Die Titelseite der Nassauische Neue Presse vom 27.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Unruhen und Schüsse nach Selbstverbrennung eines Tibeters
Radikaler Protest gegen Chinas Herrschaft: Wieder hat sich ein Tibeter selbst angezündet. Bei Zusammenstößen aufgebrachter Tibeter mit chinesischen Sicherheitskräften fielen tödliche Schüsse. Die Exiltibeter bitten die Weltgemeinschaft um Intervention.
Peking. ![]()
Exil-Tibeter in Indien bei einer Demonstration gegen die Unterdrückung in ihrer Heimat. Foto: Anindito MukherjeeBei Ausschreitungen nach der Selbstverbrennung eines Tibeters haben chinesische Sicherheitskräfte das Feuer eröffnet. Mindestens eine ältere Tibeterin sei getötet worden, berichtete die exiltibetische Regierung am Sonntag im indischen Dharamsala. Nach den Zusammenstößen am Samstag in Aba (tibetisch: Ngaba) in der Provinz Sichuan in Südwestchina wurden weitere Tote befürchtet. Viele Menschen seien verletzt worden. Seit März vergangenen Jahres war es bereits die 16. Selbstverbrennung aus Protest gegen die chinesische Herrschaft über die Tibeter.
Die Situation sei eskaliert, als rund 700 Menschen bei der Polizei die Herausgabe des Tibeters gefordert hätten, der sich mit Benzin überschüttet und angezündet hatte, teilten internationale Tibet-Gruppen mit. Es werde vermutet, dass der Mann tot sei.
Verurteilung von Gewalt
Die exiltibetische Regierung verurteilte die Gewalt gegen Zivilisten und forderte die internationale Gemeinschaft auf, bei der Regierung in Peking zu intervenieren. Die Vereinten Nationen sollten unabhängige Beobachter in die Region schicken, in der es seit Monaten immer wieder zu Selbstverbrennungen und Unruhen kommt. Wegen der Spannungen haben die chinesischen Behörden ein Großaufgebot von Sicherheitskräften nach Aba entsandt.
Augenzeugen hätten die Situation als "furchterregend" beschrieben, berichtete die in London ansässige Organisation Free Tibet. Die Sicherheitskräfte hätten auch Tränengas eingesetzt. Zahlreiche Menschen seien festgenommen worden. "Nach unserer Kenntnis dauert die Situation noch an und die Menschen in Ngaba sind entsetzt", sagte Stephanie Brigden von Free Tibet.
Situation "furchterregend"
Bei der Selbstverbrennung habe die Polizei versucht, die Flammen schnell zu löschen, und sei brutal gegen den Tibeter vorgegangen, berichtete die Aktionsgruppen. "Viele Menschen haben das gewaltsame Vorgehen der Polizei gegenüber dem Tibeter, der sich selbst verbrannt hat, beobachtet und waren sehr verärgert", zitierte die deutsche Sektion der International Campaign for Tibet (ICT) einen Tibeter aus der Region, der aus dem Exil mit Quellen vor Ort gesprochen habe.
Die Organisation sei "zutiefst besorgt über die Situation" in Aba und rufe die internationale Gemeinschaft dazu auf, die chinesische Regierung unmissverständlich zu Zurückhaltung zu drängen, sagte der deutsche ICT-Geschäftsführer Kai Müller.


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