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KfW fördert Digitalisierung im Mittelstand: Wie günstige Kredite die Finanzierung von Vorhaben erleichtern können

Von Neues Kreditprogramm: Die staatliche Förderbank KfW unterstützt ab 1. Juli gezielt die digitale Transformation und die Innovationstätigkeit des Mittelstandes.
Carsten Willems, Gründer der IT-Sicherheitsfirma VMRay Carsten Willems, Gründer der IT-Sicherheitsfirma VMRay
Frankfurt. 

Gängige Virenschutzprogramme entdecken bereits bekannte Computer-Schadsoftware. Gegen gezielte Angriffe auf Unternehmen – wie den Wurm „Stuxnet“, der Siemens-Uran-Zentrifugen im Iran lahmlegte – sind sie machtlos. Bei diesem Problem setzt die Erfindung von Carsten Willems an, die auf seine Doktorarbeit an der Ruhr-Universität Bochum zurückgeht: Seine „Sandbox“ testet Programme, die beispielsweise in E-Mail-Anhängen versteckt sind, bevor sie Schaden anrichten können – und ohne dass der Eindringling es bemerkt und abwartet.

Cyberkrieg sei keine Science-Fiction mehr, sagt Willems; es gehe um Sabotage, Spionage oder Erpressung und könne jeden treffen. Das Produkt für IT-Sicherheitsexperten kostet ab 10 000 Euro im Jahr (bei Cloud-Nutzung). US-Konzerne wie die Dell-Abspaltung SonicWall sind Kunden des 2013 von Willems und einem Partner gegründeten Unternehmens VMRay, auch die Deutsche Bahn oder die Bundesregierung. 22 Mitarbeiter hat das Start-up in Bochum, dazu kommen vier in der US-Tochter in Boston; dieses Jahr macht VMRay voraussichtlich vier Millionen Euro Umsatz, die Hälfte davon in Deutschland.

Keine Sicherheiten

Wenn Unternehmen in Sachen IT-Sicherheit aufrüsten und auch die Mitarbeiter schulen, gibt es bisher oft ein Problem mit der Finanzierung. Denn anders als beim Kauf von Maschinen oder Autos gibt es keine für die Bank verwertbaren Sicherheiten, der Beitrag zum künftigen Gewinn ist selten klar abzuschätzen – daran scheitert ein Kredit oft. Daher erweitert die KfW – die über ihren High-Tech-Gründerfonds auch in VMRay investiert hat – ihre Innovationsförderung ab Juli um den Schwerpunkt Digitalisierung.

Der neue „ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit“ ist zur Finanzierung von Investitionen von Mittelständlern (unter 500 Millionen Euro Jahresumsatz) in alle Arten von digitalen Vorhaben gedacht. Gefördert werden die Digitalisierung von Produkten und Herstellungsverfahren (Stichwort Industrie 4.0), Forschung oder Einstellung von Mitarbeitern – oder eben auch Investitionen in IT-Sicherheit. „Wir werden das groß vermarkten, weil es den Nerv der Zeit trifft“, sagt Ingrid Hengster, Vorstand der KfW Bankengruppe: „Unternehmen müssen sich der Digitalisierung konstruktiv annehmen, wenn sie auch künftig wettbewerbsfähig bleiben wollen.“ Viele Mittelständler schöpfen bisher die Potenziale der Digitalisierung bei weitem nicht aus, viele stecken weniger als 10 000 Euro im Jahr in Internet-Technologien.

Die Zinssätze in dem Programm werden zusätzlich gesenkt durch Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt, so dass auch kleinere Firmen mit schwächerer Bonität an einen günstigen Kredit kommen. Über den Europäischen Fonds für Strategische Investitionen („Juncker-Plan“) vergebene Garantien, die den Banken auf Wunsch 70 Prozent des Risikos abnehmen, erleichtern die Kreditvergabe an Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern; es gibt auch eine eigenkapitalähnliche „Mezzanine“-Variante.

Wagniskapital

IT-Fachmann Willems kommt übrigens seit längerem nicht mehr selbst zum Programmieren; er muss um die knappen Fachkräfte werben, Verkaufsgespräche führen oder sich mit rechtlichen Fragen befassen. Es gehe ihm nicht ums Geld, sagt Willems – er habe gegründet, weil er keinen Chef haben wollte.

Zumindest um die Finanzen muss er sich keine Sorgen machen. Als Kapitalgeber ist die Wagniskapital-Gesellschaft eCapital (Münster) eingestiegen. An deren Fonds ist wiederum auch die KfW mit 20 Prozent beteiligt. eCapital ist seit 1999 am Markt aktiv und damit eines der Urgesteine der Branche in Deutschland. „Die Beteiligungsfinanzierung in Deutschland muss verstetigt werden“, begründet Ingrid Hengster das Engagement der Förderbank bei mehreren Fonds der Gesellschaft. Deren Partner Willi Mannheims unterstreicht, dass vor allem das fundierte Know-how in allen Phasen der Unternehmens-Entwicklung wichtig sei für die Start-ups, also beispielsweise Beratung in Steuer- und Marketingfragen; an Geld kämen gute Firmengründungen dagegen relativ leicht.

Nebeneffekt der gründlichen Prüfung von Investments durch die KfW-Experten: Die Beteiligung der Frankfurter Staatsbank gilt als Gütesiegel, andere Großinvestoren in eCapital-Fonds warten zum Teil darauf. Oder sie investieren, wenn die KfW dabei ist, nach Mannheims Worten sogar ohne eigene Prüfung – also gleichsam in blindem Vertrauen.

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