"Die Grenze ist erreicht"

Der hessische SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel fordert eine zweite Mediation

Beim ersten Besuch vor einigen Wochen gab es – mangels entsprechender Wetterlage – für den hessischen SPD-Fraktionschef nicht viel zu sehen oder zu hören von den Flugzeugen über der Mainstadt. Nun besuchte der Sozialdemokrat gestern Abend erneut die lärmgeplagte Kommune.

Von Niklaus Mehrfeld

Flörsheim. Ernste Mienen bei der SPD-Troika: Bürgermeister Michael Antenbrink, Nancy Faeser und Thorsten Schäfer-Gümbel hörten sich die Beschwerden von Anwohnern der Rheinallee an. Foto: Hans Nietner Es ist für die Bewohner des Baugebietes Nord schon eine bittere Pille, wenn Landespolitiker anreisen, um sich über die Zustände "vor Ort" einen Eindruck zu verschaffen. Schnell sind dann die seit Oktober üblichen Floskeln zu hören. Der "aktive und passive Schallschutz muss ausgebaut werden", andere Flugverfahren und die Ausweitung der Entschädigungszonen müssten in Angriff genommen werden. So ähnlich war es auch gestern Abend, als der hessische SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel sich an der Rheinallee – bei Ostwetterlage und Ostwind – ein Bild von der realen Lärmsituation machte. Und dennoch: Es scheint, als ob der Landespolitiker wahrgenommen hat, was er einst mit beschlossen hat.

"Welcher Stichtag?"

Zwar waren Lautstärke und Zahl der Überflüge gestern zwischen 17.30 und 18.15 Uhr nicht vergleichbar mit denjenigen Landeanflügen, die bereits im Oktober als wahre Lärmterrormaschinen über der Rheinallee tobten. Doch die einschwebenden Flugzeuge sorgten dafür, dass über Minuten hinweg sehr laut gesprochen werden musste. Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD), SPD-Landtagsabgeordnete Nancy Faeser und ein kleiner Begleittross des SPD-Fraktionsvorsitzenden bekamen nicht nur die Eiseskälte am Boden, sondern auch den Krach aus der Luft zu spüren.

Die Flörsheimerin Sotiria Doulkerides, die mit ihrem Mann sowie ihrem elfjährigen Sohn in der Rheinallee wohnt, klagte dem SPD-Mann ihr Leid. Sie wolle eigentlich gar nicht aus Flörsheim wegziehen. Aber sie werde durch den Fluglärm gezwungen, ihre Immobilie zu verkaufen und woanders hinzuziehen. Doch ihre Wohnung liege außerhalb der Zone, innerhalb der die Fraport im Rahmen des Casa-Programms den Eigentümern ein Kaufangebot vorlegt. Es müsste allen Betroffenen ein solches Angebot gemacht werden, um die Wahl zu haben, "dass wir hier weggehen können". Morgens um 5 Uhr beginne der Lärm, abends um 23 Uhr sei dann eine Pause angesagt. Auf Dauer sei dies aber nicht ertragbar, erklärte die 38-Jährige dem SPD-Politiker. Als die Wohnungseigentümerin vom Stichtag 10. Juni 2002 für Entschädigungszahlungen sprach, fragte der SPD-Spitzenpolitiker den neben ihm stehenden Bürgermeister: "Welchen Stichtag?"

Thorsten Schäfer-Gümbel, ganz Medienprofi, reagierte mit verschiedenen Aussagen und Vorschlägen auf die vorgetragene Klage der Rheinallee-Anwohnerin. "Die Grenze der Belastbarkeit ist erreicht", meinte der Sozialdemokrat. Einen weiteren Ausbau dürfe es vorerst nicht mehr geben. Außerdem plädiere er dafür, den aktiven Schallschutz mit dem Versuch, andere Landeanflugverfahren auszuprobieren ("Gibt es denn keine andere Flugroute für die landenden Maschinen?", Frage von Schäfer-Gümbel an Bürgermeister Antenbrink), zu verbessern. Zudem müssten das Casa-Programm sowie die Zuschüsse für Schallschutzmaßnahmen um eine zweistellige Millionensumme ausgeweitet und eine zweite Mediation eingerichtet werden. Und schließlich müssten das Land Hessen sowie die Stadt Frankfurt als Anteilseigner gemeinsam mit der Fraport die Kosten für die Ausgleichs- und Entschädigungsleistungen übernehmen. Thorsten Schäfer-Gümbel bekundete, nichts von der Vorgabe im Mediationsergebnis zu wissen, das Überflüge in Höhe von unter 280 Meter über bewohnten Gebieten für nicht zulässig erklärt – im Flörsheimer Norden bewegen sich die Überflughöhen zwischen 275 und 250 Metern. Davon wisse er nichts, das wolle er sich noch einmal in den Unterlagen ansehen, kündigte der Fraktionsvorsitzende an.

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