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Auf engstem Raum stark schwankende Erträge der Bauern: Wegen der Wetter-Extreme wird die Ernte zum Lotteriespiel

Von Während auf den hessischen Feldern Wintergetreide, Raps und nunmehr auch das Sommergetreide fast überall eingeholt sind, reifen Zuckerrüben und Mais noch heran. Auch bei Südhessens Gemüsebauern ist die Saison für Spargel, Erdbeeren und die Frühkartoffeln längst beendet. Zeit für eine erste Erntebilanz.
Vor den Toren der Erdfunkstelle nahe Merzhausen (Hochtaunuskreis) ist dieser mächtige Mähdrescher unterwegs. Foto: Pieren Vor den Toren der Erdfunkstelle nahe Merzhausen (Hochtaunuskreis) ist dieser mächtige Mähdrescher unterwegs.
Frankfurt. 

Staubfahnen hängen weithin sichtbar überm Land. Mächtige, bis zu 400 PS starke Mähdrescher ziehen Bahn um Bahn auf den Getreidefeldern. In stoischer Gleichmäßigkeit rotieren an deren Front die bis zu acht Meter breiten Mähwerke und kappen die Halme knapp über dem Boden. Während das Korn im Innern der rund 300 000 Euro teuren Maschinen gedroschen, ausgesiebt und gesammelt wird, werden Häckselreste und Stroh am Heck der Maschinen gleich wieder aufs Feld geblasen. Während die Kolosse ihren vollen Speicher in die am Ackerrand wartenden Hänger entladen, wird ein paar Tage später das aufgeschichtete Stroh an Ort und Stelle zu riesigen Ballen gepresst.

Wintergetreide abgeerntet

Hessenweit wurde zuerst das Wintergetreide abgeerntet. Alle Körner sind eingefahren. Mit einer Anbaufläche von 164 000 Hektar nimmt der Winterweizen 56 Prozent der gesamten hessischen Getreidefläche (294 000 Hektar) ein. „Je nach Bodenqualität und Niederschlagsmenge schwanken die Erträge zwischen sechs und acht Tonnen je Hektar. Sie liegen damit leicht unter dem Fünf-Jahres-Mittel“, teilt dazu der Hessische Bauernverband in Friedrichsdorf mit. Die Wintergerste wird von den Landwirten oft selber als Viehfutter benötigt.

Getreide, Raps, Obst und Gemüse

In der nördlichen Wetterau ist man bei der Getreideernte auf der Zielgeraden. „Die Ertragsmenge ist durchschnittlich. Erst war es zu trocken, zuletzt hat im Juli Regen die Ernte verzögert“,

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Trotz fehlender Niederschläge im Winter habe man bessere Ergebnisse eingebracht als zunächst erwartet. Insgesamt waren die Niederschläge der letzten Monate ungleichmäßig übers Land verteilt gewesen. Bis April waren die Monate ungewöhnlich trocken. Den schweren Nachtfrösten Ende April folgten im Mai, Juni und Juli immer wieder zum Teil ergiebige Niederschläge. Heißen Tagen folgten schwere Gewitter.

Auch der Winterraps ist längst fast überall im Rhein-Main-Gebiet von den Mähdreschern eingeholt worden. Der Rapsanbau in Hessen fiel in diesem Jahr geringer aus. Nachdem die Ölfrucht noch 2016 auf 61 000 Hektar angebaut worden war, ging die Fläche nach Angaben des Hessischen Bauernverbandes in diesem Jahr auf 57 000 Hektar zurück. Überhaupt sind die Anbauflächen seit 2010 (66 800 Hektar) rückläufig.

Die Ursachen für den Rückgang um etwa sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr sehen die Bauern in den zuletzt schwierigen Aussaat-Bedingungen. Im August 2016 sei es viel zu trocken gewesen, und die Körner hätten mangels Feuchtigkeit nicht ausreichend gekeimt. Auch über den Winter fehlten nach Verbandsangaben im Vergleich zu normalen Jahren etwa 40 Prozent der sonst üblichen Niederschlagsmenge.

„Auch bei dieser Frucht ist von stark schwankenden Erträgen zwischen zweieinhalb und fünf Tonnen je Hektar auszugehen“, sagt der hessische Bauernpräsident Karsten Schmal. Raps hat eine große Bedeutung als Ölfrucht. Er liefert nicht nur ein hochwertiges Speiseöl und Biokraftstoffe, sondern mit Rapsschrot auch ein bewährtes Eiweißfutter für Rinder und Schweine.

Wiederholt einsetzende heftige Gewitter mit ergiebigen Regenfällen und zum Teil Hagel haben Ende Juli dazu geführt, dass die Getreideernte – vor allem auch in Nordhessen – immer wieder unterbrochen werden musste. „Weil Felder total durchnässt waren, mussten dort Mähdrescher mit Kettenfahrwerken eingesetzt werden, um die Flächen überhaupt befahren zu können“, berichtet Schmal.

Schäden durch Hagel

Nach Angaben der Vereinigten Hagelversicherung haben in diesem Jahr rund 800 landwirtschaftliche Betriebe in Hessen Schäden durch Hagel und Starkregen auf einer Fläche von circa 22 000 Hektar gemeldet. Weil es immer wieder regne und die Ernte unterbrochen werden müsse, lägen die Nerven der Bauern blank. „Was wir jetzt dringend brauchen, ist beständiges, trockenes und sonniges Wetter über mehrere Tage hinweg“, so Schmal. So verrückt spielt das Wetter in diesem Jahr: Die einen Landwirte stöhnen wegen des Regens und Hagels, andernorts würden zum Teil Trockenschäden beklagt.

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