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Rentner: Welche Gesetze gelten für Senior-Jobber

Die einen müssen, die anderen wollen gern: Für immer mehr Menschen ist mit 65 nicht Schluss. Sie hören nicht mit dem Arbeiten auf, weil die Rente sonst nicht reicht oder sie einfach gerne etwas Sinnvolles tun wollen. Dabei gibt es aber einiges zu beachten.
Ein Rentner weißt die Wand einer Leipziger Messehalle. Foto: Jan Woitas (dpa-Zentralbild) Ein Rentner weißt die Wand einer Leipziger Messehalle.

Jupp Heynckes wird im Mai 73 Jahre alt. Seit Oktober 2017 ist er wieder als Trainer aktiv – und seitdem klappt es mit den Bayern. Er ist einer von 1,1 Millionen Senioren jenseits der 65, die hierzulande arbeiten. Wenn’s mal zwischen Heynckes und den Bayern krachen sollte, kann er sich aufs deutsche Arbeitsrecht stützen. Hier gelten nämlich für Alt und Jung gleiche Regeln.

  Immer neue Rekorde: Die Statistik kennt bei der Seniorenbeschäftigung nur eine Richtung: Es geht immer nach oben. Gab es 2006 erst 542 000 Erwerbstätige im Alter von 65plus, so waren es 2016 nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes mit 1,1 Millionen mehr als doppelt so viele. Besonders verbreitet ist die Erwerbstätigkeit bei Männern zwischen 65 und 69. Von diesen war 2016 fast jeder fünfte noch erwerbstätig.

  Keine Pflicht zur Rente: Der Jahrgang 1952 kann die reguläre Altersrente mit 65 Jahren und sechs Monaten erhalten. Einige Wochen vorher kommt Post von der Rentenversicherung. Die Senioren werden informiert, dass sie in Kürze Rente beantragen können. Die meisten stellen dann einen Rentenantrag. Das kann man aber auch bleiben lassen. Wer keinen Antrag stellt und weiterarbeitet, steigert seine spätere Rente pro Beschäftigungsjahr um acht bis zehn Prozent!

  In Rentenversicherung einwählen: Im regulären Rentenalter sind Senior-Jobber zunächst einmal rentenversicherungsfrei. Das bedeutet: Der Arbeitgeber zahlt dann weiterhin seinen Beitragsanteil an die Rentenversicherung. Dieser landet jedoch in der Rentenkasse, ohne dass die älteren Jobber etwas davon haben. Das können sie vermeiden, indem sie sich selbst wieder in die Rentenversicherung einwählen. Das geht einfach über eine Erklärung gegenüber dem Arbeitgeber. Die Folge: Dann entrichten Ältere selbst noch Rentenbeiträge und die kompletten Beiträge bringen ihnen zum 1. Juli des Folgejahres ein schönes Rentenplus.

  Befristete Weiterbeschäftigung möglich: Das Arbeitsverhältnis ist meist auf das reguläre Rentenalter befristet. Dann kann man mit dem Arbeitgeber eine befristete Weiterarbeit vereinbaren. Das ist in Paragraf 41 Sozialgesetzbuch VI geregelt. Alternativ dazu kann man eine Beschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber aufnehmen. Bei Männern sind Jobs als Pförtner oder Fahrer beliebt. In Sachen Arbeitnehmerrechte gibt es zwischen Jung und Alt keinen Unterschied. Wenn Jüngeren beispielsweise ein Feiertagszuschlag zusteht, gilt das auch für Senior-Jobber. Auch die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und im Urlaub gilt für alle Arbeitnehmer.

  Kündigungsschutzklage möglich: Auch das Kündigungsschutzgesetz gilt. Wird ein Senior-Jobber entlassen, so kann er innerhalb von drei Wochen eine Kündigungsschutzklage einreichen. Das Arbeitsgericht prüft, ob die Kündigung sozial gerechtfertigt war. Mit einem solchen Fall beschäftigte sich das Bundesarbeitsgericht (Az.: 2 AZR 67/16). Verhandelt wurde der Fall eines Juristen, der mit 67 Jahren von seinem Arbeitgeber entlassen worden war. Es handelte sich hier um eine klassische Auswahlsituation. Der Verband beschäftigte sechs Juristen. Da die Zahl der zu bearbeitenden Verfahren gesunken war, verlor einer von ihnen seine Arbeit. Es traf den Kläger. Sein Arbeitgeber ging davon aus, dass dieser weniger schutzwürdig sei. Das sah das Bundesarbeitsgericht genauso. Der 67-Jährige wurde – da er ja durch die Rente abgesichert war – als weniger schutzbedürftig angesehen als beispielsweise eine Mutter mit kleinen Kindern.

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