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Was der Blick eines Babys bedeutet

Sind die Grundlagen späteren Verhaltens schon von Geburt an gelegt? In einer Studie fanden Forscher einen Zusammenhang zwischen der Aufmerksamkeit, die Babys Bildern von Gesichtern widmeten, und ihrem Risiko für impulsives, aggressives oder hyperaktives Verhalten später in der Kindheit.
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Hallo, wie guckst du denn? Im Blick von Babys wollen Forscher bereits ein mögliches Risiko für spätere Verhaltensauffälligkeiten erkennen.	FOTO: dpa Foto: Westend61 / Rainer Berg (Westend61) BLICK Hallo, wie guckst du denn? Im Blick von Babys wollen Forscher bereits ein mögliches Risiko für spätere Verhaltensauffälligkeiten erkennen. FOTO: dpa
London. 

Aus dem Verhalten wenige Tage alter Babys glauben Wissenschaftler Hinweise auf das Risiko für spätere Verhaltensauffälligkeiten ablesen zu können. Italienische und britische Psychologen berichten darüber in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“. Aufgrund des zarten Alters der Versuchspersonen seien biologische Faktoren als Grund für die beobachteten Unterschiede wahrscheinlich, schreiben die Wissenschaftler.

Kostas Papageorgiou von der London Metropolitan University und seine Mitarbeiter hatten zwischen 2004 und 2012 insgesamt 180 ein bis vier Tage alten Neugeborenen Gesichter auf einem Bildschirm gezeigt. Die Forscher beobachteten dabei genau, wie die Babys die Bilder betrachteten. Den Eltern von 80 der Kinder legten die Wissenschaftler einige Jahre später mehrere Fragebögen vor, mit deren Hilfe sie das Verhalten ihrer Sprösslinge beschreiben sollten. Die Kinder waren zu diesem Zeitpunkt zwischen drei und zehn Jahre alt.

Kinder sensibel


beobachten

Über die Fragebögen ermittelten die Wissenschaftler unter anderem, wie gut die Kinder ihre Gefühle kontrollieren können, wie impulsiv sie sind oder ob sie auffällige Verhaltensweisen zeigen – Hyperaktivität, Probleme mit Gleichaltrigen oder Aufmerksamkeitsstörungen. „Wir haben erstmals gezeigt, dass es einen bedeutenden Zusammenhang gibt zwischen der Art und Weise, wie Babys Bilder betrachten, und ihrem späteren Temperament und Verhalten in der Kindheit, etwa Hyperaktivität“, erläutert Studienleiterin Angelica Ronald.

Der Zusammenhang sei statistisch bedeutsam, allerdings nur moderat, schränken die Autoren ein. Eine Befragung der Eltern als Grundlage für die Beurteilung des kindlichen Temperaments sei zudem fehleranfällig. Weitere Untersuchungen müssten deshalb folgen.

Da die Babys erst wenige Tage alt waren, seien die beobachteten Unterschiede im visuellen Verhalten vermutlich bereits bei Geburt vorhanden gewesen. Als Erklärung schieden damit die Umwelteinflüsse nach der Geburt aus, es blieben genetische Unterschiede oder Einflüsse auf das Baby im Mutterleib.

„Es gibt zwar viele Faktoren, die Verhaltensschwierigkeiten in der Kindheit beeinflussen. Doch unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass ein Teil dessen, was das spätere Verhalten beeinflusst, bereits bei der Geburt vorhanden ist“, so Papageorgiou. „In Zukunft können diese Beobachtungen dazu beitragen, Kinder zu identifizieren, die ein besonders hohes Risiko für Aufmerksamkeitsstörungen tragen, wie etwa bei ADHS, und dabei helfen, Interventionen zu entwickeln, die die Aufmerksamkeitsleistung verbessern.“

Aus Studien sei bekannt, dass „schwierige Babys“ – solche, die zum Beispiel Probleme haben, einen Rhythmus für Essen oder Schlafen zu entwickeln, die viel weinen oder unruhig sind – auch im Kindes- und Jugendalter häufiger Verhaltensauffälligkeiten zeigen oder Lernschwierigkeiten entwickelten, sagt Birgit Elsner, Leiterin der Abteilung Entwicklungspsychologie an der Universität Potsdam. „Die Stabilität solcher Unterschiede über mehrere Lebensjahre lässt eine biologische Ursache vermuten.“ Dies könnten etwa genetisch bedingte Unterschiede in Hirnregionen sein, die an der Kontrolle des eigenen Verhaltens beteiligt sind.

Die Risiken


früh erkennen

Frischgebackene Eltern müssen ihre Neugeborenen aber dennoch nicht überkritisch beäugen: „Man kann an dem Verhalten von Neugeborenen sicher nicht vorhersagen, ob sie später einmal Verhaltensauffälligkeiten entwickeln werden“, betont Elsner. Spätere Einflüsse wie etwa das Verhältnis zwischen Babys und ihren Eltern seien maßgeblich für die Entwicklung des kindlichen Verhaltens.

„Gerade dass die in der Studie gefundenen Zusammenhänge statistisch nur moderat sind, spricht für die Bedeutung von solchen Umwelteinflüssen.“

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