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Warum die Besiedlung des Erdtrabanten machbar und logisch sinnvoll ist: Interview mit Dr. Florian Nebel: Auf dem Mond leben und arbeiten

Seit dem Ende des Apollo-Programms 1972 hat kein Mensch mehr den Mond betreten. Das sollte sich endlich ändern, und zwar durch eine dauerhafte Mondstation. Warum sie errichtet und was sie kosten würde, darüber sprach Bernhard Mackowiak mit dem Systemingenieur und Buchautor Dr. Florian Nebel.
Astronauten an ihrer Basis auf dem Mond – so stellt sich zum Beispiel die Nasa vor, wie Menschen auf dem Mond arbeiten könnten. Foto: NASA (Nasa) Astronauten an ihrer Basis auf dem Mond – so stellt sich zum Beispiel die Nasa vor, wie Menschen auf dem Mond arbeiten könnten.

Dr. Nebel, Sie sind nicht der Erste, der das Konzept einer permanenten Mondstation vorstellt, was macht Sie so sicher, dass Ihre Ideen und Vorschläge nicht wie die bisherigen im Bücherregal oder digitalen Speicher verschwinden?

FLORIAN NEBEL: Erst einmal gar nichts. Allerdings denke ich, dass Überlegungen zu einer permanenten Mondstation zurzeit auf günstigeren Boden fallen, da mit China und verschiedenen privaten Raumfahrtunternehmen einige neue Teilnehmer auf der Bühne der Weltraumforschung erschienen sind und mit ihren Missionen für einigen Wirbel sorgen. Vor allem China treibt die bemannte Raumfahrt entschieden voran, ist auf dem Mond präsent und hat noch Großes vor.

Konkurrenz belebt das Geschäft – auch wenn sie nicht so stark ausgeprägt ist wie in der Zeit des Kalten Krieges mit dem Wettrennen zum Mond zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion. Ohne den politischen Willen der USA – denken Sie an die berühmte Rede John F. Kennedys am 25. Mai 1961 – wäre die bemannte Landung auf dem Mond im Rahmen des Apollo-Programms nicht in dem kurzen Zeitraum von knapp zehn Jahren Wirklichkeit geworden.

Dr. Florian Nebel Bild-Zoom
Dr. Florian Nebel

Dass es danach nicht mehr mit dem Bau einer bemannten Mondstation weiterging, ist bedauerlich. Es ist ungefähr so, als wenn Amundsen und Scott ihren Wettlauf am Süpol durch Hissen ihrer Flaggen beendet hätten und ihnen kein Forscher mehr gefolgt wäre. Stattdessen gibt es heute dort zahlreiche Forschungsstationen mit der dazu gehörenden Logistik und Technologie – und nicht zu vergessen: die internationale Zusammenarbeit.

Logistik, Technologie und internationale Zusammenarbeit – diese Bedingungen sind auch für eine Mondstation notwendig, und die Lage dafür war Ihrer Meinung nach noch nie so günstig.

NEBEL: Mit der ISS besitzen wir einen Außenposten im Weltall, wenn auch ’nur’ im Erd-Orbit und haben genügend Erfahrung gesammelt, wie man dort lebt und arbeitet, wie man ihn mit Nachschub versorgt. Wir haben das notwendige Transportfahrzeug in Form der Sojus-Raumschiffe. Wir wissen, wie man ein technisches Großprojekt auf dem Raumfahrtsektor in internationaler Zusammenarbeit stemmt und das trotz aller politischen Krisen. Und vergessen Sie nicht: Wir besaßen bereits ein Transportsystem, das uns bis zum Mond und zurück brachte und heute im Museum steht, nämlich die Saturn-V-Rakete.

Deshalb plädieren Sie auch dafür, das Sojus-Raumschiff mit seinem Orbiter und Servicemodul mit einigen Modifikationen für die Mondmission der zweiten Generation zu verwenden.

NEBEL: . . .um dort hinzukommen und mögliche Standorte für eine Mondsiedlung zu erkunden. Die Sojus ist zurzeit das einzige bemannte Raumschiff, das an die ISS andocken und dort für die Mondmission modifiziert werden kann. Sie ist auch ein Beispiel dafür, dass es nicht teurer Neuentwicklungen bedarf, sondern nur der Weiterentwicklung des soliden Bestehenden.

Ihr Hauptaugenmerk liegt nicht so sehr auf eine Station, sondern auf den Bau einer Mondsiedlung und damit der nachhaltigen Erforschung des Mondes sowie Nutzung seiner Ressourcen.

NEBEL: Hier kommt der Schwabe in mir zum Vorschein, der sagt: „Wenn ich schon so viel Geld noch einmal ausgebe, dann möchte ich dafür auch etwas bekommen, das langfristiger, am besten für immer vorhanden ist. Und in diesem Fall wäre das Schönste, wenn man eine Kolonie errichtet, eine Siedlung auf dem Mond, die von sich aus wachsen kann, sich von sich aus weiterentwickeln kann.

Und das soll so schnell wie möglich sublunar geschehen, weshalb neben Astronauten vor allem Geologen und Bergmänner zu den Pionieren gehören sollen.

NEBEL: Schon Wernher von Braun hat in seinem Mondprojekt vorgeschlagen, die Mondstation unter die Oberfläche zu legen, um der Strahlungs- und Meteoritengefahr zu begegnen. In die Berg- oder Kraterwand getriebene Stollen böten die Möglichkeit einer zügigen Erweiterung zu einer Siedlung. Aus dem abgebauten Gestein lassen sich dann wertvolle Rohstoffe wie Aluminiumoxid gewinnen, das die Siedler zu Aluminium und Sauerstoff verarbeiten können. Mit dem Aluminium könnte man aufgrund des schwachen lunaren Schwerefeldes größere Raumschiffe bauen als auf der Erde. Der Sauerstoff kann von den Siedlern geatmet werden und in flüssiger Form mit Aluminium als Treibstoff verbrannt werden.

Die Kostenersparnis von lunarer Treibstoffproduktion gegenüber der Produktion auf der Erde wäre immens und könnte als Gewinn für die Mondsiedlung verbucht werden. Durch diesen Export könnte eine Mondsiedlung Einnahmen erwirtschaften und sich damit erhalten.

Die Kosten sind es, die das Wohl und Wehe eines solchen Projektes bestimmen. Sie haben sie durchgerechnet.

NEBEL: Meine Schätzung hat eine relativ weite Spanne, bei der ich lande; und sie hängt auch davon ab, was man möchte. Aber unterm Strich denke ich, da wird für maximal 275 Milliarden Dollar eine Mondsiedlung mit etwa 1000 Siedlern zu bauen sein, die in der Lage ist, die zuvor genannten Dinge für den Export zu produzieren. Das könnte in 15 Jahren zu realisieren sein, wenn es den politischen Willen dazu gibt, der sagt: „Wir machen das, wir schaffen das!“

 

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