11.03.2009

Vince Ebert: Witzig und wahr

Nachdem ich 1976 sensationell den Titel «Nordbayerischer Meister im Langsam-Radfahren auf der 50 Meter-Strecke» gewonnen habe, stand letztes Wochenende für mich endlich mal wieder ein sportliches Großereignis an: Die Wok-WM von und mit Stefan Raab!

In einem Anflug von Übermut ließ ich vor einigen Monaten bei einem TV-Total-Auftritt verlauten: «So schwer kann das ja wohl nicht sein...» Ich sollte mich täuschen.

Erste kleine Zweifel an meiner Entscheidung kamen auf, als ich erfuhr, dass sich im letzten Jahr zwei Teilnehmer eine schwere Gehirnerschütterung und ein Handgelenksbruch zuzogen. Aber das seien natürlich «absolute Ausnahmen» gewesen. Auch der Paragraph 23 meines Teilnehmervertrages, in dem das unscheinbare Wörtchen «Vollinvalidität» auftauchte, machte mich etwas nervös.

Als ich jedoch am Samstagmorgen in Winterberg/Hochsauerland ankam und zum ersten Mal den Eiskanal sah, rutsche mir mein Herz entgültig in die Hose.

Der zweite große Schock waren meine Mitfahrer. Mit den Comedians John Doyle, Welf Haeger und Dave Davis bildeten wir das einzige Team, das nur aus Debütanten bestand. In Kriegszeiten nennt man so etwas, glaube ich, Kanonenfutter. Als Sponsor unserer Rumpeltruppe erklärte sich übrigens die «Merkur Spielothek» bereit, was uns bei den übrigen Fahrern den Namen «Hartz 4-Wok» einbrachte.

Ab 12 Uhr war freies Training angesagt. Man riet jedem einzelnen von uns, erst mal bei einem Profi-Wok mitzufahren, um ein «Gefühl» für die Situation zu bekommen. Ich sah mich um und fragte den Fahrer, der am professionellsten und selbstsichersten aussah, ob er Lust hätte, mich nach unten mitzunehmen. Er nickte fröhlich.

Im Nachhinein erwies sich der Angesprochene als der Surfweltmeister Björn Dunkerbeck, der zu dem Zeitpunkt ebenfalls noch nie in einem Wok gesessen hatte, dafür aber komplett wahnsinnig war. Der Typ Mensch, der vermutlich auch bei der Disziplin «Bungee-Jumping ohne Seil» kein größeres Problem gesehen hätte. Kurz gesagt: Meine erste Fahrt mit Björn war ein wahrer Höllentrip.

Als ich 30 Minuten später endlich wieder grammatikalisch sinnvolle Sätze formulieren konnte, holte ich mir Tipps von «echten» Profis. Der Bob-Olympiasieger Christoph Langen erklärte mir, das wichtigste wäre, vor jeder Kurve entschlossen mit dem Körper gegenzusteuern. Dann könne praktisch nichts passieren.

Auf meine Frage, wie ich denn mit fest geschlossenen Augen die Kurven überhaupt erkennen könne, klopfte er mir nur mitfühlend auf die Schulter und sagte: «Wird schon...»

Den zweiten Trainingslauf absolvierte ich dann mit meinen eigentlichen Mitfahrern. Obwohl keiner von uns so richtig wusste, was er machte, lief der Hartz 4-Wok erstaunlich rund. Der Rennrodler Georg Hackl, der unseren Lauf konzentriert beobachtete, nahm uns danach zur Seite und erklärte uns, wir sollten besonders auf Kurve 9 aufpassen.

Die sei nämlich «ziemlich tückisch». Verwirrt blickten wir uns an. Als ob wir während der Fahrt die Zeit hätten, die Kurven zu zählen.

Als wir danach gemeinsam zum Essen gingen, kam uns eine blondierte, aufgedrehte Frau entgegen, die sich als die Marketingleiterin der Merkur-Gruppe entpuppte.

«Wir haben uns ganz bewusst Euch ausgesucht, weil wir absichtlich nicht auf Gewinner setzen wollten!» strahlte sie uns an. Na toll. So was baut auf. Andererseits wären Siegertypen für einen Spielothek-Betreiber auch eine sichere Bankrotterklärung.

Und sie behielt recht. Als wir gegen 23:30 live auf ProSieben unseren letzten Lauf absolvierten, war klar, dass wir mit den Spitzenplätzen nichts zu tun haben werden. Sieger wurde übrigens das Team von Stefan Raab, bei dem auch mein Kamikaze-Freund Björn Dunkerbeck mitfuhr.

Dafür waren wir auf der After-Show-Party die ersten. Noch lange saßen wir zusammen und schüttelten den Kopf über diese absolut halsbrecherische Aktion. Nächstes Jahr sind wir wieder mit dabei.

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