Fraport ist aufgewacht

Große Charmeoffensive gestartet +++ Eine Million Flugblätter verteilt +++ Pro-Flughafen-Demo vor dem Römer

Seit Oktober machen die Gegner der Nordwest-Landebahn der Fraport die Hölle heiß. Jetzt startet die Betreibergesellschaft des Flughafens eine große Gegenoffensive.

Frankfurt. Seit Oktober machen die Gegner der Nordwest-Landebahn der Fraport die Hölle heiß. Jetzt startet die Betreibergesellschaft des Flughafens eine große Gegenoffensive (Symbolbild). Foto: dpaDie Schockstarre scheint überwunden. Angesichts des Proteststurms gegen die neue Nordwest-Landebahn wirkte die Fraport wochenlang wie gelähmt. Die Flughafen-Betreibergesellschaft schien sich vor den Böen zu ducken, die von Demo zu Demo heftiger wurden.

Jetzt, fast vier Monate nach der Landebahn-Eröffnung, steht die Fraport plötzlich auf und hält die Nase in den Wind. Mit den Fluggesellschaften Lufthansa und Condor startet sie eine millionenschwere Charmeoffensive mit dem Ziel, die wirtschaftliche Bedeutung des Airports herauszustellen.

Informationen, wonach Dirk Metz, ehemaliger Sprecher der Landesregierung, bei der Offensive federführend ist, wies Fraport-Sprecher Jürgen Harrer gestern als falsch zurück: Metz sei zwar als freier PR-Berater ins Unternehmen eingestiegen, jedoch nicht konzeptionell tätig geworden. "Er wurde lediglich um Stellungnahme zu einzelnen Punkten gebeten."

Der erste große Streich der Offensive wurde schon geführt: In den vergangenen Tagen flatterten eine Million persönliche Anschreiben des Fraport-Chefs Stefan Schulte in die Briefkästen der Region. Die beigelegten Infos sind ein Beispiel für gute Öffentlichkeitsarbeit in schlechten Zeiten: Auf der ersten Seite wird die Bedeutung des Flughafens als "Job- und Wirtschaftsmotor" unterstrichen, die zweite informiert über Maßnahmen zur Entlastung von Fluglärm. Der sachliche Stil des Schreibens passt ins Gesamtkonzept der Kampagne, die "zur Versachlichung der Diskussion beitragen" soll.

Infos im Internet

Fraport-Sprecher Harrer berichtet zwar, dass sich einige Empfänger für die Infos bedankt hätten, die Zahl derer, die sich weitere Schreiben in der Zukunft verbaten, dürfte aber größer gewesen sein. In ihrer Post verweist die Fraport auf die Internetseite http://www.flughafenundregion.de, den zweiten Streich der Offensive. Wer sich mit Argumenten pro Flughafen versorgen will, ist auf der Seite richtig. Außer Texten sind auch Videos von Stefan Schulte und Herbert Mai eingestellt.

Die beiden Fraport-Vorstandsmitglieder werden auch zum dritten und spektakulärsten Streich erwartet: Für den 1. März um 16 Uhr lädt "Ja zu FRA!" – eine Initiative von Lufthansa, Condor und der Fraport – zu einer großen Kundgebung der Flughafenbefürworter ein. Sie soll parallel zur Stadtverordnetenversammlung laufen. "Wir hoffen, dass wir den Römerberg füllen werden", verrät Fraport-Sprecher Harrer, der ein Bühnenprogramm mit Reden ankündigt. "Ja zu FRA!" sei als "Plattform für Menschen" gedacht, die ein Zeichen für den Flughafen setzen wollen.

Der Verein "Stop-Fluglärm.de" bezeichnet die Kundgebung hingegen als "Verzweiflungsaktion der Flughafenlobby"; Mitarbeiter der drei federführenden Unternehmen würden "während der Arbeitszeit genötigt, daran teilzunehmen".

Die Umfrage bei den Betriebsräten ergibt ein anderes Bild: Zwar werde in den Unternehmen für die Kundgebung geworben, die Teilnahme sei jedoch freiwillig. Für die Demo von der Arbeit freigestellt werde niemand, es stünden jedoch Busse für Mitarbeiter zur Verfügung, die nach Feierabend zum Römer wollen. Die Betriebsräte betonen, dass es bei der Kundgebung auch um den Erhalt der Arbeitsplätze gehe. "Deshalb stehen wir voll dahinter."

Demo in der City

Das lässt sich von den Frankfurter Bürgerinitiativen nicht behaupten. Sie kündigen für den 2. März eine Gegendemonstration an, die um 17 Uhr auf dem Goetheplatz beginnen soll. Ursula Fechter von den Flughafenausbaugegnern bezeichnet die Kundgebung von "Ja zu FRA!" als "Betriebsversammlung, zu der sich die Angestellten verpflichtet fühlen". Fraport stehe "mit dem Rücken an der Wand", sagt die OB-Kandidatin. "Die müssen ziemlich verzweifelt sein, wenn sie eine solche Kampagne starten."

Auftrieb hat den Fluglärmgegnern ein Beitrag in der ARD-Sendung "Report Mainz" gebracht. Die Redaktion wollte der Behauptung, durch den Flughafenausbau entstünden 100 000 neue Arbeitsplätze, auf den Grund gehen. Sie befragte Unternehmen, die wegen der neuen Landebahn angeblich Arbeitsplätze geschaffen haben oder noch schaffen werden. Ergebnis: Die wenigsten Unternehmen bestätigten das.

Fraport spricht im Hinblick auf die Sendung von einer "tendenziösen und bewusst Informationen selektierenden Berichterstattung": "Der Flughafen ist und bleibt der Jobmotor dieser Region."chc

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