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Frankfurter Brett: Zwillingsbrüder revolutionieren die Hobbyküche

Johannes und Joseph Schreiter sind Zwillingsbrüder und Geschäftsführer der Frankfurter Brett GmbH. Ihre Leidenschaft fürs Kochen führte sie zum Ziel – ihre Kreation revolutioniert die Hobbyküche.
Johannes (links) und Joseph Schreiter in ihrer Küche, in Offenbach. Foto: Max Rumpenhorst Johannes (links) und Joseph Schreiter in ihrer Küche, in Offenbach.

Bis zu 70 Schneidebretter verkaufen Joseph Schreiter und sein Zwillingsbruder Johannes über ihren Online-Shop jeden Tag für die Hobbyküche. Das Besondere: Die Holzbretter haben ein- oder daruntergebaute Metallbügel, an denen verschieden große Behälter hängen, wie man sie aus der Profiküche kennt. Sie sollen die Arbeitsabläufe beim Scheiden erleichtern. Die Idee dazu hatte Johannes. In der Küche klemmte er die Behälter intuitiv zwischen sich und die Arbeitsplatte. Alles konnte man darin unterbringen, das Gemüse sortieren, die Abfälle trennen. Sehr praktisch, fand er. Da es so eine Konstruktion noch nicht gab, fassten die Zwillingsbrüder den Entschluss, diese Art von Schneidebrett selbst herzustellen.

Die Premiumbretter, die in der größten Ausführung knapp 800 Euro pro Stück kosten, stellt ein Schreiner in Offenbach her. Die kleineren Schneidebretter, von denen die Schreiters täglich 40 bis 60 Stück über die virtuelle Ladentheke verkaufen, werden in Estland gefertigt. „Bambus ist der Renner!“, sagt Joseph. Das robuste Bambusholz wird in den Brettern mit den Fasern nach oben quer zur Schneidefläche verarbeitet. „So gehen die Fasern beim Schneiden nicht auf und fransen nicht aus“, erläutert Joseph. Seit der Gründung ihrer Firma „Frankfurter Brett GmbH“ im Jahr 2015 haben die Schreiters mit ihren Brettern auch rund 200 000 Behälter an Hobbyköche verkauft. „Wir haben zwischenzeitlich den gesamten Markt an solchen Behältern leer gekauft“, meint Joseph Schreiter. Die Zielgruppe sei ausschließlich die Hobbyküche, denn in Profiküchen dürfe Holz als Material nicht verwendet werden.

In der großen Showküche der Frankfurter Brett GmbH führt Joseph Schreiter vor, wie praktisch die Arbeit mit den selbst entwickelten Brettern ist. Bild-Zoom
In der großen Showküche der Frankfurter Brett GmbH führt Joseph Schreiter vor, wie praktisch die Arbeit mit den selbst entwickelten Brettern ist.

Der 36-jährige Joseph Schreiter ist gelernter Koch und studiert neben dem Vollzeitjob noch Produktdesign an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Auch Zwillingsbruder Johannes hatte sich an der Hochschule beworben, mit dem Frankfurter Brett als seiner Kreation – und wurde abgelehnt. „Das war niederschmetternd“, erinnert sich sein Bruder Joseph. Doch zwei Wochen später meldete Johannes dann das Patent an für Europa und die USA, wohin sie die Bretter zeitweise mit reißendem Absatz verkauften. „Das Geschäft mit den USA machte zeitweise die Hälfte unseres Umsatzes aus“, erinnert sich Joseph.

Crowdfunding-Kampagnen

Finanziert haben die beiden Brüder ihre Firma zum Start mit einem Crowdfunding-Projekt – sie suchten Spender für die Idee über die Internetplattform Kickstarter. Jeder Spender sollte im Gegenzug ein Frankfurter Brett erhalten. Dabei hatten sie eine Finanzierungsschwelle von 75 000 Euro festgelegt, darunter hätte das Projekt nicht funktioniert. Aber nach 30 Tagen hatten sie schon 130 000 Euro zusammen. Das Crowdfunding hält Joseph Schreiter deshalb für ein „sensationelles Ding. Man kriegt ein Riesenfeedback ohne einen Cent zu investieren“. Er meint: „Wenn es beim Crowdfunding nicht funktioniert, wird das Produkt auch am Markt nicht funktionieren.“

Mittlerweile haben Joseph und Johannes schon ihre zweite Crowdfunding-Kampagne hinter sich. Auch von Foodblogger Stevan Paul wurden sie dabei unterstützt. „Er hat uns gepuscht, zum Kampagnen-Start gebloggt.“ Und einen Business-Angel aus dem Frankfurter Bankenmilieu haben sie auch gefunden, der an den Erfolg der Firma glaubt. „Er gab uns 80.000 Euro ohne große Zwischenfragen“, erinnert sich Joseph Schreiter. Die habe der Banker inzwischen längst wieder und einen weiteren Kredit genehmigt. Man gehe öfters essen und erhalte wichtige Tipps.

An die erste Zeit der Firma erinnert sich Joseph Schreiter gern. Zuerst haben sie die Bretter aus der Wohngemeinschaft in Offenbach heraus verschickt. „Als dann der Lieferant kam und das Verpackungsmaterial abladen wollte, da merkten wir erst richtig, was es bedeutet, einen Online-Handel zu betreiben.“ Später dann fanden sie die Halle in der Christian-Pleß-Straße.

Sortiment soll wachsen

Eineinhalb Jahre saßen sie in der staubigen Lagerhalle, haben sparsam gelebt. Erst nach der zweiten Crowdfunding-Kampagne konnten sie die Halle instand setzen, haben eine Vorführküche dort installiert. „Seit Januar 2017 zahlen wir uns auch ein Gehalt aus“, sagt Joseph.

Dabei sind beide Zwillinge auch mal getrennte Wege gegangen, Joseph als Systemgastronom in Köln und später in London, Johannes als Tiefbautechniker und gelernter Malermeister in der Heimat. Nach elf Jahren Trennung sind sie wieder zusammengezogen. „Als Zwilling bewegt man sich in Wellen, auf der Suche nach der eigenen Identität. Bis wir zehn Jahre alt waren, haben wir uns nicht als eigenständig begriffen. Die Abwesenheit voneinander war deshalb sehr wichtig“, erklärt Joseph Schreiter. Mittlerweile hat wieder jeder seine eigene Wohnung und Johannes und Joseph wollen ihre Bretter zur Topmarke für Koch-Fanatiker machen, sie möchten langfristig in ihrem Shop all das anbieten, was das Herz von Hobbyköchen an Equipment begehrt. Sich dabei nicht verbiegen zu müssen, das sei etwas, das er sehr an seiner Arbeit schätze, meint Joseph Schreiter. „Das zu tun, was man sowieso gerne tut und damit Geld zu verdienen, das gibt ein sehr gutes Gefühl.“

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