Die Titelseite der Nassauische Neue Presse vom 25.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Alter Bau mit neuer Fassade
Frankfurts Architekturmuseum zeigt Entwürfe der Gewinner und Wettbewerber des DAM-Preises 2011
Insgesamt 23 Konstruktionen, vom Museum bis zum Einfamilienhaus, sind mit Fotos, Zeichnungen, Modellen und Texten zu einer Schau zusammengestellt.
Von Christian Huther
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Die Architekten des Büros Diener & Diener verpassten dem Ostflügel des Museums für Naturkunde in Berlin eine neu gegossene Fassade aus Beton. So fügt sich der ehemalige Ruinenteil in das Gesamtgebäude ein und setzt sich doch als Rekonstruktion vom Original ab. Foto: Christian RichtersWas für Dinosaurier gut ist, ist auch für einen Museumsbau gut. Klingt etwas schräg, ist aber so. Denn Abgüsse aus Silikon dienen heute in der Wissenschaft oft dazu, fehlende Teile bei urzeitlichen Funden zu ersetzen und so einen guten Gesamteindruck zu ermöglichen. Auf eine ähnliche Idee kam das Architekturbüro Diener & Diener (Berlin/Basel), als es den Auftrag erhielt, die letzte Berliner Kriegsruine wiederherzustellen, das Museum für Naturkunde. Der Ostflügel wurde 1945 teils beschädigt und blieb über 60 Jahre so stehen.
Hülle aus Beton
Diener & Diener ließen, übrigens vom selben Silikongießer, zu dem auch die Museumsleute ihre Präparate geben, an einer intakten Fassade eine Form abnehmen und stellten in einem komplizierten Abgussverfahren mit bis zu 42 Tonnen schweren Betonfertigteilen eine neue Außenhülle her. Sie wurde so exakt mit der Ruine verzahnt, dass nur wenige Ziegel dazugemauert werden mussten. Nun hebt sich der rekonstruierte Flügel mit seinem einheitlichen Betongrau markant ab von den zwischen Ocker- und Erdtönen schillernden Klinkersteinen des Bestandbaus. Der Verlust des Originals ist spürbar – eine ebenso raffinierte wie ehrliche Rekonstruktion, jetzt prämiert mit dem "DAM-Preis für Architektur in Deutschland 2011", der alljährlich dem besten Bau verliehen wird und mit einer Schau im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt verbunden ist. Es handelt sich um einen zwar undotierten, aber durchaus geachteten Preis, den bereits David Chipperfield und Peter Zumthor erhielten.
Hütte aus Holz
Daneben sind 22 weitere Bauten in und aus Deutschland zu sehen, also nicht nur in Deutschland verwirklichte Projekte, sondern auch im Ausland von deutschen Architekten gebaute Häuser. Das Spektrum reicht vom Einfamilienhaus bis zum Wasserkraftwerk, vom Ferienhaus bis zum Forschungsgebäude, von der Grundschule bis zum Wohnhochhaus. Auffallend ist bei diesem Jahrgang, dass sich drei Viertel der Projekte auf bereits bestehende Häuser beziehen. Sie wurden weitergebaut, um ein Ensemble ergänzt oder lassen gar Vergangenes wieder aufleben.
Wohl die ausgefallenste Bauaufgabe war das Wasserkraftwerk in der Allgäu-Stadt Kempten. Das auch von dort kommende Büro Becker meisterte die Aufgabe bravourös. Inspiriert von bizarren Steinformen im Fluss, formten die Architekten ein kurvig-hügeliges Gebilde, das sich dem Wasserlauf anzupassen scheint. So entstand ein attraktiver Nutzbau. Ein bizarres Ambiente bietet auch das Steinskulpturenmuseum des Japaners Tadao Ando in Bad Münster am Stein. In einen wuchtigen Betonsockel setzte der Baumeister die Holzkonstruktion einer Feldscheune von 1785 – fertig ist das Skulpturenhaus für das Bildhauerpaar Kubach-Wilmsen. Eine kühne Kombination, die gut ins Nahetal passt mit seinem steten Wechsel zwischen idyllischer und schroffer Natur.
Aber zuweilen können sich Architekten auch vergeblich abmühen. In der Frankfurter Bürostadt Niederrad hat der hier angesiedelte Stefan Forster ein altes Büro- in ein schickes Wohnhochhaus umgewandelt, mit dem Ergebnis, dass es zu 90 Prozent vermietet ist, vorwiegend an Mitarbeiter von benachbarten Firmen. Freilich leert sich das Haus jeden Freitag, denn es logieren viele Wochenendheimfahrer darin. Die Bürostadt bleibt Bürostadt. Ziel verfehlt, trotz guter Arbeit. Zufriedener kann das Berliner Büro Staab sein, mit dem Umbau des Dresdner Albertinums. Durch die Flutkatastrophe 2002 waren die unterirdischen Depots stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Staab löste gleich zwei Probleme auf einmal. Er entwarf eine neue Überdachung des Hofes und brachte dort die Depots unter. Mit dem überdachten Hof entstand zugleich eine lichte Halle. So findig sollten Architekten immer sein.
Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt, Schaumainkai 43, Telefon (069) 212-388 44. Bis 29. April, dienstags, donnerstags, freitags, samstags 11–18 Uhr, mittwochs 11–20 Uhr, sonntags 11–19 Uhr.
Eintritt 7 Euro. Katalog 29,95 Euro.
Internet http://www.dam-online.de
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