Mehr Reisen nach Tunesien - Skepsis bei Ägypten

Von Michael Zehender, dpa

Berlin. Die Urlauber kehren langsam zurück: Nach der Revolution steigen in Tunesien die Buchungszahlen inzwischen wieder an. (Foto: Christian Röwekamp)Erneut steht Nordafrika nach den Unruhen und der Entführung zweier US-Touristen in Ägypten im Fokus. Das alles könnte den leichten Aufschwung in der Tourismusbranche stören. Für Tunesien berichten die Reiseveranstalter dagegen von hohen Zuwachsraten.

Die Zahl ließ aufhorchen: Im hohen zweistelligen Prozentbereich liege das Buchungsplus für Tunesienreisen, ließ Alltours diese Woche verlauten. Ist der Tourismus in den krisengeschüttelten Ländern in Nordafrika schon über dem Berg? Ein genauerer Blick zeigt: Es geht in der Tat deutlich aufwärts. Vor allem in Ägypten schreckt die instabile Sicherheitslage aber noch viele Reisende ab.

Auf 41 Prozent belief sich im Gesamtjahr 2011 das Buchungsminus in Tunesien. Doch ein Blick auf die einzelnen Monate macht Hoffnung: Begonnen hatte alles mit einem Rückgang von 85 Prozent im Februar - der Tourismus im Land kam fast vollständig zum Erliegen. "Doch seit dem Sommer geht es bergauf", erklärt Andrea Philippi, Sprecherin des Tunesischen Fremdenverkehrsamtes. Im Dezember lagen die Buchungszahlen nur noch um 4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Und auch für 2012 sind die Tourismusverantwortlichen zuversichtlich: "Die Nachfrage auf Messen und die Resonanz der Reiseveranstalter stimmen uns optimistisch", so Philippi.

Hört man sich bei den Reiseveranstaltern um, bestätigt sich dieser Eindruck. Von einem starken "Buchungsplus in Tunesien" berichtet beispielsweise Markus Leutner, Leiter Flugreisen Ost bei Thomas Cook. Man liege zwar noch leicht unter dem Vorrevolutionsniveau, doch schon im Sommer könne sich das ändern. "Positiv überrascht" zeigt man sich auch bei Rewe-Touristik, wie schnell sich die Gästezahlen erholen. Der Trend vor allem in Tunesien weise wieder klar in eine Richtung: "Rückkehr zu alter Stärke", so Sören Hartmann, Sprecher der Geschäftsführung.

Von einer "stetigen Erholung" spricht Tui, von einem "starken Buchungsplus im Januar" L'tur. Bei FTI übertreffen beide Länder die Erwartungen. "Wenn die Buchungslage so anhält, erreichen wir in beiden Ländern schon 2012 das Vorkrisenniveau", erklärt Marco Volpe, Bereichsleiter Nordafrika. Auch der Studienreiseanbieter Studiosus hat eine steigende Nachfrage der Kunden beobachtet. Lediglich Dertour liegt in Tunesien "leicht hinter den Erwartungen zurück".

Die Gründe für den Aufwärtstrend sind klar: "Politisch ist die Lage in Tunesien stabil", sagt Studiosus-Sicherheitsmanager Edwin Doldi. Doch es gibt noch einen weiteren Grund: die niedrigen Preise. Das ist in Tunesien nichts Besonderes, in der Krise haben viele Hotels aber noch einmal Rabatte gewährt.

"Die günstigen Preise spielen sicherlich eine Rolle", bestätigt Andrea Philippi. "Das Preisniveau in Tunesien ist relativ niedrig", sagt auch Leutner. Und in diesem Sommer drehen die Hoteliers noch einmal an der Preisschraube: Vor allem Kinder erhalten hohe Rabatte. Vom "besten Preis-Leistungs-Verhältnis am Mittelmeer" spricht Sören Hartmann von den Rewe-Pauschalveranstaltern. Ein Ende ist nicht in Sicht: "Deutlich steigende Preise sind nicht zu erwarten", so Leutner.

Während die Deutschen nach Tunesien zurückkehren, ist die Lage in Ägypten schwieriger. "Die aktuellen Meldungen lassen die Erholung ins Stocken geraten", erklärt Markus Leutner von Thomas Cook. Erst die Wahlen, jetzt die Gewaltexzesse im Fußballstadion, Zusammenstöße und die Entführung von zwei US-Touristen auf der Sinai-Halbinsel: Es ist unklar, wohin die Entwicklung in Ägypten geht. "Wichtig für eine touristische Erholung sind stabile politische Verhältnisse", findet auch Hartmann.

Der Studienreiseanbieter Studiosus betrachtet die aktuelle Entwicklung "mit Sorge". Zwar richteten sich die Proteste bislang nicht gegen Ausländer, "wir stellen uns aber schon die Frage, ob Reisen noch möglich sind", sagt Doldi. Die Sicherheitslage hat sich bei Studiosus auch in den Buchungszahlen niedergeschlagen. Von Januar bis April 2011 gab es keine Reisen, nach der Sommerpause hat Doldi auch im Herbst eine "sehr dünne Nachfrage" beobachtet. "Momentan sind wir etwa bei einem Fünftel des Normalniveaus." Auch für 2013 plane Studiosus für Ägypten eher zurückhaltend.

Doch Ägypten hat in Deutschland noch einen Trumpf im Ärmel. Auf der Reisemesse ITB im März in Berlin ist es das Partnerland. "Wenn es sich da gut präsentiert, könnte das noch einmal einen Schub geben", glaubt Thomas-Cook-Manager Leutner.


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