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Studie: Übergewicht schlägt sich im Erbgut nieder

Übergewicht wirkt sich auch auf die langfristige Genregulation aus. Ein großes internationales Forscherteam zeigt nun in einer Studie mit den Daten von 10 000 Menschen, dass zu hohes Gewicht zu Veränderungen an fast 200 Stellen des Erbguts führen kann.
Der Mexikaner Juan Pedro Franco, der wahrscheinlich schwerste Mann der Welt, lässt sich operieren, um sein Gewicht von etwa 500 Kilo deutlich zu senken. Foto: Ulises Ruiz Basurto Der Mexikaner Juan Pedro Franco, der wahrscheinlich schwerste Mann der Welt, lässt sich operieren, um sein Gewicht von etwa 500 Kilo deutlich zu senken. Foto: Ulises Ruiz Basurto
München. 

Zu viele Kalorien, zu viele Pfunde - das lagert sich auf Dauer nicht nur auf den Hüften ab, sondern schlägt sich auch im Erbgut nieder. Ein erhöhter Body-Mass-Index und damit Übergewicht führt zu sogenannten epigenetischen Veränderungen an fast 200 Stellen des Erbguts.

Das ergab eine in dem Fachmagazin „Nature” veröffentlichte internationale Studie unter maßgeblicher Beteiligung des Helmholtz Zentrums München. Die Epigenetik betrifft nicht den tatsächlichen DNA-Code, sondern die langfristige Regulation verschiedener Gene.

Während sich Gene im Laufe des Lebens kaum verändern, kann der Lebensstil direkten Einfluss auf deren Wirkweise ausüben. Bislang sei der epigenetische Einfluss von hohem Gewicht kaum untersucht. „Dabei ist die Frage bei schätzungsweise eineinhalb Milliarden übergewichtigen Menschen weltweit durchaus relevant”, sagte Erstautorin Simone Wahl. Nicht zuletzt könne Übergewicht zu Diabetes, Herzkreislauf- und Stoffwechselerkrankungen führen.

Die Wissenschaftler untersuchten die Blutproben von mehr als 10 000 Frauen und Männern aus Europa. Ein größerer Teil waren Bewohner Londons mit indischer Abstammung, die laut Autoren ein hohes Risiko für Fettleibigkeit und Stoffwechselkrankheiten haben.

In einem ersten Schritt mit gut 5000 Proben fand das Forscherteam 207 Genorte, die abhängig vom BMI epigenetisch verändert waren. Bei weiteren Tests bestätigten sich davon 187. Zusätzliche Untersuchungen ergaben, dass ein Großteil der Veränderungen eine Folge des Übergewichts war - und nicht dessen Ursache.

Signifikante Veränderungen habe es vor allem an Genen gegeben, die für den Fettstoffwechsel zuständig sind, hieß es. Aber auch Entzündungsgene waren betroffen. Weiter identifizierte das Team epigenetische Marker, anhand derer sich das Risiko für Typ-2-Diabetes vorhersagen ließ. Die Wissenschaftler hoffen nun, dass sich daraus neue Strategien entwickeln lassen, wie Typ-2-Diabetes und andere Folgen des Übergewichts vorhergesagt oder verhindert werden können.

Mehrere Forscher unter anderem vom Institut für Experimentelle Genetik (IEG) am Helmholtz Zentrum hatten bereits früher anhand von Versuchen mit Mäusen gezeigt, dass durch Fehlernährung verursachte Fettleibigkeit und Diabetes vererbt werden können - eben über die Epigenetik.

Die Münchner Wissenschaftler hatten dazu Nachkommen über künstliche Befruchtung erzeugt und von Leihmüttern ausgetragen lassen, um andere Einflüsse auszuschließen. Sie zeigten, dass männliche und weibliche Nachkommen unterschiedlich betroffen sind: Weibchen wurden eher dicker, Männchen hatten größere Blutzuckerprobleme.

Zuvor hatten bereits US-Forscher eine Studie mit Mäusemännchen veröffentlicht, nach der fettreiche Ernährung den Stoffwechsel der Nachkommen negativ beeinflussen kann. Andere Forscher wiesen bereits eine ähnliche Wirkung auch bei Menschen nach. Bei der Epigenetik wird die Aktivität von Genen durch Anheften von Methylgruppen an den Erbgutstrang gesteuert.

(dpa)
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