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Impfung gegen Papillomviren jetzt auch für Jungen empfohlen

Auch Jungen von 9 bis 14 Jahren sollen aus Expertensicht künftig vorbeugend gegen krebsauslösende Papillomviren geimpft werden. Für Mädchen gilt die Empfehlung schon länger. Aber längst nicht alle erhalten die Impfung.
Eine Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) wird nun auch für Jungen empfohlen. Sie kann das spätere Auftreten verschiedener Krebsarten im Genitalbereich verhindern. Foto: Mick Tsikas Eine Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) wird nun auch für Jungen empfohlen. Sie kann das spätere Auftreten verschiedener Krebsarten im Genitalbereich verhindern.
Berlin. 

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt jetzt offiziell auch für Jungen eine Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV). Sie kann das spätere Auftreten verschiedener Krebsarten im Genitalbereich verhindern.

Die vom Robert Koch-Institut (RKI) und der Weltgesundheitsorganisation WHO als „sehr sicher” bewertete Impfung wird für Mädchen bereits seit 2007 zur Verhinderung von Gebärmutterhalskrebs empfohlen. Die Stiko hatte am 5. Juni den Beschluss zur Impfempfehlung für Jungen gefasst. Er ist am Donnerstag mit der Veröffentlichung im Epidemiologischen Bulletin 26/2018 des RKI in Kraft getreten. Es enthält eine ausführliche Begründung der Stiko-Entscheidung.

Warum empfiehlt die Stiko die Impfung für Jungen erst jetzt?

„Obwohl es immer schon plausibel war, die Jungen zu impfen, um eine Übertragung der Viren auf Mädchen zu verhindern, musste man zuvor auch die schützende Wirkung für die Jungen selber nachweisen”, sagt der Vorsitzende der Stiko, Thomas Mertens. Dazu habe die Kommission die gesamte Literatur ausgewertet. Das habe gezeigt, dass die Impfung auch vor einigen Krebsarten bei Männern im Genitalbereich schützten kann.

Welche Folgen kann eine Infektion mit Humanen Papillomviren haben?

Unter den HPV gibt es verschiedene Typen mit unterschiedlichem Risiko für einzelne Erkrankungen. Infektionen mit Viren des sogenannten Hochrisiko-Typs können zu Krebs führen, bei Frauen ist der Gebärmutterhalskrebs am häufigsten. Bei Männern können sich aus einer Infektion unter anderem Anal- und Peniskrebs sowie andere Krebserkrankungen entwickeln. Laut RKI trifft das rund 6200 Frauen und 1600 Männer jährlich. Es gibt auch HP-Viren, die eher harmlose, aber belastende Genitalwarzen verursachen.

Wie wird HPV übertragen?

Humane Papillomviren werden über direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Geschlechtsverkehr ist der Hauptübertragungsweg bei Infektionen im Anal- und Genitalbereich. Nach Angaben des RKI infizieren sich die meisten sexuell aktiven Menschen mindestens einmal im Leben mit HPV. Beim Großteil der Infektionen bekämpft das Immunsystem die Viren erfolgreich. Gelingt das nicht, kann sich aus der Infektion Krebs entwickeln. Die Nutzung von Kondomen kann das Infektionsrisiko zwar teilweise verringern, jedoch nicht verhindern.

Für wen wird die Impfung empfohlen?

Die Stiko empfiehlt Impfungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Versäumte Impfungen sollten so früh wie möglich nachgeholt werden - dies kann bis zum Alter von 17 Jahren erfolgen.

Wer trägt die Kosten?

Für Mädchen werden die Kosten bereits von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen. Nach Veröffentlichung der Impf-Empfehlung der Stiko hat der Gemeinsame Bundesausschuss drei Monate Zeit, die Aufnahme in die Impfrichtlinie zu prüfen, die die Kostenübernahme durch die Krankenkassen auch für Jungen regelt. Einzelne Kassen übernehmen aber bereits jetzt die Kosten für die Jungenimpfung.

Wie hat sich die Impfung bei Mädchen etabliert?

Bei Mädchen hat sich die HPV-Impfung laut Mertens noch nicht ausreichend durchgesetzt: „In Deutschland liegt die Impfquote bei 17-Jährigen je nach Bundesland zwischen 22 und 56 Prozent. Das ist in anderen europäischen Ländern viel besser.” Es sei unklar, woran das zu geringe Interesse liege. „Junge Mädchen denken natürlich noch nicht an spätere Karzinome”, so der Virologe. Das sei unvernünftig. „Der Impfstoff ist sehr effektiv und eine spätere Erkrankung sehr schwer”, so Mertens.

(dpa)
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