Die Titelseite der Nassauische Neue Presse vom 27.05.2012 als PDF zum Downloaden.
"Schäuble beleidigt mein Land"
Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble scharf angegriffen. Bei einem Treffen im Verteidigungsministerium in Athen empörte sich der 82-Jährige über jüngste Äußerungen Schäubles in der Griechenland-Krise.
Athen. ![]()
Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias spricht fließend deutsch. Er lebte während der griechischen Obristenjunta (1967-1974) im Exil in Deutschland. Foto: Simela PantzartziDer griechische Staatspräsident Karolos Papoulias hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble scharf angegriffen. Bei einem Treffen im Verteidigungsministerium in Athen empörte sich der 82-Jährige über jüngste Äußerungen Schäubles in der Griechenland-Krise.
"Ich akzeptiere es als Grieche nicht, dass mein Land von Herrn Schäuble beleidigt wird", polterte Papoulias. "Wer ist denn Herr Schäuble, der Griechenland beleidigen kann. Wer sind denn die Niederländer, wer sind die Finnen?", fragte Papoulias erregt während eines Besuches im Verteidigungsministerium. Das Staatsoberhaupt empörte sich über die jüngsten Vorschläge Berlins über die mögliche Einsetzung eines Sparkommissars in Griechenland.
Seine Äußerungen fielen inoffiziell am Mittwoch während eines Mittagessens mit der Führung der Streitkräfte des Landes und wurden in ihrem Wortlaut am Donnerstag in der griechischen Presse veröffentlicht. "Wir haben immer nicht nur unsere Freiheit, unseres Landes sondern auch die Freiheit Europas verteidigt", fügte Papoulias hinzu. Er hatte als junger Mann gegen die Nazi-Besetzung Griechenlands während des Zweiten Weltkrieges gekämpft. Papoulias spricht fließend deutsch. Er lebte während der griechischen Obristenjunta (1967-1974) im Exil in Deutschland, wo er Jura in München und Köln studierte.
Griechenland kann auf die Rettung vor dem Staatsbankrott in letzter Minute hoffen. Am kommenden Montag wollen die Eurostaaten nach monatelangem Gezerre endgültig den Weg für das neue Griechenland-Paket von mindestens 130 Milliarden Euro frei machen. Das kündigte der Vorsitzende der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, am Mittwochabend an.
Nach Beratungen mit den Euro-Finanzministern erklärte Juncker, er sei zuversichtlich, dass dann "alle notwendigen Entscheidungen" getroffen werden könnten. Es habe auf dem Weg zu dem neuen Paket erhebliche Fortschritte gegeben. Die Euro-Finanzminister hatten ein für Mittwochabend geplantes Sondertreffen wegen zunächst fehlender Fortschritte abgesagt und sich stattdessen in einer rund dreistündigen Telefonkonferenz verständigt.


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