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Kandidaten: Wer wird neuer Eurogruppenchef?

Der Niederländer Jeroen Dijsselbloem muss als Vorsitzender der Eurogruppe seinen Platz räumen, in seiner Heimat ist er längst abgewählt. Die Kandidaten für seine Nachfolge sind andere als erwartet.
Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem (rechts) mit seinem wahrscheinlichen Nachfolger Mario Centeno. Foto: EMMANUEL DUNAND (AFP) Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem (rechts) mit seinem wahrscheinlichen Nachfolger Mario Centeno.
Brüssel. 

Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem muss abdanken: Am 13. Januar läuft seine zweite Amtszeit endgültig aus. Dabei ist er als Finanzminister in seiner niederländischen Heimat nach der Wahlschlappe der Sozialdemokraten bereits abgelöst. Dass er dennoch Vorsitzender bleiben durfte, haben seine früheren Amtskollegen entschieden. Am Montag soll sein Nachfolger bestimmt werden. Deutschland blieb wegen der sich verzögernden Sondierungsgespräche außen vor, die Christdemokraten auf EU-Ebene (EVP) hatten aber ohnehin entschieden, keine Kandidaten ins Rennen zu schicken. Aussichtsreiche Bewerber wären andernfalls der Spanier Luis de Guindos oder der Österreicher Hans Jörg Schelling gewesen. Beworben haben sich stattdessen der Luxemburger Pierre Gramegna, der Slowake Peter Kazimir, die Lettin Dana Reizniece-Ozola sowie der Portugiese Mario Centeno.

Denn bislang galt als einer der wichtigsten Voraussetzungen, dass das Land des Eurogruppenchefs Bestnoten bei der Kreditwürdigkeit vorweisen muss. Dieses Kriterium erfüllt aber von den vieren nur Luxemburg (AAA). Dass Gramegna das Amt bekommt, obwohl Landsmann Jean-Claude Juncker Kommissionspräsident ist, scheint unwahrscheinlich: Zwei EU-Spitzenämter werden die anderen Mitgliedstaaten dem zweitkleinsten EU-Land kaum gönnen. Zumal Juncker zuvor zwölf Jahre lang der Eurogruppe vorstand und Luxemburg nach wie vor wegen seiner umstrittenen Steuerdeals in der Kritik steht – auch wenn sich seit den Enthüllungen der LuxLeaks bereits einiges geändert hat. Außerdem stehen in dem Beneluxstaat im kommenden Herbst Wahlen an – und Gramegna, ehemaliger Diplomat und einstiger Leiter der luxemburgischen Handelskammer, kann sich nicht sicher sein, dass seine liberale Demokratische Partei erfolgreich sein und er danach im Amt bleiben wird. Die Eurogruppe stünde also vor demselben Problem, das nach der Abwahl von Dijsselbloems PvdA entstand. Dessen Vorsitz der Eurogruppe wurde auf Beschluss der Amtskollegen bestätigt, selbstverständlich war das aber nicht.

Keine großen Chancen dürfte auch der Slowake Peter Kazimir haben, trotz der Note A bei den Ratingagenturen. Zwar will der Osteuropäer „Brücken bauen“ zwischen den Euroländern und den nicht teilnehmenden Staaten, wie er auf dem Kurznachrichtendienst Twitter verkündete. Für knackige Botschaften ist der 49-Jährige bekannt – unter seinen Amtskollegen hieß es allerdings auch schon, dass man sich des Eindrucks nicht erwehren könne, der Mann spreche manchmal, bevor er zu Ende gedacht hätte.

Seiner lettischen Konkurrentin Dana Reizniece-Ozoloa geht hingegen der Ruf einer äußerst charmanten wie klugen Finanzministerin nach: Die 36-Jährige hält den Titel einer internationalen Schachgroßmeisterin, hat Wirtschaft und Management studiert. Seit Februar 2016 ist sie im Amt und geht deutlich energischer als ihr Amtsvorgänger gegen Geldwäsche lettischer Banken vor. Zuvor liberalisierte sie als Wirtschaftsministerin den bis dahin vom russischen Gazprom dominierten lettischen Gasmarkt. Auf EU-Ebene gehört ihre Mitte-Rechts-Partei keiner Fraktion an – im Fall eines Patts wäre sie womöglich eine Kompromisskandidatin. Dennoch hat Lettland derzeit nur die Kreditwürdigkeit A-.

Die größten Chancen werden ausgerechnet dem Kandidaten zugerechnet, dessen Land die schlechteste Kreditwürdigkeit hat. Portugal hat unter der derzeitigen Regierung, der der Sozialdemokrat Mario Centeno angehört, die Talsohle durchschritten. Trotzdem geben Ratingagenturen Lissabon nur die mittelprächtige Note BBB-. Der Harvard-Absolvent, der früher die portugiesische Zentralbank leitete, repräsentiert ein Land, das die Strukturprogramme der Geldgeber umgesetzt und sich aufgerappelt hat. Bereits am Rande des EU-Afrika-Gipfels zeichnete sich Unterstützung aus Frankreich, Deutschland und Italien ab. Centenos spanischer Amtskollege hatte schon Anfang November sein Wohlwollen signalisiert. Damit er Dijsselbloems Nachfolger wird, braucht er eine einfache Mehrheit: zehn der 19 Minister müssten für ihn stimmen.

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