Spanien schimpft nach Sperre für Contador

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat Radprofi Alberto Contador wegen einer positiven Dopingprobe bei der Tour de France 2010 mit einer zweijährigen Sperre belegt, die noch bis zum 5. August 2012 gilt.

Lausanne. Der Ausnahme-Fahrer Alberto Contador aus Spanien darf weder bei der Tour de France 2012 noch bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London an den Start gehen. Contador verliert durch das CAS-Urteil auch seinen Tour-Titel von 2010, den Sieg beim Giro d’Italia 2011 sowie sämtliche weiteren Erfolge, die in den Zeitraum fallen. Er ist der zweite Radprofi nach Floyd Landis (USA) 2006, dem der Tour-Sieg nachträglich aberkannt wird. Davon profitiert der Luxemburger Andy Schleck, dem der Tour-Sieg 2010 zugesprochen wird. "Es gibt keinen Grund, glücklich zu sein, weil ich die Tour auf sportlichem Weg gewinnen will. Ich habe immer an Albertos Unschuld geglaubt", sagte Schleck. Der Giro-Erfolg geht auf den Italiener Michele Scarponi über.

Der leidige Dopingfall Contador hat damit nach einer eineinhalbjährigen Hängepartie ein Ende gefunden. "Es ist bedauerlich, dass das Verfahren fast zwei Jahre gedauert hat. Alle Ergebnisse sind jetzt null und nichtig. Das ist nicht gut für die Glaubwürdigkeit", kritisierte der deutsche Profi Tony Martin. Der Radsportweltverband UCI erklärte, er sei froh über das Ende dieser lang anhaltenden Affäre, spüre aber keine Befriedigung. UCI-Präsident Pat McQuaid sprach von einem "traurigen Tag für unseren Sport".

Der 29 Jahre alte Alberto Contador war im Juli 2010 bei der Tour de France positiv auf Clenbuterol getestet worden. Der spanische Radverband RFEC hatte ihn im Februar 2011 aber von jeder Schuld freigesprochen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und der Radsportweltverband UCI brachten darauf den Fall vor den CAS.

Der CAS widersprach nach Analyse des etwa 4000-seitigen Aktenberges der Argumentation von Contador, der ein verunreinigtes Steak als Grund für den positiven Befund angeführt hatte. WADA und UCI hatten sich auf Daten aus dem biologischen Pass konzentriert und darüber hinaus auf eine unerlaubte Bluttransfusion, durch die Spuren von Clenbuterol in der Urinprobe Contadors angeblich zustande kamen.

2,5 Millionen Euro Strafe?

In Spanien sorgte das Urteil für Aufruhr und wurde als höchst ungerecht empfunden. Ex-Radstars und Tour-Sieger wie Miguel Indurain und Carlos Sastre sprangen ihrem Landsmann zu Seite. "Das ist eine Schweinerei. Das habe ich nicht erwartet", sagte Indurain. "Die Entscheidung ist lächerlich und ohne jede Logik", so Sastre.

Der Beginn der Sperre wurde vom CAS zurückdatiert auf den 25. Januar 2011. An diesem Tag hatte der spanische Verband eine einjährige Sperre ausgesprochen, die er wenig später zurücknahm. Im Urteil berücksichtigte das höchste Sportgericht zudem eine über fünfmonatige provisorische Suspendierung Contadors zwischen 2010 und 2011. Zu einem späteren Zeitpunkt wird der CAS noch über einen Antrag der UCI entscheiden, Contador mit einer Geldstrafe von knapp 2,5 Millionen Euro zu belangen.

Verständnis für die Sperre zeigte Rolf Aldag. "Fakt ist, das Ergebnis kommt von unabhängigen Experten. Ich würde es nicht anzweifeln und davon ausgehen, dass er schuldig ist", so der ehemalige Highroad-Sportdirektor. Eddy Merckx, fünfmaliger belgischer Tour-Sieger, sagte: "Wenn sie den Radsport zu 100 Prozent sauber haben wollen, würden sie alle für positiv erklären. Es ist nicht gerecht, dass nur der Radsport so leidet. Ich glaube nicht, dass so etwas im Fußball passieren könnte. Jemand möchte den Tod des Radsports."sid

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