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Automatisches Notfallsystem: Wie gut kann das neue eCall-System bei Unfällen helfen?

Das System soll Menschenleben retten: Seit Samstag müssen Neuwagen in der EU mit einem Notfallsystem ausgestattet sein, dass bei einem Unfall automatisch den Notruf anwählt. Wie das geht und was dahinter steht, erklären wir hier.
Ein Schriftzug „SOS“ ist auf dem Display eines Bordcomputers mit Touchpad eines  Fahrzeuges zu sehen. Alle neuen Automodelle in Europa werden von jetzt an mit dem Notfallsystem eCall ausgestattet, das nach einem Unfall automatisch die Rettungsdienste alarmiert. Foto: Julian Stratenschulte (dpa) Ein Schriftzug „SOS“ ist auf dem Display eines Bordcomputers mit Touchpad eines Fahrzeuges zu sehen. Alle neuen Automodelle in Europa werden von jetzt an mit dem Notfallsystem eCall ausgestattet, das nach einem Unfall automatisch die Rettungsdienste alarmiert.

Wie genau funktioniert dieses e-call-System?

Das Notrufsystem eCall stellt nach einem Unfall automatisch eine Sprachverbindung (Notrufnummer 112) zur nächstgelegenen Rettungsleitstelle her. Ausgelöst wird es über mehrere Sensoren des Wagens, etwa wenn der Airbag aufgeht. Falls die Insassen nicht auf die Notfallzentrale reagieren, können auf Grundlage von GPS-Daten direkt Rettungsdienste zum Unfallort geschickt werden. Die EU geht davon aus, dass das System so die Reaktionszeit zwischen Anruf und erster Hilfe vor Ort auf dem Land um 50 und in der Stadt um 40 Prozent verringern kann.

Lassen sich dadurch mehr Menschen retten?

Experten zufolge sinkt die Überlebenschance bei lebensgefährlich Verletzungen pro Minute um zehn Prozent. Die EU-Kommission geht deshalb davon aus, dass mit eCall gerufene Einsatzkräfte europaweit bis zu 2500 Menschenleben pro Jahr das Leben retten können. Im Europäischen Parlament sind die Schätzungen vorsichtiger: Dort nehmen die Abgeordneten an, dass bis zu 1500 Menschenleben jährlich einen lebensgefährlichen Unfall überleben könnten.

Gehört eCall jetzt zur Grundausstattung aller Fahrzeuge?

Nein. Zunächst betrifft die Vorgabe nur Neuwagen, die auf eine EU-Zulassung warten. Bereits im Handel oder im Verkehr befindliche Autos sind daher nicht von der Regelung betroffen.

Alte Fahrzeuge müssen also nicht nachgerüstet werden?

Nein, eine Pflicht gibt es nicht. Dennoch können Autofahrer ihr Auto selbstständig mit einem Notfallsystem ausstatten. Viele Versicherungen bieten dazu einen Unfallmeldestecker, der mit dem 12-Volt-Anschluss des Zigarettenanzünders kompatibel ist. Modernere Fahrzeuge können die Bluetooth-Funktion nutzen. In Kombination mit einer Anwendung für Smartphones können so im Notfall ebenfalls automatische Notrufe ausgelöst werden. Allerdings ist nicht jedes Smartphone mit dem System kompatibel. Verbraucher können dies prüfen, indem sie mit ihrem Mobiltelefon folgende Webseite besuchen: umd.mobi

Bis wann werden alle Fahrzeuge flächendeckend mit dem Schutz ausgestattet sein?

Der Bund der Deutschen Versicherer (GDV) geht davon aus, dass noch fast ein Jahrzehnt vergehen wird, bis nur die Hälfte der Autos im Verkehr mit dem Notfallsystem ausgerüstet ist. Die Experten des GDV haben errechnet, dass es voraussichtlich erst im Jahr 2035 flächendeckend in Deutschland verbreitet sein wird.

Welche Daten werden von dem System eigentlich erfasst?

Das System empfängt über das Mobilfunknetz und die GPS-Daten den genauen Unfallzeitpunkt und Standort des Wagens. Außerdem erkennt eCall, ob der Notruf manuell oder automatisch ausgelöst wurde. Ebenfalls übermittelt wird die 17-stellige Fahrzeugidentifizierungsnummer, Antriebsart und Fahrzeugklasse, Fahrtrichtung sowie die Anzahl der Insassen (die Erfassung erfolgt über geschlossene Sicherheitsgurte).

Sind meine Daten bei eCall sicher?

Experten warnen schon länger davor, dass nicht nur Smartphones, sondern auch Fahrzeuge sich zunehmend zu mobilen Datenspeichern entwickeln. So erfassen moderne Autositze schon jetzt Gewicht des Fahrers, neuere Modelle sogar die Herzfrequenz. Der Bordcomputer speichert sämtliche Kontaktdaten des Smartphones und erinnert sich an die letzten einhundert Parkplätze.

Ab Mai tritt allerdings die Datenschutzgrundverordnung der EU in Kraft. Die neuen Systeme dürfen die Daten ihrer Kunden demnach nicht einfach an Dritte weitergeben und keine übermäßige Datenspeicherung betreiben.

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