06.09.2010

Schauerliches Eppstein

Der Frankfurter Societätsverlag hat ein weiteres, bislang in Deutschland unbekanntes Werk Alexandre Dumas’ zugänglich gemacht: «Burg Eppstein».

Clemens Bachmann, 1951 in Bad Vilbel geboren, hat nach dem 2004 veröffentlichten, bis dato in Deutschland unbekannten Dumas-Roman «Der Schleier im Main» ein weiteres Werk des Franzosen übersetzt, der nicht nur Autor der Weltbestseller «Die drei Musketiere» oder «Der Graf von Monte Christo» war, sondern – was wenige wissen – mehrere Jahre in Frankfurt verbrachte. Überhaupt lebte Dumas des Öfteren im Ausland, etwa in Italien oder Russland, wo er seinen Schuldnern zu entgehen suchte.

Dumas produzierte wie am Fließband, etwa 600 Romane, die oft in Zeitungen vorab gedruckt wurden. Ein Markenzeichen von Dumas’ Büchern sind pseudohistorische Protagonisten – so auch in «Burg Eppstein», einem Schauerroman im Stile E.T.A. Hoffmanns oder Edgar Allan Poes. Es geht um Geister, die traurige Geschichte einer unglücklichen Liebe, einen hartherzigen Grafen, eine getäuschte Komtess und eine alte Prophezeiung – quasi Liebe und Eifersucht über das Grab hinaus.

Angesiedelt ist der Roman in einer Gegend, für die Dumas Ortsnamen aus dem Taunus verwendet hat: Schauplatz ist eine Burg namens Eppstein; die junge Komtess ist eine derer von Schwalbach; der Erzähler, der junge Graf Elim, berichtet von seiner Jagd mit Frankfurter Freunden, die ihn in den Taunus und in einer stürmischen Gewitternacht vor die Tore der Burg Eppstein führte.

Wer jedoch erwartet, die Schauplätze wiedererkennen zu können, wird enttäuscht: Burg Eppstein ist von einem großen Park umgeben; eine Allee führt zum baufälligen Anwesen; eine Ansiedlung um die Burg gibt es nicht. «Burg Eppstein» ist eine fantastische Geschichte der schwarzen Romantik, in der ein kräftiges Gewitter in dunklem Tann zur Entdeckung einer düsteren Burg quasi dazugehört. Und seit Mary Shelleys «Frankenstein» waren deutsche Burgen mit «-stein» eben besonders beliebt – auch bei französischen Romanciers.

Alexandre Dumas: «Burg Eppstein», Societätsverlag, Frankfurt, 328 S.

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