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Standort-Schließungen: Weg zur Bankfiliale wird immer weiter

Von Seit dem Jahr 2000 wurde jede vierte Bankfiliale in Deutschland dichtgemacht. Hält das aktuelle Tempo an, dürften 2035 viele Regionen unterversorgt sein.
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Frankfurt. 

In einer typischen deutschen Kleinstadt gibt es zwei Kirchen, ein Museum, zwei Drogeriemärkte, einen Bäcker (oder immer häufiger: einen Backshop). Was es immer seltener gibt, ist eine Bankfiliale. Die Ausdünnung der Netze deutscher Banken hat sich in den vergangenen Jahren noch beschleunigt. Wie eine Analyse der staatlichen Förderbank KfW und der Universität Siegen belegt, wurden seit der Jahrtausendwende ein Viertel aller Zweigstellen geschlossen – im Schnitt 680 pro Jahr und damit binnen 15 Jahren insgesamt 10 200 Standorte deutschlandweit.

Und das betrifft keineswegs nur die börsennotierten Großbanken: Alle drei Säulen (Sparkassen, Genossenschaftsinstitute, Privatbanken) bauen in ähnlichem Umfang ab. Ländliche Regionen sind etwas stärker betroffen als Städte. Dabei hat das Tempo zuletzt deutlich zugenommen. Allein in den Jahren 2014 und 2015 wurden 2200 Filialen geschlossen. Von einer übermäßigen Ausdünnung kann dennoch keine Rede sein. Die Bankenmärkte anderer europäischer Länder müssen einen ähnlichen Strukturwandel hinter sich bringen. Mittlerweile liegt Deutschland, das immer als besonders stark „overbanked“ galt, hinsichtlich der Filialdichte mit durchschnittlich 3,5 Zweigstellen pro 10 000 Einwohner im europäischen Mittelfeld. In Spanien, Frankreich oder Italien beispielsweise gibt es noch deutlich mehr Bank-Zweigstellen.

Ein Minus von 5,8 Prozent

Laut Bankstellenbericht der Bundesbank, der anders als die KfW-Studie auch Postbank-Filialen und Mini-Standorte mitzählt, hat sich der Rückgang der Zahl der Geschäftsstellen im Vorjahr weiter beschleunigt: 2016 sank die Anzahl bundesweit um 5,8 Prozent auf 33 914 (inklusive der Zentralen); in den Vorjahren hatte sich das Minus nach dieser Zählung noch auf 3,5 Prozent (2015) bzw. 2,4 Prozent belaufen. Doch auch laut Bundesbank ging die Zahl der Filialen seit Ende 1996 um mehr als die Hälfte zurück, davon in den letzten zehn Jahren um gut ein Fünftel. Die Gesamtzahl der Kreditinstitute in Deutschland (einschließlich Bausparkassen) verringerte sich im Vergleich zu 2015 um 3,7 Prozent auf 1888; dabei fiel das Minus in Hessen (3,3 Prozent auf 318 Institute) etwas schwächer aus, weil Frankfurt von neu eröffneten Zweigstellen britischer Banken profitierte. Die meisten Bankstellen bundesweit schlossen 2016 die Sparkassen (minus 932 bzw. 7,6 Prozent) und die Genossenschaftsbanken (minus 715 bzw. 6,0 Prozent), bei Großbanken (minus 235 oder 3,2 Prozent) gab es vergleichsweise wenige Schließungen von Filialen. Ganz grob entfällt aktuell jeweils ein Drittel der Zweigstellen auf Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Kreditbanken/Bausparkassen.

Nur zum Geldabheben

Natürlich gibt es für die Filialschließungen eine Begründung: Die Digitalisierung hat den Bankenmarkt voll erfasst. Innovative Technologien, neue Wettbewerber und veränderte Anforderungen der Kunden erzeugen Anpassungsdruck auf den Vertrieb – weg vom Filialnetz, hin zu Online-Angeboten. Den Berater besucht ein Bankkunde immer seltener, die Filiale meist nur noch zum Geldabheben. Der Niedrigzins hat zudem den Spardruck bei den Instituten deutlich erhöht, hinzu kommen die sinkenden Bevölkerungszahlen in vielen ländlichen Regionen.

Ausgedünnt wird das Geschäftsstellennetz in nahezu allen Regionen. Filialschließungen sind laut KfW-Studie in 94 Prozent aller deutschen Landkreise und kreisfreien Städte zu beobachten. Auf ein unverändert dichtes Filialnetz können sieben Regionen verweisen (beispielsweise die Städte Hamburg, Cottbus oder Emden). Entgegen dem generellen Trend gibt es deutschlandweit 17 Regionen, in denen der lokale Bankenmarkt im Zeitraum von 2000 bis 2015 sogar gewachsen ist: Spitzenreiter sind die Stadt Frankfurt (Oder) mit plus 59 Prozent und der Landkreis Fürth mit plus 56 Prozent; in Hessen konnte Marburg-Biedenkopf um immerhin 19 Prozent zulegen. Dagegen verzeichneten der Landkreis Osterode am Harz einen Rückgang um 59 Prozent, der hessische Kreis Fulda um 56 Prozent und die nordbayerische Stadt Bayreuth um 52 Prozent.

Der bundesweit nahezu flächendeckende Trend zur Konsolidierung dürfte sich in den nächsten Jahren fortsetzen. „Behalten die Banken das Rückbau-Tempo bei, dann würden im Jahr 2035 gut die Hälfte der zur Jahrtausendwende existierenden Filialen geschlossen sein“, sagt KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. 19 600 Standorte würden verschwinden – oder sogar 23 000, wenn man mit dem durchschnittlichen Rückgang der drei letzten Jahre von jährlich drei Prozent rechnet. Oder anders herum: Während eine Filiale 2015 rund 2900 Einwohner betreute, würden es 2035 bereits 4200 Einwohner sein; die voraussichtlich sinkende Bevölkerungszahl ist dabei bereits eingerechnet. Für mittelständische Unternehmenskunden, die beratungsintensive Finanzierungen nachfragen, bleibe die Nähe zum Bankberater jedoch wichtig, sagt Zeuner.

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