Er bleibt alleine zurück

Armenische Familie aus Altenstadt ausgewiesen – Bürgermeister und Einwohner protestieren gegen die Abschiebung

Die Abschiebung einer armenischen Flüchtlingsfamilie aus ihrer Heimatgemeinde Altenstadt hat eine Protestwelle in der Bevölkerung und Politik ausgelöst. Rund 800 Menschen haben sich während des Wochenendes gegen die Abschiebung ausgesprochen.

Von Oliver Potengowski

Altenstadt. Ashot Sogamanian neben einer Tafel mit dem Vater Unser. Der christliche Glaube ist nach der Abschiebung seiner Familie eine wichtige Stütze für ihn. Foto: Oliver Potengowski Am Mittwoch (14. Dezember) waren Migran Sogamanian und seine Mutter während eines Besuchs bei der Büdinger Ausländerbehörde festgenommen worden, um sie abzuschieben. Sie bekamen die Gelegenheit, in ihrer Wohnung noch etwas Kleidung einzupacken.

Dabei wurde auch der jüngere Sohn Mamikon, der mit hohem Fieber im Bett lag, festgenommen. Anschließend wurden sie nach Frankfurt gefahren und in ein Flugzeug nach Moskau gesetzt. Zurück blieb der schwer herzkranke Vater Ashot, der über eine befristete Aufenthaltsgenehmigung verfügt.

"Die Kinder kennen eigentlich nur unsere Kultur", erklärt Bürgermeister Norbert Syguda. Besser als die Familie Sogamanian könne man eigentlich nicht integriert sein.

Der jüngere Sohn Mamikon ist als Jugendbetreuer und Schiedsrichter eine wichtige Stütze der Basketballer des VFL Altenstadt.

Der ältere Bruder Migran sei Kickboxer und Fußballschiedsrichter, berichtet seine Tante Alice Sogamanian. Er hätte am Wochenende eine große Geburtstagsfeier in Glauberg geben wollen, erzählt ein deutscher Freund der Familie. "Da spricht schon seit zwei Wochen die ganze Dorfjugend davon."

Beide Söhne seien bis zum Verlust der Arbeitsgenehmigung als Sicherheitsleute am Flughafen und im Maintower in Frankfurt berufstätig gewesen. Auch die Mutter habe halbtags gearbeitet.

Die Familie, die aus Aserbaidschan stammt, war von dort im Zuge des Konflikts um die Region Nagorny-Karabach nach Armenien gezogen. Armenier wurden damals in dem Nachbarstaat benachteiligt.

Wegen der politischen Verhältnisse in Armenien habe die Familie 1997 das Land über Georgien nach Deutschland verlassen.

Ein erster Asylantrag wegen der Verfolgung als Armenier in Aserbaidschan sei abgelehnt worden, da es sich weniger um eine politische als um die Verfolgung einer Volksgruppe gehandelt habe, berichtet die Tante.

Hartnäckig versuchte die Familie, nachdem sie 1998 aufgefordert worden war, Deutschland zu verlassen, zu erreichen, dass sie in Altenstadt bleiben kann.

Ein Verfahren gegen die Ablehnung der Aufenthaltserlaubnis durch den Wetteraukreis ist noch beim Verwaltungsgericht anhängig. Eine Entscheidung steht noch aus.

Dass die Familie zunächst nicht abgeschoben wurde, lag vor allem daran, dass nicht feststand, welches Land sie als Staatsangehörige aufnehmen muss. Denn die Sogamanians beriefen sich darauf, aus Aserbaidschan zu kommen, wo sie ursprünglich gelebt hatten.

Beim Versuch, einen Pass des Landes zu bekommen, wurde ihnen jedoch 2005 mitgeteilt, dass sie keine Staatsangehörigen Aserbaidschans seien. Dazu hätten sie 1998, als das Gesetz über die Staatsangehörigkeit erlassen wurde, in dem Land leben müssen. Deshalb wurde die Familie, weil sie zuletzt in Armenien gelebt hatte, von der Ausländerbehörde diesem Staat zugeordnet.

Die Unklarheiten bei den persönlichen Angaben der Familie, sind für die Ausländerbehörde des Wetteraukreises Anlass, an der Ehrlichkeit der Familie zu zweifeln.

Matthias Flor, Referent von Landrat Joachim Arnold erklärt, dass sich das Verfahren wegen falscher Angaben der Familie sehr lange hingezogen habe. Dabei geht er von Vorsatz aus.

Auch Dieter Ohl, Sprecher des Regierungspräsidiums Darmstadt, das die Abschiebung von Mutter und Söhnen veranlasst hat, betont, "gerade die falschen Angaben der Staatsangehörigkeit und des Namens werden halt negativ ausgelegt."

Syguda kritisiert vor allem die Umstände der Abschiebung, die eine Familie auseinander und die Söhne aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen hat. Er findet, "ab einem gewissen Zeitpunkt sollte man von einer Abschiebung absehen."

Syguda möchte sich jetzt dafür einsetzen, dass die Entscheidung rückgängig gemacht wird und Mutter und Söhne wieder einreisen können.

Auch der ehemalige Hohe Repräsentant für Bosnien-Herzegovina, Christian Schwarz-Schilling, reagierte empört. Er berichtet, "Ich habe gehört, dass der Wetteraukreis bei den ganzen Anwälten im Rhein-Main-Gebiet in dem Ruf steht, besonders brutal bei den Abschiebungen vorzugehen."

Derzeit bearbeite er noch mehrere andere Fälle, in denen Menschen, die sich gut im Wetteraukreis integriert haben, abgeschoben werden sollen.

Im Petitionsausschuss des Landtags ist inzwischen eine Petition der Familie eingegangen. Die Fraktion der Linken hat eine dringliche Anfrage an den Kreis gestellt, in der sie Aufklärung über die Umstände der Abschiebung fordert.

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