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Pennäler gehen auf die Straße
Wetterauer Schüler protestieren auf der Friedberger Kaiserstraße gegen G 8 und Streichungen an den Universitäten
Deliah Eckhardt
Von Petra Ihm-Fahle
Friedlich und zur Zufriedenheit der Veranstalter verlief die Bildungsstreik-Demonstration gestern in Friedberg. Die Pennäler und Studenten setzten sich unter anderem für die Abschaffung von G 8 und gegen Streichungen an Universitäten ein. Nicht alle Kids durften mitmachen, wie sich während des Zugs an einer Friedberger Schule zeigte.
Friedberg. «Solidarisieren – mitmarschieren!», ruft Tobias Gniza, Moderator bei der Demonstration der AG Bildungsstreik des Wetteraukreises ins Mikrofon. Die Kids der Friedberger Adolf-Reichwein-Schule schauen interessiert aus den Fenstern, niemand verlässt allerdings den Klassenraum oder Pausenhof.
«Wenn ihr alle gleichzeitig geht, funktioniert das auch», lässt Gniza nicht locker. Ein besseres Bildungssystem gebe es nicht umsonst. «Dafür müsst ihr euch engagieren.» Ein Stau entsteht vor und hinterm Hoftor, wo ein Lehrer und der Hausmeister niemanden nach draußen lassen. «Wir wussten nichts von der Demo», erläutert der Pauker. «Im Grunde haben wir nichts dagegen. Aber bei uns gehen die Klassen nur bis zur zehnten Jahrgangsstufe. Wir können die Schüler jetzt nicht einfach mitgehen lassen. Wir würden unsere Aufsichtspflicht verletzen.»
Es geht an Schulen vorbei
Eine kurze Diskussion entspinnt sich zwischen den Reichwein-Vertretern, dem stellvertretenden Kreisschulsprecher Tim Wagner und Kreisverbindungslehrer Sascha Apel. «Wir haben Ihre Schulleitung und die Schülervertretung rechtzeitig informiert», schildert Wagner. Vergeblich.
Vorbei an Friedberger Bildungseinrichtungen führt der Weg, überall halten die Demonstranten Kundgebungen ab. Die Forderungen: Weg mit der Gymnasialzeitverkürzung G 8 sowie den Bachelor- und Master-Abschlüssen, keine Streichungen an den Universitäten, freies Lernen und Bildung. Eine Stunde vor der Demonstration hatte der Kreisschüler-Beirat eine Veranstaltung in der Burg organisiert, die sich ums Thema Inklusion drehte, dem gemeinsamen Lernen von behinderten und nichtbehinderten Schülern.
Gedanken übers Studium
Drei Gymnasiastinnen und ein Gymnasiast erzählen, weshalb sie dabei sind. «Ich finde das Schulsystem nicht in Ordnung», äußert eine 16-Jährige. Von der Gymnasialzeitverkürzung ist sie nicht betroffen. Allerdings bekommt sie mit, dass jüngere Freunde viel mehr lernen müssen. Nicht okay findet sie außerdem die «Unterrichtsgarantie Plus», die an ihrer Schule nicht mit qualifiziertem Lehrpersonal abgedeckt werde: «Wir haben in diesen Vertretungsstunden Aufgaben bekommen, die überhaupt nichts mit Schule zu tun haben oder Filme angesehen.»
In zwei Jahren gehen die vier Jugendlichen voraussichtlich an die Hochschule, darüber machen sie sich bereits einige Gedanken. «Die Studienmöglichkeiten sollten allen offen stehen, unabhängig vom Geld der Eltern», betont der Gymnasiast. Es sei keine gute Sache, verschuldet ins Berufsleben zu gehen oder während des Studiums den Lebensunterhalt verdienen zu müssen. Der Zug zieht weiter, das Quartett schließt sich an: «Wir sind hier, wir sind laut – weil man uns die Bildung klaut!»
300 Teilnehmer machen mit laut Versammlungsleitung, 150 schätzt hingegen ein Polizist die Menge ein. Die Kundgebung endet auf der Seewiese, die Initiatoren zeigen sich zufrieden. Stellvertretender Kreisschulsprecher Wagner: «Es war eine schöne Aktion. Den Schülern hat es Spaß gemacht, und es ist auch inhaltlich etwas rübergekommen.»


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