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Automarkt: Zweischneidiges Schwert für Opel

Von Der goldene Herbst auf dem deutschen Automarkt hat sich fortgesetzt. Doch die Käufer machen um Autos mit Dieselmotoren einen immer größeren Bogen. Die französische Opel-Mutter PSA überrascht mit einer Elektro-Allianz, die Rüsselsheim nicht kaltlassen kann.
Ein Opel-Fahrzeug auf dem Prüfstand: Welche Kompetenzen das Technische Entwicklungszentrum in Rüsselsheim nach dem jüngsten PSA-Deal mit einem japanischen Elektro-Spezialisten in Zukunft behält, ist eine Frage, die sich jetzt aufdrängt. Ein Opel-Fahrzeug auf dem Prüfstand: Welche Kompetenzen das Technische Entwicklungszentrum in Rüsselsheim nach dem jüngsten PSA-Deal mit einem japanischen Elektro-Spezialisten in Zukunft behält, ist eine Frage, die sich jetzt aufdrängt.
Frankfurt. 

Der in Kürze scheidende Präsident der deutschen Autolobby VDA, Matthias Wissmann, wird sich mit einer glänzenden Jahresbilanz in Deutschland in den Ruhestand zurückziehen können. „Die Marktentwicklung im vergangenen Monat war sehr stark. Es ist das beste Ergebnis in einem November seit dem Jahr 2006“, teilte der 68-Jährige mit. Doch seine Schlussbilanz ist alles andere als ungetrübt. Denn der dramatische Einbruch beim Absatz von Fahrzeugen mit Dieselmotoren hält weiter an. 17 Prozent weniger Diesel fanden im November einen Käufer. Damit ist nur noch jedes dritte neu ausgelieferte Auto ein Selbstzünder. Vor dem Dieselskandal war das Verhältnis zum Benziner noch pari. Warum Wissmann in seiner Monatsbilanz die Umstiegsprämien für ältere Dieselmodelle als Erfolgsfaktor für den insgesamt wachsenden Absatz bewertet, bleibt allerdings sein Geheimnis.

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An den Niedergang der Diesel kann sich der Frankfurter Kfz-Unternehmer und Präsident des Kraftfahrzeuggewerbes, Jürgen Karpinski, gar nicht gewöhnen. Es falle schwer, sich mit einem Bild von Zuwächsen beim Benziner und deutlichen Minuszahlen beim Diesel abzufinden, sagte er.

Allianz mit Japanern

Doch die für unsere Rhein-Main-Region wichtigere Nachricht traf aus Paris ein. Die französische Opel-Mutter PSA mit den Marken Peugeot, Citroën und DS informierte über eine neu geschlossene Elektro-Allianz mit dem japanischen Nidec-Konzern. PSA und Nidec Leroy-Somer halten je 50 Prozent an einem neuen Gemeinschaftsunternehmen für die Herstellung dieser Motoren in Frankreich. Nidec ist Weltmarktführer für Präzisions-Elektromotoren.

Was auf den ersten Blick wie ein großer Wurf für den PSA-Konzern aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen für die deutsche Tochter Opel als zweischneidiges Schwert. Denn der Zukauf von Technologie-Know-how aus Japan ist durchaus geeignet, dem Technischen Entwicklungszentrum (TEZ) in Rüsselsheim zumindest Konkurrenz zu machen. Die zur Umsetzung der Elektro-Strategie erforderlichen Entwicklungskapazitäten sind zwar enorm. Bis 2024 sollen alle europäischen Pkw-Baureihen elektrifiziert sein. Dies ist ein Kernelement im Zukunftsplan „Pace!“, den der neue Opel-Chef Michael Lohscheller vor drei Wochen vorgestellt hat. Darin hieß es noch: „Alle neuen Fahrzeuge von Opel/Vauxhall werden in Rüsselsheim entwickelt. Hier entstehen zudem globale Kompetenzzentren für die gesamte Groupe PSA.“

Ingenieurskunst

Auch Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug hat diesen Plan begrüßt: „Die ersten Kompetenzzusagen für das Entwicklungszentrum Rüsselsheim bilden eine gute Basis für unsere Verhandlungen“, lautete seine Reaktion auf Lohschellers Pläne. Doch die nun frisch geschlossene französisch-japanische Allianz stellt die Bedeutung des TEZ in Rüsselsheim als Anker in der gesamten PSA-Konzernstrategie in Frage. Ob deutsche Ingenieurskunst bei PSA-Lenker Carlos Tavares inzwischen an Ansehen verloren hat, werden die nächsten Schritte zeigen. Zur Erinnerung: Im Technischen Entwicklungszentrum von Opel sind über 7000 Mitarbeiter beschäftigt.

Die gemeinsam mit den Japanern konzipierten Elektromotoren seien für die ganze Gruppe bestimmt, also auch für Opel, sagte PSA-Manager Patrice Lucas. PSA hatte Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall im Sommer für 1,3 Milliarden Euro vom US-Autokonzern General Motors (GM) übernommen.

Kritik an CO2-Bilanz

Das französisch-japanische Joint-Venture soll Anfang kommenden Jahres starten, die Unternehmen wollen zusammen 220 Millionen Euro investieren. Lucas gab die Kapazität von 900 000 Elektromotoren im Jahr 2022 an. Auf die Frage, ob die neue Partnerschaft auch dazu beitragen solle, dass Opel künftig Emissionsvorschriften einhalten könne, entgegnete Lucas: „Das hat nichts mit Opel zu tun.“ Es gehe hingegen darum, dass die PSA-Gruppe als Ganzes das Thema Elektromotoren beherrsche. Der Konzern verbünde sich mit einem Spezialisten, um in dem Bereich schneller voranzukommen.

PSA-Konzernchef Tavares hatte mehrfach die CO2-Bilanz von Opel kritisiert, wo der Ausstoß im Flottendurchschnitt bei 127 Gramm CO2 pro Kilometer liegt. PSA kommt dagegen auf 101 Gramm. Von 2020 an sind 95 Gramm vorgeschrieben.

Zurück zur Monatsstatistik: Die sieht für Opel so lala aus. Die Marke mit dem Blitzlogo konnte im November ihre Verkäufe zwar um 2,6 Prozent steigern, war aber einen Tick schlechter als der Gesamtmarkt. Nach wie vor führen die Rüsselsheimer die Rabatt-Statistik der deutschen Hersteller an, wonach über 40 Prozent der Neuzulassungen mit deutlichen Preisabschlägen durch die Händler oder den Hersteller in den Markt gedrückt werden. Das schönt zwar die Absatzzahlen, führt der Gewinnrechnung aber tiefe Wunden zu.

VW auf der Überholspur

Der große Gewinner auf dem deutschen Markt ist im November die Volkswagen-Gruppe. Die Kernmarke VW beginnt sich nach dem hausgemachten Dieselskandal wieder zu erholen und hat kräftig zugelegt. Das gilt noch mehr für die Premium-Tochter Audi wie auch die beiden Auslandstöchter Skoda und Seat. In die Gewinnerriege reiht sich diesmal auch Ford ein. Der Deutschland-Ableger des US-Autoriesen schaffte den Sprung auf Platz vier und vorbei an BMW. Die Bajuwaren schwächeln nicht erst seit November. Ihr Jahresergebnis ist insgesamt leicht negativ.

Mit 302 636 neu zugelassenen Pkw lag der November um 9,4 Prozent über dem Vorjahresmonat. Insgesamt kamen in den ersten elf Monaten somit knapp 3,2 Millionen Pkw in Deutschland neu auf den Markt. Das sind drei Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

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