Fluglärm: Tag des Zorns

Heute große Demonstration am Flughafen – Unternehmer: Wir brauchen Nachtflüge

Bis zu zehntausend Demonstranten werden heute im Terminal Eins erwartet. Bürgerinitiativen aus ganz Deutschland wollen sich zusammenschließen, um gemeinsam gegen den Fluglärm zu protestieren. Die hessischen Unternehmer hingegen betonen den Nutzen des Flughafenausbaus.

Am Flughafen werden am Samstag zehntausende Demonstranten erwartet. Frankfurt. Diesmal gibt es nicht nur montags, sondern auch samstags am Frankfurter Flughafen lautstarken Protest. Vier Tage vor dem Fluglärmgipfel der Landesregierung wollen lärmgeplagte Bürger aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet anreisen und ihrem Unmut Luft machen. Sie fordern ein absolutes Nachtflugverbot, einige auch die Schließung der neuen Landebahn.

Zur gleichen Zeit wollen Demonstranten auch in Berlin-Schönefeld protestieren, wo im Sommer der neue Hauptstadt-Flughafen eröffnen soll. Regionale Bürgerinitiativen gegen Ausbauprojekte an deutschen Flughäfen suchen derweil den bundesweiten Schulterschluss. Mit dem überregionalen Auftreten wollen die Lärmgegner ihre Schlagkraft erhöhen.

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport rief Fluggäste auf, frühzeitig anzureisen. "Wir rechnen mit Verzögerungen bei der An- und Abreise vom und zum Flughafen", sagte ein Sprecher. Rund 125 000 Passagiere werden über den ganzen Tag erwartet, die meisten müssen durch Terminal Eins, wo gegen 12 Uhr die Demonstration beginnt. "Man muss sich bewusst sein, dass es etwas enger wird", sagte der Fraport-Sprecher. Das Unternehmen muss die Proteste auf seinem Gelände dulden, denn das Bundesverfassungsgericht hat das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit ausdrücklich auch für den Flughafen bestätigt.

Nachtflugverbot ausweiten?

In ihrer Forderung nach einem strikten Nachtflugverbot bekommen die Demonstranten Unterstützung vom Umweltbundesamt (UBA). An stadtnahen Flughäfen wäre aus Sicht des Amts generell ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr notwendig.

Ein totales Nachtflugverbot passt nach Überzeugung der hessischen Wirtschaft hingegen nicht zu einem Weltflughafen wie Frankfurt. Die vom Fluglärm betroffenen Menschen hätten ein Recht auf bestmöglichen Lärmschutz, "aber wir dürfen in der Region nicht nur über Lärm reden", sagte Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU). "Der Nutzen für Wohlstand, Lohnniveau, Beschäftigung und Wirtschaftskraft des Weltflughafens ist ungleich größer." Die schweigende Mehrheit der Hessen wolle den Ausbau.

Auf dem für den 8. Februar geplanten Fluglärmgipfel, zu dem Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) geladen hat, sollen mögliche Maßnahmen zur Lärmreduzierung vorgestellt werden. Dabei geht es unter anderem um veränderte Anflugverfahren. Fraport, die Fluggesellschaften und die Deutsche Flugsicherung hatten den Auftrag bekommen, ein Maßnahmenpaket auszuarbeiten.

CDU berät über Fluglärm

Die Zukunft des Flughafens gehört auch zu den zentralen Themen einer zweitägigen Klausur des hessischen CDU-Landesvorstands. Zum Auftakt sagte Unions-Landeschef und Ministerpräsident Bouffier, Ziel seiner Partei sei ein Nachtflugverbot von 23 Uhr bis 5 Uhr, wie es die Mediation verlangt hatte. An den "Eckrandstunden" dürfe jedoch nicht gerüttelt werden. Der Offenbacher CDU-Chef, Sozialminister Stefan Grüttner, hatte gefordert, die Bevölkerung müsse auch in den Randstunden entlastet werden. Bouffier erwartet, dass der Lärm an Deutschlands größtem Airport durch ein Bündel von aktivem und passivem Schallschutz reduziert werden kann. "So, wie es ist, kann es nicht bleiben", sagte er. lhe/ch

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