09.02.2012 Eintracht Frankfurt

Bruchhagen: Stadionverbote problematisch

Am Mittwoch beriet der Sportausschuss des Bundestags über Fangewalt in Fußballstadien.

Berlin. Heribert Bruchhagen.	Foto: KleinHeribert Bruchhagen.	Foto: KleinHeribert Bruchhagen. Foto: Klein Das Problem von Gewalt in und um Fußballstadien ist allen bewusst. Trotzdem mahnen Vertreter von Vereinen und Anhängern in der zuletzt hitzig geführten Debatte zu einer stärkeren Differenzierung und Abwägung. Die Ausschreitungen müssten in Relation gesetzt werden zu den Spielen, die friedlich abliefen, sagte Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) im Sportausschuss des Bundestags. "Wichtig ist, die Vorfälle in ein Gesamtbild einzuordnen, denn im Vergleich zu 17,5 Millionen Besuchern in der 1. und 2. Bundesliga verlieren 846 Verletzte in der vergangenen Saison etwas an Schrecken", meinte Gabriel am Mittwoch in Berlin.

Dennoch räumte Gabriel ein: "Definitiv haben wir ein Problem mit gewalttätigem Verhalten bei Fußballspielen." Nach wiederholten Ausschreitungen in dieser Saison sahen sich die Verantwortlichen zum Handeln gezwungen. Im Herbst wurde bei einem Runden Tisch eine gemeinsame Task Force gegen Gewalt gegründet, nun lud der Sportausschuss nach einem gemeinsamen Antrag aller Bundestagsfraktionen zu einer öffentlichen Sitzung.

Zuletzt ins Spiel gebrachte Maßnahmen wie Gesichtsscanner wurden dabei von allen Sachverständigen abgelehnt. Einen Einsatz "kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen", sagte Holger Hieronymus, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL). Der Inspekteur der Bereitschaftspolizeien der Länder, Jürgen Schubert, fand den Vorschlag nicht realisierbar.

"In jüngster Vergangenheit ist deutlich geworden, dass eine Versachlichung der Thematik sehr wichtig ist", fand Hendrik Große Lefert, der Sicherheitsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bunds (DFB).

Heribert Bruchhagen, Präsident des Zweitligisten Eintracht Frankfurt, forderte mehr "Behutsamkeit und sinnvolle pädagogische Maßnahmen". Die einzige Möglichkeit, den Fußball dauerhaft sicherer zu gestalten, sei die permanente Kommunikation mit den Fans. Ben Praße von der Fan-Vereinigung "Unsere Kurve" wünschte sich dabei, dass die Verantwortlichen "mehr mit uns reden und nicht nur über uns".

Die Einigkeit bröckelte beim Thema Feuerwerkskörper in den Stadien, die von Liga, Verband und Polizei vehement abgelehnt werden. "Pyrotechnik ist nicht gleich Gewalt", unterstrich dagegen Praße.

Auch Sanktionen wie Stadionverbote seien nicht unproblematisch. Eintracht-Chef Bruchhagen berichtete davon, dass für manche Fans Stadionverbote "kein Makel", sondern eher eine Auszeichnung seien. Unterprimaner in Frankfurt beispielsweise würden höchstes Ansehen genießen, "wenn sie von Eintracht Frankfurt ein Stadionverbot bekommen." Gabriel ergänzte: "Sie werden als Orden gesehen."

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) setzt dagegen auf Hausverbote gegen Randalierer. Der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut forderte: "Gewalttäter müssen dauerhaft vom Fußball isoliert werden." dpa/dapd

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Kommentare

Rudy K. schrieb am 09.02.2012 11:52 Uhr

Was sind das für Aussagen?

Das sind schon merkwürdige Aussagen. "Man muss Spiele mit Ausschreitungen ins Verhältnis zu Spielen ohne Ausschreitungen setzen". Das sind Aussagen als wenn man sagen würde, an wieviel Tagen ist ein Ladendieb ohne zu stehlen in einen Laden gegangen. Wenn ich dann noch von höre, dass man vor einem Stadionverbot zurückschreckt, da Chaoten dies als Auszeichnung ansehen würden, wird mir schlecht. Genau diese Chaoten sehen es doch als noch groessere Auszeichnung an, wenn sie im Stadion aufgrund von Ausschreitungen gefilmt werden und dies in den Medien gezeigt wird. Dann sollen die sich lieber über die Auszeichnung "Stadionverbot" außerhalb des Stadions freuen waehrend der Meier mal wieder zwei Tore schiesst...oder sehe ich das falsch?

Angelika Frischholz schrieb am 09.02.2012 13:22 Uhr

@ Rudy K.

Klasse formuliert.Aber wir werden nichts ändern können.Warum sollen die normalen Fans hinschauen (vom Verein erwünscht), wer da....,und dann noch eine von denen auf die Fr... bekommen wenn eh nichts passiert.In anderen Stadien geht das auch mit Stadionverbot.Aber vielleicht hat Eintracht Angst einen zahlenden "Fan" zu verlieren. Ich jedenfalls fühle mich vera.....

Werner K. schrieb am 09.02.2012 14:52 Uhr

Keine Behutsamkeit, Herr Bruchhagen

Hat Herr Bruchhagen vor, mit seiner "Behutsamkeit" italienische Verhältnisse zu schaffen? Hier ist keine Behutsamkeit angebracht, die Chaoten müssen aus den Stadien verschwinden, sonst geht der BL-Fußball den Bach herunter. Vielleicht sollte man mal überlegen, ob die DFL Kundenkarten einführt. Und wer sich als Chaot benimmt, der verliert den Anspruch, BL-Spiele zu besuchen.

schupp schwein schrieb am 09.02.2012 15:07 Uhr

SV - ler

Rudy K. schrieb am 09.02.2012 11:52 Uhr
Dann sollen die sich lieber über die Auszeichnung "Stadionverbot" außerhalb des Stadions freuen waehrend der Meier mal wieder zwei Tore schiesst...oder sehe ich das falsch?



naja wenns so einfach wäre - denn erstens lassen sich innerhalb von 35 - 40000 zuschauern sicherlich auch SVler übersehen - haben eventuell sogar kumpels innerhalb der ordnerschaft , ausserdem sind auch polizisten teilweise ultras , aber selbst wenn man SVler immer ausserhalb des stadions hätte - diese leute werden einen weg finden um zu stören - sozusagen jetzt erst recht und mit nem gesetzlosen tenor ... ich denke man wird nur gegen einzeltäter vorgehen können die defenititv gefasst werden bei ner straftat auf dem üblichen weg des gesetzes mit geldstrafen bis hin zu haftstrafen - da muss man halt etwas die zügel anziehen , nicht nur beim verein ...

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