CAS spricht Jan Ullrich schuldig

Ex-Radprofi Jan Ullrich ist vom Internationalen Sportgerichtshof CAS wegen Dopings schuldig gesprochen worden. Zudem wurde ihm sein dritter Platz bei der Tour de France 2005 aberkannt.

Lausanne. Jan Ullrich ist vom CAS schuldig gesprochen worden. Foto: Bernd Thissen Wie die Richter in Lausanne mitteilten, sei eine Verstrickung Ullrichs in die Doping-Affäre um den spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes bewiesen. Einen Antrag des Rad-Weltverbands UCI, Ullrich lebenslang von allen Aktivitäten im Radsport auszuschließen, wies der CAS ab, sperrte den früheren Telekom-Star aber für zwei Jahre. Der einzige deutsche Tour-de-France-Sieger (1997) sei kein Wiederholungstäter, meinte das Gericht. Der heute 38-Jährige hat Doping bislang stets bestritten und seine aktive Karriere bereits im Februar 2007 beendet.

Nach Ansicht des CAS ist eine Zusammenarbeit Ullrichs mit Fuentes spätestens zum 1. Mai 2005 bewiesen. Daher würden alle Ergebnisse von dem Tag an aus den Ergebnislisten gestrichen. Neben Platz drei bei der Frankreich-Rundfahrt im selben Jahr betrifft dies auch Ullrichs Sieg bei der Tour de Suisse 2006.

Vom Volksheld zum Dopingsünder

Ganz oben und ganz unten: Jan Ullrich kennt die beiden Extreme und alle Stationen dazwischen. Erst war er unbekümmerter Volksheld, dann gehätscheltes Sorgenkind, später im Visier der Dopingfahnder. Der einstige Sport-Held Jan Ullrich, der 1997 als erster und bislang einziger Deutscher die Tour de France gewonnen hatte, trat im Februar 2007 als gebranntmarkter Radprofi zurück. Seitdem schwieg er - waren die Doping-Indizien gegen ihn auch noch so schwerwiegend. Viel mehr als die Stereotype "Ich habe nie jemanden betrogen" kam nicht aus ihm heraus. Sein ramponiertes Image in der ihm einst so geneigten Öffentlichkeit war schwerbeschädigt.

Seit überstandener Burnout-Erkrankung im Vorjahr ist er - durch neues Management beraten - aber auf Resozialisierungskurs. Eine nach der am Donnerstag ergangenen CAS-Verurteilung angekündigte "Erklärung" könnte Buße signalisieren und ihm den Weg zurück weiter ebnen.

Am 30. Juni 2006 zerbrach die so heil scheinende Ullrich-Welt. Einen Tag vor seiner neunten Tour-Teilnahme wurde der Rad-Profi von seinem T-Mobile-Team suspendiert. Grund: Mögliche Verwicklungen in den spanischen Doping-Skandal um den Gynäkologen und mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes.

Irrfahrt im Porsche

Dagegen wirkte seine Irrfahrt im Porsche am 1. Mai 2002, als er vor dem Freiburger Bahnhof einen Fahrradständer rammte und danach Fahrerflucht beging, wie ein Dummerjungenstreich. Auch einen positiven Doping-Test auf Amphetamine, der mit einer auf sechs Monate reduzierten Sperre endete, umschifften er und seine Berater im Anschluss noch halbwegs elegant.

Dabei hatte seine sportliche Karriere so vielversprechend begonnen - obwohl sein Start ins Leben nicht leicht war. Ullrich wuchs ohne Vater auf. 1993 in Oslo feierte der gebürtige Rostocker als jüngster Amateur-Weltmeister seinen ersten großen Erfolg - den Profi-Titel holte sich sein Dauerrivale Lance Armstrong (USA). 1995 bekam Ullrich selbst einen Profi-Vertrag beim Bonner Rennstall Telekom. In Sydney wurde er 2000 Olympiasieger auf der Straße, 1999 und 2001 Zeitfahr-Weltmeister, 1999 gewann er die Spanien-Rundfahrt, 2004 die Tour de Suisse. Fünfmal bot er Tour-Dauersieger Armstrong in Frankreich in teilweise packenden Duellen die Stirn.

Ullrich genoss zeitweise Popstar-Qualitäten. Seine Liebesgeschichten wurden in der Boulevard-Presse ausgebreitet. 2005 kam es nach der Geburt seiner Tochter Sarah Maria zur Trennung von seiner langjährigen Freundin, der Winzertochter Gaby. Wenige Wochen später präsentierte er Sara Steinhauser, die Schwester seines Team-Kollegen Tobias Steinhauser, als neue Frau an seiner Seite. Sie heirateten, und der Wahlschweizer Ullrich wurde wieder Vater. Beim "Ball des Sports" vergangene Woche in Wiesbaden wagte er sich mit seiner Frau zum ersten Mal wieder aufs ganz große Parkett.

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