Ein Top-Diplomat tritt ab

Fast zwei Jahre hat Michael Steiner die Afghanistan-Politik der Bundesregierung maßgeblich mitbestimmt. Jetzt will er sich neuen Aufgaben widmen.

Von Michael Fischer

Berlin. Einen besseren Abgang als Regierungsbeauftragter für Afghanistan und Pakistan hätte sich Michael Steiner kaum wünschen können. Unter seiner maßgeblichen Mitwirkung stellten 1000 Delegierte aus 85 Ländern im Dezember in Bonn die ersten Weichen für die Zukunft Afghanistans - für die Zeit nach 2014, wenn er internationale Kampfeinsatz endet. Monatelang hatte Steiner die Konferenz vorbereitet. Er war zu Vorbereitungstreffen nach Brüssel, Istanbul und Astana gereist, hatte in stundenlangen Beratungen am Abschlusstext gefeilt. Das Ergebnis bezeichnete Außenminister Guido Westerwelle zum Abschluss der Konferenz als "Meilenstein".

Zwei Monate später verabschiedete der Bundestag das erste Afghanistan-Mandat, das eine Reduzierung der Bundeswehr-Truppe am Hindukusch vorsieht. Die Verhandlungen darüber waren nicht einfach. Westerwelle drang auf ein klares Abzugssignal, die Militärs drückten auf die Bremse, Steiner vermittelte. Als Kompromiss sprang ein Zwei-Stufen-Plan heraus, der beiden Standpunkte einigermaßen gerecht wurde.

Dass der gebürtige Münchner diesen Wendepunkt in der Afghanistan-Politik für einen Rückzug nutzen könnte, wurde schon lange gemutmaßt. Als Steiner den Posten vor knapp zwei Jahren übernahm, galt er als Neuling in der Afghanistan-Politik. Inzwischen hat der 62-Jährige internationale Anerkennung im Ringen um eine politische Lösung für einen der kompliziertesten internationalen Konflikte erlangt - beim afghanischen Präsidenten Hamid Karsai ebenso wie bei den amerikanischen Bündnispartnern.

Steiner sorgte mit dafür, dass der Gesprächsfaden zwischen den USA und den radikal-islamischen Taliban aufgenommen und weitergesponnen wurde. Über diesen Teil seiner Arbeit schweigt er eisern. Ansonsten zählt der gelernte Völkerrechtler nicht gerade zu den Anhängern der stillen Diplomatie. Er gilt nicht nur als genialer Strippenzieher auf dem internationalen Parkett, sondern auch als raubeinig, ungeduldig, ehrgeizig und eitel.

Diese Eigenschaften sorgten im November 2001 für den einzigen Knick in seiner Karriere. Damals war Steiner außen- und sicherheitspolitischer Berater von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Auf dem Rückflug von einer Asien-Reise verlangte er bei einem Zwischenstopp in Moskau Kaviar, bekam keinen und beschimpfte daraufhin einen Oberfeldwebel der Flugbereitschaft als "Arschloch". Als dies einige Tage später bekanntwurde, musste er zurücktreten - zumal man sich zuvor schon über sein überaus selbstbewusstes Auftreten mokiert hatte.

Steiner ist bereits drei Jahrzehnte im Auswärtigen Dienst. Im Wende-Herbst 1989 war er Presse-Attaché der deutschen Botschaft in Prag, die monatelang einer der wichtigsten Zufluchtsorte von DDR-Bürgern war. Später wirkte er auf verschiedenen Posten an der Beilegung der Balkan-Konflikte in Bosnien und im Kosovo mit.

Seine nächste und möglicherweise letzte Karriere-Station im Auswärtigen Dienst ist noch nicht bekannt. In seine recht großen Fußstapfen in der deutschen Afghanistan-Politik tritt mit dem derzeitigen Botschafter in Pakistan, Michael Koch, ein ausgewiesener Experte, der voraussichtlich auch einen neuen Stil mit ins Amt bringen wird. Der 56-jährige Koch gilt als Mann der leisen Töne.

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