Mitte startete, den defizitären rheinland-pfälzischen Regionalflughafen Hahn im Hunsrück übernommen. Die 15,1 Millionen Euro, die das Unternehmen von der südchinesischen Tropeninsel Hainan dafür hingeblättert hat, sind für dessen Gründer und Präsidenten Chen Feng allerdings nur Spielgeld.

40 Milliarden ausgegeben

Im vergangenen Oktober zahlte die HNA-Gruppe beispielsweise 6,5 Milliarden Dollar für 25 Prozent an den Hilton-Hotels und 4,0 Milliarden Dollar für die Leasing-Sparte des CIT-Konzerns. Zuvor hatte sie unter anderem für sechs Milliarden Dollar den US-IT-Großhändler Ingram Micro erworben. Den Schweizer Caterer Gategroup verleibten sich die Chinesen für 1,5 Milliarden Dollar ein, die Swissport – den weltweit größten Boden-Abfertiger an Flughäfen – für 2,8 Milliarden Dollar. Weitere Deals im Wert von 5,5 Milliarden Dollar sind in diesem Jahr hinzugekommen. Insgesamt hat Chen in den vergangenen 28 Monaten 40 Milliarden Euro auf seiner globalen Einkaufstour ausgegeben.

Vertreter im Aufsichtsrat

Und nun wird also auch die Deutsche Bank chinesisch – ein bisschen zumindest. Wie der umtriebige chinesische Konzern gestern mitteilte, hat er über seine Wiener Vermögensverwaltungstochter C-Quadrat seinen Anteil an Deutschlands größtem Kreditinstitut auf 9,9 Prozent erhöht – und steigt damit zu dessen größtem Anteilseigner auf, vorbei an der Herrscherfamilie von Katar, die nach letztem Stand ihren Anteil von acht auf gut sechs Prozent reduziert hat. Das Aktienpaket der Chinesen ist rund 3,4 Milliarden Euro wert. Klar, dass sie da auch Anspruch auf einen Posten im Aufsichtsrat der Deutschen Bank haben: C-Quadrat-Gründer Alexander Schütz soll bei der kommenden Hauptversammlung Mitte Mai in das Kontrollgremium einziehen.

Die kaufwütige HNA war erst Anfang des Jahres bei der Deutschen Bank eingestiegen und hatte erklärt, das Management als Anker-Aktionär unterstützen zu wollen. „Wir haben vollstes Vertrauen in das Management der Deutschen Bank“, hatte HNA im Februar erklärt. Bankchef John Cryan baut das von Rechtsstreitigkeiten mitgenommene Traditionshaus gerade um und hat dafür eine acht Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung durchgezogen. Dabei hatten die Chinesen ihre Anteile im März bereits von 3,04 auf 4,76 Prozent aufgestockt.

Hatte die Deutsche Bank im Februar den Einstieg der Chinesen noch begrüßt, wollte sie sich gestern nicht zu der Anteilsaufstockung äußern. Dem Management der Bank dürfte es süß-sauer aufstoßen, dass die Chinesen klammheimlich am Markt hinzugekauft haben. Auch in den Frankfurter Zwillingstürmen des Instituts wird man sich jetzt fragen: Was haben die Chinesen vor?

Stress mit Peking

Eines ist zumindest sicher: Die HNA hat sich bestimmt nicht im Auftrag der Kommunistischen Partei Chinas bei der Deutschen Bank eingekauft, um das westliche Finanzsystem ins Wanken zu bringen. Die größten Geldgeber des Privatkonzerns sind zwar chinesische Staatsbanken. Und seit 2002 ist Konzernchef Chen Parteitagsdelegierter. Heißt: Alle fünf Jahre bestimmt er mit, wer an der Spitze Chinas steht.

Finanzierer gesucht

Doch nicht alles, was Genosse Chen treibt, kommt bei der chinesischen Führung gut an. Peking schätzt vor allem Auslandsgeschäfte, die chinesischen Unternehmen technologisches know-how bringen. Minderheitsbeteiligungen an Hotel-Ketten und Banken stoßen eher auf Unverständnis. So hatte Peking einen Monat nach dem Hilton-Deal scharfe Kapitalausfuhr-Kontrollen angekündigt. Beteiligungen ab zehn Prozent müssen seitdem von der Regierung abgesegnet werden. Und da ist die HNA-Gruppe dieses Jahr bei dem Versuch, sich an einer schwedischen Hotelgruppe zu beteiligen, von Peking bereits ausgebremst worden.

„Weil China angesichts der Kapitalflucht die Ausfuhr von Devisen begrenzt hat, suchen Investoren wie HNA womöglich eine Bank, mit der sie ihre Projekte in Europa finanzieren können“, vermutet Hermann Meller, Fusionsexperte der Rechtsanwaltskanzlei Dentons. „Natürlich bekommen sie auch ohne eigene Bank Kredite, müssen dafür aber sehr hohe Sicherheiten bieten“, so Meller.

Ein nachvollziehbarer Gedanke – zumal die HNA-Gruppe inzwischen Nettoschulden ausweist, die das 15-Fache ihres Gewinns vor Zinsen und Steuern betragen. Da dürfte der niedrige Aktienkurs der Deutschen Bank die Chinesen zum Einstieg geradezu eingeladen haben. Trotz der Kurserholung seit dem vergangenen Herbst entspricht der Aktienkurs der Bank nur 38 Prozent des Buchwerts – bei der Credit Suisse sind es beispielsweise 76 Prozent.

Ziel ist die Top Ten

Und geht es nach Chen, gibt es noch sehr viele Projekte zu finanzieren. Der 64-Jährige will die HNA-Gruppe zu einem globalen Koloss aufbauen, sie auf die vorderen Plätze der weltweit führenden Konzerne hieven. Öffentlich hatte das Management unlängst das Ziel ausgegeben, das Unternehmen unter die Top-500-Firmen in der Liste des US-Magazins „Forbes“ zu bringen. Das hat der Konzern bereits im vergangenen Jahr geschafft. Nun hat sich die Führung schon ein viel höheres Ziel gesetzt: HNA soll es innerhalb der kommenden fünf Jahre unter die Top Ten schaffen.Und das kann Chen nur gelingen, wenn er weiterhin über die Landesgrenzen der Volksrepublik hinaus expandiert.

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