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„Es ist wie an der Börse“: Wiesbadener Händler verkauft seit 1997 Münzen über Ebay

Der Philatelist und Numismatiker Torsten Hornung handelt auf der Auktionsplattform Ebay, und das seit 1997. 300 seltene Stücke verkauft er im Monat – und macht online 90 Prozent seines Umsatzes. Der Wiesbadener liebt Münzen und Briefmarken als „ein Stück gelebte Geschichte“.
Der Münzhändler Torsten Hornung, hier vor seinem Laden in der Wiesbadener Wilhelmstraße, versteigert seit 20 Jahren Ware über Ebay. Der Münzhändler Torsten Hornung, hier vor seinem Laden in der Wiesbadener Wilhelmstraße, versteigert seit 20 Jahren Ware über Ebay.
Wiesbaden. 

Torsten Hornung weiß über Münzen und Briefmarken viele Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel die von einem Liebespaar, das geheime Botschaften unter den Briefmarken versteckte. Von Betrugsfällen rund um gefälschte Briefmarken weiß er als vereidigter Sachverständiger ebenfalls zu berichten. Und von den unterschiedlichen Interessen von Investoren und Sammlern. „Ein Anleger kauft die südafrikanische Goldmünze Krügerrand. Südafrika verkauft sie seit den 60er Jahren zum aktuellen Goldpreis. Aber als es dann ein Embargo gab, Südafrika weniger herstellte und man sie nur noch dort erwerben konnte, da wurde die Münze zwischenzeitlich zu einem Sammlerstück.“

In dritter Generation

Hornung handelt mit Münzen und Briefmarken, hauptsächlich auf der Auktionsplattform Ebay. Er war in den 90ern einer der Händler der ersten Stunde. Das Ladengeschäft in der Wiesbadener Wilhelmstraße betreibt die Familie bereits in der dritten Generation. Der Großvater gründete den Handel, zunächst nur mit Briefmarken, 1948. Später kamen Münzen hinzu. Torsten Hornung begann dann seinen Handel 1983, damals noch mit klassischen Auktionen: Es gab einen Auktionskatalog, die Sammler kamen im Wiesbadener Kurhaus zusammen. Bei diesen Auktionen blieben rund 20 Prozent der Stücke liegen. Heute passiere ihm das nicht mehr, er habe seine Arbeitsweise optimiert, sagt Hornung.

Dank Ebay kommt er im Monat auf rund 300 verkaufte Artikel, seine Münzen gehen in 70 Länder. Der Internetkonzern mit seiner internationalen Auktionsplattform sorgt für den Hauptumsatz des Geschäfts von Torsten Hornung. Er liege im sechsstelligen Bereich, mehr will der Numismatiker nicht verraten. Doch nur zehn Prozent davon erwirtschafte er mit seinem Ladengeschäft und dem Netzwerk aus begeisterten Sammlern, das er sich über die Jahre aufgebaut hat.

Er stelle alle Artikel immer zum Mindestpreis von einem Euro auf der Plattform ein, sagt Hornung. Auf Ebay konkurriert er mit hunderten anderer Händler. „Ich vertraue dem Markt. Das, was bei Ebay erzielt wird, entspricht dem aktuellen Marktpreis. Es ist international. Es ist wie an der Börse.“ Gleichzeitig hat Hornung aber auch einen eigenen Ebay-Shop, wo er die Münzen und Sammlerstücke, darunter auch Schmuck, zu Festpreisen anbietet.

Von privaten Anbietern unterscheide er sich vor allem durch die ausführliche Beschreibung der Stücke, durch eigene Fotos der Münzen und dadurch, dass er sie auch zurücknehme, ohne Angabe von Gründen. Das teuerste verkaufte Stück war eine Goldmünze aus dem Jahr 1642, die Kaiser Ferdinand III. von Habsburg zeigt. Sie ging für 22 000 Euro an einen Ungarn. Neben russischen seien vor allem chinesische Münzen derzeit besonders gefragt. Er sieht sie vor allem als Anlageobjekt. „China ist ein Riesenland, Bildung und Einkommen nehmen zu, chinesische Münzen gehören deshalb zu meiner Rente“, sagt der Münzhändler.

Als er vor 20 Jahren bei Ebay begann zu verkaufen, loggte er sich 1997 zunächst noch bei der amerikanischen Plattform ein. Erst zwei Jahre später wurde die deutsche Auktionsplattform „Alando“ für umgerechnet rund 40 Millionen Euro an Ebay verkauft, der US-Konzern wurde damit am deutschen Markt aktiv. „Es war aufregend“, beschreibt Hornung diese Zeit. „In den USA zahlten Menschen mit überdurchschnittlichem Einkommen unvorstellbar hohe Preise und kauften wie verrückt übers Internet.“

Das Thema „Zeppelin“ lief besonders gut: Zeppelin-Löffel, Briefmarken oder auch Porzellan. Damals habe er noch 100 Bestellungen in einer Woche manuell abgearbeitet. „Die Leute haben teilweise amerikanische Schecks geschickt.“ Heute gibt es in Europa die Sepa-Überweisung; eine spezielle Software, die 1000 Artikel in drei Minuten bearbeiten kann, sorgt für eine reibungslose Abwicklung. Hornung muss nur noch die Münzen postfertig machen und frankieren – das tut er morgens. Denn geboten wird meist nachts.

Über Mundpropaganda

Über sein Ladengeschäft hält Hornung Kontakte auch zu zahlreichen Sammlern in der Region und in Europa. „Man muss wissen, ob es bei Ebay geht oder besser auf direktem Weg.“ Bekannt werde man hier mit den Jahren und über Mundpropaganda. „Das ist auch das schönste und das, was am längsten hält.“ An seinem Beruf liebt er die Abwechslung. Ich sehe jeden Tag etwas neues, Stücke, die ich noch nie gesehen habe.“ Auch wenn manchmal nur von geringem Wert, habe doch jede Münze ihre eigene Historie, spiegele wirtschaftliche und politische Realitäten. Zum Beispiel das 5-Millionen-Mark-Stück von 1923: „Es gibt sie tonnenweise, zumeist sind sie gut erhalten, da erzählt so eine Münze Geschichte.“

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