Das große Helau des Narrenvolks

„Die beste Stimmung weit und breit hat Klaa Paris zur Fastnachtszeit“ – das Motto des ältesten Umzugs Frankfurts erfüllten gestern rund 130 000 Narren mit Leben. Mit von der Partie: Der Comeback-Eintracht-Wagen der FNP.

Frankfurt. Die Hände voller Kamellen und ein strahlendes Lächeln auf den Lippen: So kennt man Statthalter Thomas I. Sein Amt rührt von den historischen Wurzeln Heddernheims her. Die Provinzen des römischen Reiches hatten Statthalter, die sich um die Verwaltung kümmerten. In der Fassenacht vertritt der Statthalter "Gott Jokus" – und kümmert sich unter anderem darum, dass der Umzug einwandfrei über die Bühne geht. Fotos: Martin Weis Die Luftballons weisen den Weg: Noch kleben sie am Comeback-Eintracht-Mottowagen der Frankfurter Neuen Presse, in ein paar Minuten werden sie gen Himmel schweben und die bunte Narrenschar von oben betrachten.

Ein Aufstieg par excellence. Auch für die Frankfurter Eintracht? Spätestens seit dem gestrigen Umzug durch Klaa Paris dürfte das kein Problem mehr sein, so lautstark, wie die Besatzung des FNP-Wagens den Narren einheizte: Verlagsmitarbeiter und Anhänger des Fanclubs "Sinnlos" sangen, schmissen Süßes in die Menge und brachten mit ausgelassenen Sprüngen den Wagen zum Wanken. Aber nur fast.

Der Comeback-Eintracht-Wagen fällt auf. Ein 7,5-Tonner, in Kunstrasen gehüllt, mit Torpfosten und Mittellinie. Auf dem Fahrerhäuschen sitzt Eintracht-Maskottchen Attila, drinnen Peter Bolz, ein hoch gewachsener Mann mit grauschwarzem Haar. Wie anstrengend ist es, eine fröhlich-lärmende Ladung durch die engen Gassen zu kutschieren? "Es geht", lautet die diplomatische Antwort. "Wir waren mit dem Comeback-Eintracht-Wagen auch in Usingen und Flörsheim; dort sind die Wege noch enger. Man muss eben gut aufpassen, vor allem auf die Kinder, die nach Süßigkeiten suchen. Deswegen laufen zwei Männer am Wagen mit." Bolz knallt die Wagentür zu. "Es geht los!"

Fast 20 Leute drängen sich auf dem Lastwagen, rücken Kisten an die Fenster. Das Wurfmaterial kann sich sehen lassen: 20 000 Bonbons, 100 Knautsch-Fußbälle, fünf Kisten mit Eintracht-Fanbüchern. Bierdosen zischen, die Musikanlage gibt den Takt vor: "Eintracht vom Main, nur du sollst heute siegen…"

Liebe zur Fastnacht

Die Besatzung des Comeback-Eintracht-Couch- Wagens trug natürlich Fan-Trikots.Da säumen schon die ersten Narren den Straßenrand. "Helau"-Rufe erschallen, im Gegenzug gibt‘s händeweise Lutscher. Ein Meer von bunten Armen streckt sich den Wagen entgegen. Manche halten umgedrehte Regenschirme und Tüten hin. Alles feiert (siehe auch unten).

Ein Junge ist besonders clever: Er läuft mit dem FNP-Wagen mit; wahrscheinlich hofft er, mehr als einen Fußball und ein Buch abzubekommen. Aber nicht mit Fanclub-Mitglied Katharina. "Der kriegt jetzt nichts mehr", grinst die 26-Jährige mit dem blonden Pferdeschwanz, die sich mit schwarzer Schminke "SGE" auf die Wange gemalt hat. "Die anderen wollen auch was abhaben."

Katharina ist zum ersten Mal auf einem Umzugswagen dabei. Und dann gleich für eine Aktion, die die Eintracht im Aufstieg unterstützt; dieser Dienstag ist ihr klarer Höhepunkt der Fastnachtssaison. "Ich habe die Liebe zur Eintracht in die Wiege gelegt bekommen", sagt sie und reicht einem Mädchen einen Fußball hinunter, das sich strahlend bedankt. "Meine Eltern sind auch riesengroße Fans."

In Alt-Heddernheim stoppt der Zug. Die Straßen werden enger, die Menschenmassen dichter, es geht um eine enge Kurve. Nach dem Comeback-Eintracht-Wagen folgen die Sportler vom Tuesday Night Skating auf Rollschuhen, dann ein großer bunter Mottowagen mit Figur: "Das Geld wird knapp, e Sauerei, des schluckt bei uns de Bankehai" steht unter einem Pappmaché-Michel, der fleißig Millionen in den unersättlichen Schlund eines Hais schaufelt. Ein anderer Wagen nimmt die OB-Wahl zum Thema und lässt ein schwarzes, ein grünes und ein rotes Männchen um einen rosa gepolsterten Thron kämpfen.

Großes Hallo – oder besser Helau – bekommt die FES, die an 17 schöne Jahre mit Oberbürgermeisterin Petra Roth erinnert und über ihren Weggang ein kleines Tränchen vergießt. Aber nur symbolisch. Statt Taschentüchern regnet es Traubenzucker und ein als Clown verkleideter älterer Mann schmunzelt in seinen Bart: "Die müssen hinterher putzen – so machen sie sich ihre Arbeit selbst."

Jubel an der Tribüne

Im Comeback-Eintracht-Wagen bereitet sich die Mannschaft unterdessen auf den Höhepunkt vor: Der Umzug nähert sich der Ehrentribüne am Karl-Perott-Platz. Von hier aus winkt die närrische Crème de la Crème begeistert ins Publikum, allen voran das Prinzenpaar, "Seine Tollität" Marcus I. und "Ihre Lieblichkeit" Ingrid II., und Innenminister und OB-Kandidat Boris Rhein (CDU). Das Gejubel wird noch ein bisschen lauter, als der letzte Wagen mit Statthalter Thomas Dresch und Prokurator Friedrich Schlegel um die Ecke biegt. Von diesen beiden Narren gibt es nicht nur Süßigkeiten, sondern auch Rosen. "Ich hab‘ eine, ich hab‘ eine", jubelt eine als Pandabär verkleidete junge Frau und verschwindet lächelnd in der Menge.

Dann ist alles vorbei. Der Umzug zerstreut sich, die Menschen strömen Richtung U-Bahn-Station. Ein paar letzte Luftballons schweben über Klaa Paris. Es wird stiller. jro

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