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Konjunktur: Wirtschaft trotzt dem Polit-Wirrwarr

Die Politik streitet, die Wirtschaft brummt. Deutschlands Manager scheint die ungewisse Regierungsbildung seit der Bundestagswahl kalt zu lassen.
Vor allem die Exportwirtschaft brummt. – Hier werden Neuwagen auf dem Terminal der BLG Logistics Group in Bremerhaven verladen. Foto: Ingo Wagner (dpa) Vor allem die Exportwirtschaft brummt. – Hier werden Neuwagen auf dem Terminal der BLG Logistics Group in Bremerhaven verladen.
Berlin. 

Ungeachtet der zähen Regierungsbildung ist die Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen auf Rekordniveau gestiegen. Der Geschäftsklima-Index kletterte im November überraschend um 0,7 auf 117,5 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag zu seiner monatlichen Umfrage unter 7000 Managern bekanntgab. Ökonomen hatten dagegen einen Rückgang erwartet. „Die deutsche Wirtschaft steuert auf eine Hochkonjunktur zu“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Manager beurteilten ihre Geschäftslage zwar etwas schlechter, die Aussichten für die kommenden sechs Monate dagegen besser als zuletzt. Ökonomen und Börsianer haben das Ergebnis der Ifo-Umfrage mit besonderer Spannung erwartet, da sie sich einen Hinweis versprachen, ob die politischen Wirren auf die Konjunktur durchschlagen. „Die deutsche Wirtschaft zeigt sich sehr robust und unbeeindruckt von politischen Entwicklungen“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe dazu.

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In der deutschen Politik geht nichts voran, weltweit lauern enorme Risiken, doch die Konjunktur lässt sich davon nicht ausbremsen. Bau und Investitionen boomen, auch der Export trotzt dem wieder erstarkten Eurokurs.

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Schwierige Bewertung

Die Umfrage wurde vom 6. bis 23. November erhoben, als sich sehr schwierige Sondierungen zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen bereits abzeichneten. Zehn Prozent der Antworten liefen nach dem Aus der Jamaika-Gespräche ein. Ob diese wesentlich anders ausfielen, ist unklar. „Das konnten wir noch nicht analysieren“, sagte Wohlrabe und verwies darauf, dass es wegen der vergleichsweise wenigen Antworten nicht leicht sei, belastbare Aussagen zu treffen. „Der erste wirkliche Test, inwieweit sich das Polit-Wirrwarr auf die Stimmung der deutschen Unternehmen auswirkt, kommt erst mit dem Ifo-Index vom Dezember“, betonte deshalb ING-Diba-Chefökonom Carsten Brzeski.

Dampfer fährt voraus

Besonders in der Industrie hellte sich die Stimmung im November auf: Hier sind die Unternehmenschefs so guter Dinge wie nie zuvor. „Treiber dieser Entwicklung waren die deutlich optimistischeren Erwartungen“, sagte Fuest. Die exportabhängige Industrie profitiert vom anziehenden Welthandel und dem Aufschwung in der Euro-Zone. Auch im Großhandel verbesserte sich das Klima, während es sich im Einzelhandel und in der Baubranche eintrübte. „Der deutsche Konjunkturdampfer fährt mit voller Fahrt voraus“, sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. „Außer einer Kollision, die aber nicht in Sicht ist, bringt ihn nichts so schnell zum Stehen: die Wirren um die Regierungsbildung jedenfalls nicht.“

Das sehen auch andere Experten so. „Der Ifo-Index trotzt dem politischen Wirrwarr“, sagte der Europa-Chefvolkswirt von Nordea, Holger Sandte. Das zeige, wie robust die Stimmung in der Wirtschaft derzeit sei. „Die Unternehmen und die Finanzmärkte wissen, dass die nächste Regierung nicht links- oder rechtsextrem sein wird, sondern nahe am Mainstream“, sagte Sandte. „Keine Grund also, sich verrückt machen zu lassen.“

Das Ifo-Institut hat gerade erst seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland 2017 auf 2,3 von 1,9 Prozent erhöht. Auch im kommenden Jahr soll eine Zwei vor dem Komma stehen. Die Exporte laufen rund, während die Unternehmen zuletzt deutlich mehr investierten. Auch der private Konsum dürfte angesichts von Rekordbeschäftigung, steigenden Löhnen und vergleichsweise geringer Inflation eine Stütze bleiben.

(rtr,dpa)

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