Erinnern an vergessene Opfer

Auch Sinti und Roma wurden von den Nazis ermordet – Gedenkveranstaltung in Bad Vilbel

Anna Mettbach, Auschwitz-Überlebende, richtete ihre Worte in der Alten Mühle an rund 25 Zuhörer, die zur Lesung anlässlich des Jahrestages der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945 gekommen sind. "Ich freue mich, dass heute Sinti und Roma hier sind und dass sie gehört werden, denn sie werden zu selten gehört". Anna Mettbachs Familie gehört zu den Sinti und Roma, den vergessenen Opfern des Nationalsozialismus.

Von Susanne Krejcik

Bad Vilbel. Musiker des Philharmonischen Vereins der Sinti und Roma Frankfurt (von links): Radovan Kristich, Ilona Schandor und Gyula Vadasz. Foto: Krejcik Eingeladen hatte die Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer gemeinsam mit dem Fachbereich Kultur der Stadt Bad Vilbel und dem Geschichtsverein Bad Vilbel. Drei Musiker des Philharmonischen Vereins der Sinti und Roma Frankfurt begleiteten die Lesung.

Der Massenmord an den Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten sei auch nach 1945 zunächst nicht als Verbrechen anerkannt worden, sondern erst Jahre später, sagte Uwe Hartwig, Vorsitzender der Lagergemeinschaft Auschwitz.

Die Zuhörer erlebten einen emotional berührenden Abend. Carolin Weber, Schauspielerin aus Gießen, las aus Anna Mettbachs Buch "Wer wird die nächste sein?" Die Zeitzeugin Mettbach (86) richtete ihrerseits eindrucksvolle und kritische Worte an das Publikum. Sie lebt heute in Gießen.

Im Alter von 16 Jahren wurde sie verhaftet und in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Später kam sie ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück und musste Zwangsarbeit für Siemens leisten.

Mettbach gibt im Buch Einblick in die Demütigungen, die die Gefangenen in den Lagern erleiden mussten. So sei Frauen, die als Schwangere in die Lager deportiert wurden, untersagt worden, ihre Babys zu stillen. Manche Frauen hätten das Weinen der Kinder nicht aushalten können und hätten ihre eigenen Kinder erstickt, um sie vor dem Verhungern zu bewahren.

Auf dem sogenannten Todesmarsch der KZ-Häftlinge hatte Anna Mettbach ein Erlebnis, das sie bis heute nicht vergessen kann. Zwei Mädchen seien von SS-Männern erschossen worden, nachdem sie ihr eigenes Grab schaufeln mussten. Ein Mädchen sei jedoch durch die Schüsse nicht getötet worden. Mettbach und ihre Mithäftlinge wurden gezwungen, die Mädchen mit Sand zu begraben, obwohl eines von ihnen noch lebte. "Besonders nachts sehe ich das Gesicht dieses Mädchens. Es lässt mich nie mehr los", so Mettbach.

"Als es mir gesundheitlich noch besser ging, habe ich Jugendlichen vom Nationalsozialismus erzählt und ihnen gesagt, sie sollen es besser machen als ihre Vorfahren."

  • Zurück
  • Versenden
  • Kommentar
  • Druckansicht
    • Delicious
    • Mr. Wong
    • Linkarena
    • Google
    • Yigg
    • Oneview
    • Facebook
    • Facebook

Wetter in Bad Vilbel

Jetzt

heiter

16 °C

Morgen

stark bewölkt

16 °C | 27 °C

Übermorgen

heiter

15 °C | 26 °C

Rhein-Main-Map

Bad Vilbeler Neue Presse

Klicken Sie aufs Bild, um über eine Karte zu Meldungen Ihrer Region zu gelangen.

Anzeige

Nachrichten-Archiv

April
1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
30
Mai
123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031

Ihre Tageszeitung als PDF

Bad Vilbeler Neue Presse

Die Titelseite der Bad Vilbeler Neue Presse vom 23.05.2012 als PDF zum Downloaden.

Zum Thema

Ausbau der Main-Weser-Bahn

Bis 2018 will das Land Hessen für die S-Bahn-Linie S6 eigene Gleise bauen. Wie es voran geht, lesen Sie hier.

Meine Eintracht

In unserer Arena erzählen Prominente aus der Region von ihren persönlichen Erlebnissen mit der SGE. Die Serie "Meine Eintracht" gibt's natürlich auch online.

Gratis: Eintracht-Newsletter

Umfassend über den Lieblingsverein informieren lassen. Gratis. Und bequem per Mail.

Kinofilme – wann und wo

Einfach hier abfragen.

FNP-Testabo bestellen

Lesen, was Sache ist: Das FNP-Probeabo! 14 Tage kostenlos.

Nichts wie weg

Die Leserreisen Ihrer Zeitung – alle online!

Umfrage: Tempo 30 in der Nacht

Um die Lärmbelästigung für die Anwohner zu reduzieren, testet die Stadt Frankfurt ab Herbst ein Tempolimit von 30 Km/h auf den Hauptverkehrsstraßen. Was halten Sie davon?

Ihre Meinung

Rhein-Main-Wiki

Anzeige

Extras

Die FNP mobil lesen

Tausende lesen die FNP schon auf dem iPhone. Die neue Version der App ist noch umfangreicher und schneller. Es gibt sie im App-Store.

Wir bei Twitter

Folge uns unter twitter.com/bvnpzeitung. Ständig aktuelle Tweets zu Nachrichten aus der Wetterau und dem Main-Kinzig-Kreis.