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Weltmarktführer made in Höchst
Mit dem Diabetis-Medikament „Lantus“, das im Industriepark entwickelt wurde, verdient Sanofi Milliarden
Das Wunder-Insulin "Lantus" ist ein Frankfurter Produkt. Im Industriepark Höchst wurde es erdacht, entwickelt, erforscht und produziert. Heute könnte seine weltweite Erfolgsgeschichte noch mit dem Innovationspreis gekrönt werden.
Von Robin Göckes
Höchst. ![]()
Heinz Riederer "Na klar, ist man ein bisschen stolz darauf, an einem Produkt mitzuarbeiten, das so großen Erfolg hat", sagt Abdelmarik El Mourabit (34). Er ist einer von 550 Mitarbeitern von Sanofi im Industriepark Höchst, der an der Produktion der beiden Top-Produkte des Pharma-Konzerns beteiligt ist, Lantus und Solo-Star.
Lantus – das ist der Name des Diabetesmittels, das für Sanofi in den vergangenen Jahren weltweit zum Verkaufsschlager wurde.
Solo-Star – so heißt der Pen, in den die Kartusche mit dem Wirkstoff eingesetzt wird. Mit dem Erfolg des Medikaments ist der Star untrennbar verbunden.
Erforscht und erdacht wurde beides am Forschungsstandort im Industriepark Höchst. Wirtschaftlich ist die Kombination schon längst eine Erfolgsgeschichte. Nun wurde Sanofi mit Lantus in den Kreis der Finalisten des Innovationspreises der Deutschen Wirtschaft aufgenommen, der heute Abend vergeben wird. Seit 1980 lobt der Wirtschaftsclub Rhein-Main seinen bundesweiten Preis im Jahresrhythmus aus – für Unternehmen, die mit besonderen Produkten und Konzepten herausstechen.
Aber wie kommt Sanofi mit einem Medikament, das bereits 1999 die Zulassung bekam, in die Finalrunde des Innovationspreises 2012? "Manchmal dauert es eben, bis sich herausstellt, was wirklich eine bahnbrechende Innovation ist", sagt Paul Kibat, der die Produktion des Insulin-Pens "Solo-Star" in Höchst leitet. Kibat ist seit 1989 bei Sanofi, und hat Lantus von der Idee bis heute begleitet.
"1994 saßen wir abends um 21.30 Uhr zusammen und haben darüber nachgedacht, wo beim Thema Insulin noch Möglichkeiten sind, etwas wirklich Neues auf den Markt zu bringen", erinnert sich Kibat noch genau. Am Ende dieser Überlegungen stand die Idee für ein Insulin, dass den Blutzuckerspiegel eines Diabetespatienten über Stunden konstant halten sollte. Nur noch einmal am Tag Insulin spritzen müssen, so das – tatsächlich erreichte – Ziel. "So etwas gab es noch nicht", sagt Kibat.
Ein Jahr später wechselte Kibat die Abteilung, kümmerte sich um Analytik. "Da sah ich Lantus dann wieder. Diesmal sollten wir es testen." Schließlich wurde er Leiter der Produktion des fertigen Medikaments. "Ohne die Entwicklung der Pens wäre der Erfolg aber nicht so groß. Wir haben diese Darreichungsform in Amerika ganz neu eingeführt", sagt Kibat. Der Vorteil: Der Patient muss an dem Stift nur noch die Dosierung einstellen und eine Nadel anbringen. "Dann wird auf den Bruchteil eines Tropfens genau das Insulin injiziert."
Für ihn ist die Nominierung von Lantus keine Überraschung. "Die Anlage, in der der Wirkstoff produziert wird, ist gleich nebenan. So etwas ist wirklich einmalig weltweit. Ein Medikament, das an einem einzigen Standort erforscht, entwickelt, produziert und verpackt wird", schwärmt Kibat.
Auch Heinz Riederer, der Geschäftsführer für Medizin und Gesundheitspolitik bei Sanofi Deutschland, ist von Lantus überzeugt: "Wir sind sehr stolz und freuen uns. Die Nominierung ist verdient. Lantus ist unser Flagschiff." Im vergangenen Jahr erlöste Sanofi mit Lantus weltweit 3, 9 Milliarden Euro. In Höchst werden täglich bis zu einer Million "Solo Star"-Pens produziert.
Für Riederer gehört neben Pen und Wirkstoff auch eine dritte Innovation mit zur Erfolgsgeschichte des Medikaments. "Wir haben mit den Krankenkassen in Deutschland einen Versorgungsvertrag ausgehandelt und da wirklich Pionierarbeit geleistet", sagt Riederer. Das Konzept sieht eine Kostenobergrenze vor. "Lantus ist etwas teurer als andere Medikamente. Aber wenn die Behandlung zu kostspielig wird, übernehmen wir die Mehrkosten. Das ist aber noch nie passiert", erklärt Riederer. So könne ein Arzt ohne wirtschaftlichen Erwägungen das beste Medikament für seinen Patienten verschreiben.
Ob Sanofi mit Lantus heute Abend, wenn im Palais Thurn und Taxis der Innovationspreis verliehen wird, auch als Sieger den Saal verlässt, ist für ihn zweitrangig. "Der Einzug in die Finalrunde ist eine schöne Auszeichnung. Alles obendrauf ist ein Extra."



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